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KOPENHAGEN. Die deutschen Medien vermelden wieder Behinderungen im Flugverkehr wegen des Eyjafjallajökull. Spanische Flughäfen seien bis 14 Uhr dicht. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass es auch den Norden Europas trifft. Ich sollte eigentlich in diesen Minuten von Kopenhagen Richtung Reykjavík abheben, doch nun ist der Flug ersteinmal auf morgen abend verschoben.


KOPENHAGEN. Während die isländische Regierung immer noch darauf wartet, dass sich die britische Regierung offiziell für den Einsatz der Antiterrorgesetze gegen die nördliche Nachbarinsel entschuldigt, gibt es aus Island ein “Tut mir leid”. Gestern telefonierte ich mit einer Freundin in Reykjavík und sie entschuldigte sich während des Gesprächs gleich zweimal dafür, welche Umstände ihr heimischer Vulkan uns Europäern bereitet hätte. Nun, das Ganze ist – anders als die Terrorgesetze – force majeure und dafür kann kein Isländer etwas. Aber Höflichkeit geht vor.


KOPENHAGEN. Nun fliegen sie wieder, die Jets. Der Ausbruch am Eyjafallajökull hat den Flugverkehr nur kurzfristig zum Stillstand gebracht. Doch wir kennen es aus unserem eigenen Leben, manchmal reicht es aus, kurz eine Alternative kennen zu lernen und schon ist klar: das bisherige ist es nicht gewesen. Vielleicht muss also gar nicht mehr der viel heftigere Vulkan Katla ausbrechen, um – welch ein schönes Bild – den Stein ins Rollen zu bringen. Die Zukunft bringt die Reisetradition zurück, die Distanz ist nicht mehr einzig eine ärgerliche Zahl von Kilometern, die überwunden werden muss, sondern Teil der Reise.

Henning Ritter schreibt in der FAZ vom Donnerstag, 22. April, in seiner Besprechung der Tagebücher Julius Meier-Graefes: “Meier-Graefes Tagebuch kartographiert jenes mit Beginn des Weltkriegs untergegangene kultivierte Europa, das mit Nachtzügen der Internationalen Schlafwagengesellschaft, mit so wenig Zeitverlust wie möglich, zu Bildern, Opern- und Theateraufführungen, zu den alten Kunststädten in Deutschland, Frankreich oder Italien reiste.”  2007 als kurz nacheinander die Venedig Biennale, die Art Basel, die Skulpturenausstellung in Münster und die documenta in Kassel eröffneten, gab es die so genannte Grand Tour, die Reise von einer Vernissage zur anderen. Das bevorzugte Fortbewegungsmittel des Kunst-Jet Sets dürfte der Flieger gewesen sein. Isländischem Vulkan sei Dank wird sich bei der nächsten Häufung von Eröffnungen internationaler Ausstellungen womöglich der Kunst-Train Set auf die Schiene aufmachen.

Wenn es nicht allzu viele Umstände bereitet, ersetze ich den Flieger durch Bahn oder Boot. Venedig-Biennale, Caspar-David Friedrich-Ausstellung in Hamburg, Interview in Oslo habe ich so schon fliegerfrei erreicht. Was aber mit einer meiner Lieblingsinseln? Aus Island, wo im Mai das Reykjavík Arts Festival eröffnet wird, gibt es nämlich keine Eisenbahn.

Als die isländische Wirtschaft noch glühend heiß war und der Tanz auf dem Vulkan die Stimmung auf der Insel wohl am besten beschrieb, hatte ich das absurdeste Flugerlebnis meiner bisherigen Journalistenzeit ausgerechnet auf Island. Zum Reykjavík Arts Festival 2005 flogen Journalisten, Politiker, Künstler und Kunstliebhaber an einem Tag von Vernissage zu Vernissage über die ganze Insel. Morgens ging es mit drei Fliegern auf dem regionalen Flughafen in Reykjavík los: im ersten Flieger saß der isländische Staatspräsident mit einigen Auserwählten. Die Kultusministerin samt einigen Künstlern, Journalisten und einigen anderen in Flieger Nummer zwei und die Mäzenin und erklärte Island-Begeisterte Francesca von Habsburg flog mit dem Privatflieger hinterher. Den genauen Reiseplan habe ich gar nicht mehr im Kopf, aber es sah in etwa so aus: Start Reykjavík, 20 Minuten Flug nach Isafjördur, kurze Busfahrt zur Ausstellungseröffnung (ein beeindruckendes Werk von Elin Hansdottir, kaum war das auch nur ansatzweise angeschaut worden, hieß es auch schon wieder: zurück in den Bus), zweiter Stop nach gefühlten 10 Minuten Flug: Akureyri, dort blieb noch weniger Zeit für den Ausstellungsbesuch (Matthew Barney und Gabriela Fridriksdottir, die in dem Jahr Island auf der Biennale in Venedig vertrat), denn das Buffet und der Bus zum Flughafen warteten. Dann: Egilstadir, um nach Seydisfjördur zu kommen. Etwas längere Busfahrt, doch welche Ausstellung wir damals sahen, dass weiß ich schon nicht mehr, denn es ging ja kurz darauf  natürlich mit dem Flieger bzw. mit den Fliegern – weiter auf die Westmännerinseln. Dort nächster Stehempfang, eine Performance und dann zurück nach Reykjavík. Schön, dass Island sich diese kostspielige eintägige Flugreise leisten konnte, aber sie ist auch symptomatisch: Statt Zeit für das wahre Erleben zu lassen, musste jede Möglichkeit genutzt werden und es blieb vor allem die Erinnerung an ein paar Stunden Leben in Saus und Braus.

Alain de Botton, der mit einem Schreiberstipendium in London auf dem Flughafen eingesperrt war, schreibt übrigens hier bei thefastertimes.com, wie er sich eine Welt ohne Flieger vorstellt. In Anlehnung an John Lennon beginnt sein Text mit “Imagine..”.


KOPENHAGEN. Gestern traf ich auf einem Abendessen bei Bekannten eine übermüdete Dänin – sie war mit einigen Tagen Verspätung aus Ihrem Griechenlandurlaub zurückgekehrt. Natürlich war der Ausbruch des Vulkans Eyjafalla auf Island daran schuld, dass ihr Auslandsaufenthalt zwangsläufig verlängert wurde. Dass sie überhaupt schon jetzt und nicht erst ein paar Tage später nach Hause kommen konnte, hatte sie aber etwas zu verdanken, von dem Isländer derzeit zu wenig haben: Hartgeld.

Die Dänin hatte ihren Urlaub selbst in die Hand genommen, statt einen Charteranbieter zu wählen, Flug und Hotel eigenhändig gebucht. Nun hatte aber ein Charterveranstalter einen Flieger organisiert, um seine Kunden aus Griechenland nach Kopenhagen auszufliegen. Individualtouristen waren nicht eingeplant. Doch gegen eine Einmalzahlung von 600 Euro war der dänische Reiseleiter bereit, die zwei anderen auch noch mitzunehmen. Bestechungsgelder auf griechischem Boden gehen eben nicht immer nur an Griechen, sondern auch schonmal an die achso ehrlichen Nordeuropäer (Der Corruption Perception Index 2009 listet Dänemark nach Neuseeland als das am wenigsten korruptionsanfällige Land der Erde auf, Griechenland liegt auf Platz 71 – zwischen Mazedonien und Rumänien; Deutschland: Platz 14).


KOPENHAGEN. Da ich weiß, dass dieser Blog auch von etlichen Isländern gelesen wird, eine kleine Linksammlung zur deutschen Fernsehkarriere von Ingólfur Bjarni Sigfusson. Der stellvertretender Chefredakteur des isländischen öffentlich-rechtlichen Senders RUV ist derzeit mit einem Stipendium der IJP – Internationalen Journalistenprogramme in Deutschland. Und Dank isländischem Pass, bester deutscher Sprachkenntnisse und Journalistenberuf ist er schnell zum beliebten Gast von Talkshows und anderen Fernsehsendungen avanciert.

Hier bei Beckmann, hier in heute in Europa über dieVersuche ausländischer Journalisten Eyjafjallajökull auszusprechen (wie gut, dass ich es nur schreiben können muss..), hier im Morgenmagazin zum Umgang der Isländer mit der Asche (alles ZDF). Das als kleiner Teaser..


KOPENHAGEN. “Merken Sie was?”, fragte erst neulich Claus Kleber im ZDF Heute Journal und lieferte seinen eigenen Eindruck gleich mit. “Ist irgendwie ruhiger.” Was Kleber da so en passant sagte, ist in Wahrheit eine Beobachtung, die zu einigen Überlegungen anregt. Denn er meinte damit ja nicht (nur) den Fluglärm, der normalerweise Anwohner von Flughäfen um ihren Schlaf bringt, dies aber derzeit nicht tut, weil die Asche des isländischen Eyjafjalla-Vulkans nun schon seit fünf Tagen den europäischen Luftverkehr blockiert. Kleber sprach auch von einer allgemeinen Beruhigung des Alltags, des hektischen Nachrichtenflusses. Irgendwie scheint weniger zu passieren, seitdem die stählernen Kollosse nicht mehr am Himmel kreuzen.

Eben keine Angela Merkel, die am gestrigen Sonntag in Hannover an den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen teilnimmt. Kein Treffen mit Ministerpräsident Berlusconi und im Anschluss auch keine Eröffnung der Hannover Messe, die eigentlich im Terminkalender der Bundekanzlerin stand. Statt dessen eine gestrandete Politikerin, die aus den USA zunächst nach Lissabon musste, weil kein europäischer Flughafen nördlich von Alpen und Pyrenäen geöffnet hatte. Dann weiter nach Rom und von dort dann mit dem Bus durch die norditalienische Poebene tingelte. Irgendwie Richtung Berlin.

Ein Ärgernis? Eine Katastrophe gar? Oder einfach nur ein paar freie Tage? Eine unverhoffte Auszeit vom politischen Alltag? Man mag in diesen Tagen wütend sein auf Islands Eyjafjalla-Vulkan, weil er Pläne durchkreuzt, Ereignisse verhindert und viel Geld kostet. Man kann aber auch gut finden, dass die Asche sich wie ein Schleier auf den hektischen Alltag legt, ihm das Grelle und Schrille nimmt. Welche Einstellung man auch hat, Tatsache ist: Der Eyjafjalla-Vulkan auf Island wirkt als großer Entschleuniger einer Welt, deren Rhythmus längst aus dem Takt geraten ist. Hat der Vulkanausbruch also nicht auch sein Gutes?

Der in London lebende Philosoph und Schriftsteller Alain de Botton hat sich in einem Artikel für die BBC ein paar Gedanken zu einer Welt ohne Flugzeuge gemacht. Er kommt zu dem Schluss, dass man dem isländischen Vulkan doch eigentlich dankbar sein sollte, weil er uns allen eine Atempause verschafft und uns Zeit gibt zum Innehalten und Nachdenken.

Vielleicht gibt uns der Vulkan auch nur einen Vorgeschmack auf die Zeit, wenn sich die Menscheit die zivile Luftfahrt wegen zu hoher Rohstoffpreise schlicht nicht mehr leisten kann. Zumindest interkontinental wäre dann das Schiff wieder Verkehrsmittel Nummer 1. Reisezeiten wären wieder länger, die Seele hätte Zeit, Ortswechsel mitzuvollziehen. Heutzutage hat sie auf der Strecke Kopenhagen-New York dafür ja nur sechs Stunden. Reisen wären dann wieder echte Reisen, weil sie gemächlich von statten gehen würden.

Auf der Seite informationisbeautiful.net hat man auf Datenbasis des Vulkanologischen Instituts der Universität von Island den täglichen CO²-Ausstoß der europäischen Luftfahrtindustrie (344.109 Tonnen) den des Vulkans Eyjafjalla (etwa 15.000 Tonnen) gegenüber gestellt. Natürlich eine sehr vereinfachte Darstellung, da in dieser Rechnung Stoffe wie Schwefel und Methan außer Acht gelassen werden. Sie gibt aber eine Idee von dem vergleichsweise niedrigen Ausstoßes des Treibhausgases Kohlendioxid. Zumal durch die drastische Reduzierung des Flugverkehrs täglich auch noch 206.465 Tonnen eingespart werden sollen. Doch dieser Umweltaspekt nur nebenbei.

Island entschleunigt derzeit die Welt, selbst die Finanzkrise und den erst Anfang vergangener Woche herausgebrachten 2000 Seiten starken Untersuchungsbericht scheint die Aschewolke komplett verschluckt zu haben.

Trotzdem hoffe ich, dass der Eyjafjalla-Vulkan bald zur Ruhe kommt. Denn ich habe für kommenden Samstag einen Flug von Kopenhagen nach Alicante gebucht, und den würde ich wirklich gerne antreten. Entschleunigung hin oder her.


Lange nicht mehr ausgebrochen: Vatnajökull im Westen von Island. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Nun ist der isländische Vulkanausbruch in der dänischen Innenpolitik angekommen: Kim Christiansen, Verkehrspolitischer Sprecher der rechtspopulistischen (Dansk Folkepari, DF) fordert eine Vulkankommission. Politiker und Experten sollten eine Strategie erarbeiten, um den Konsequenzen dieses und zukünftiger Vulkanausbrüche auf Island zu begegnen. Keine andere, der im Parlament vertretenen Parteien hat sich dem Vorschlag, bisher angeschlossen. Gegen Vulkanausbrüche können wohl nur die Politiker der DF etwas unternehmen, alle anderen akzeptieren force majore und gehen lieber mit anderen Vorschlägen auf Stimmenfang.


KOPENHAGEN. Der isländische Vulkanausbruch ist derzeit das dominierende Ereignis in den Medien (und im Verkehr). Über die wirtschaftlichen Folgen für Großbritannien, das derzeit ja mit Island wegen Icesave  im Streit liegt, spekuliert im Blog des britischen Telegraph Jeremy Warner.

Mittlerweile wird wieder geflogen, zumindest über Island. Dort startete der örtliche metereologische Dienst und brachte ein paar Bilder von der Aschewolke mit, die auf der Website des Dienstes zu sehen sind.


KOPENHAGEN. Ausgerechnet jetzt, wo Island sich daran macht, die Ursachen für die Finanzkrise aufzuarbeiten, bahnt sich die Naturgewalt ihren Weg und zieht in Form eines riesigen Vulkanausbruchs beim Gletscher Eyjafjalla fast alle Aufmerksamkeit auf sich. Hat da etwa der bekannte isländische Filmproduzent Sigurjón Joni Sighvatsson seine Finger im Spiel und inszeniert a la “Wag the Dog” ein Ablenkunsgmanöver, um die Ex-Politikerelite vor der öffentlichen Verurteilung zu retten? Die Isländer sind doch immer so kreativ.

Sicherheitshalber habe ich mit Simon Birgisson gesprochen, der für das isländische Onlinemedium visir.is arbeitet: „Wir machen auf Island derzeit ohnehin eine schwierige Zeit durch, es ist schon komisch, dass ausgerechnet jetzt auch noch der große Vulkanausbruch kommen muss“, sagte er mir am Telefon aus Reykjavík. Am Montag wurde auf Island der Untersuchungsbericht über die Ursachen der Finanzkrise veröffentlicht (falls die Vulkanasche die Erinnerungen trübt: auf dem Inselstaat wurden vor anderthalb Jahren binnen weniger Tage die größten drei Banken verstaatlicht. Nun zählt das ehemals so reiche Land zu den größten europäischen Leidtragenden der Finanzkrise.) „Heute verdrängt der Vulkanausbruch die Aufklärungsdiskussion, aber ich habe keine Angst, dass dieser wichtige Bericht keine Beachtung mehr findet“, so Birgisson.

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