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KOPENHAGEN. Bereits im vergangenen Jahr schrieb ich auf Englisch einen Artikel über den dänischen Dichter Yahya Hassan fur The Wall Street Journal. Als ich ihn traf, war er polarisierte bereits Dänemark, war aber im Ausland nahezu unbekannt. Gestern nun ist sein Debut auf Deutsch erschienen und wir haben ein aktualisiertes Portrait auf der deutschen Seite wsj.de publiziert. Zu lesen ist es hier.

Die Gedichte sind bei Ullstein erschienen. In diesen und in Interviews stellt er die seiner Meinung nach heuchlerische Seite einiger Muslime und seines Vaters, der ihn angeblich schlug, dar und klagt darüber.

Hassan schreibt ausschließlich in Großbuchstaben, die Verse wirken wie geschrien und auch er schleudert im Gespräch die Worte oftmals mehr als dass er sie spricht. (Hier eine Leseprobe auf Deutsch beim Perlentaucher.)

Lesenswert ist das Buch, doch sollte jedem klar sein, dass nicht jeder Muslim ist wie die, die Hassan beschreibt und dass es auch Eltern gibt, die sich Christen nennen und ihre Kinder ebenso misshandeln. Eine Debatte anstoßen kann das Buch allemal.

Bleibt die Frage, was von der literarischen Qualität zu halten ist. Aufbau und Ton der meisten Gedichte sind sehr ähnlich. Es ist deshalb ermüdend eins nach dem anderen zu lesen. In etwa so wie wenn man eine Küsschen, Küsschen-Kurzgeschichte von Roald Dahl nach der anderen wegliest - so gut diese sind, spätestens nach der dritten ist der makabere Überraschungseffekt dahin.


KOPENHAGEN.Normalerweise steht Norwegen nur zweimal im Jahr für einen kurzen Augenblick im Zentrum der internationalen Medienöffentlichkeit: Wenn im Oktober der Preisträger für den Friedensnobelpreis bekanntgegeben wird und im Dezember, wenn diese wohl berühmteste aller internationalen Auszeichnungen bei einem Festakt im Rathaus verliehen wird. Doch am 22. Juli 2011 sorgte Anders Behring Breivik mit seinen Terrortaten dafür, dass seine Heimat Norwegen im Jahr der Tat und im Jahr danach immer wieder wegen Gewalt statt wegen Friedens wahrgenommen wurde. Der Anfang Dreißigjährige, der sich selber zum Terroristen geschult hatte, zündete erst im Regierungsviertel von Oslo eine Bombe und tötete so acht Menschen. Dann fuhr er zur Insel Utøya, wo die Jugendorganisation der Sozialdemokraten (AUF) ihr traditionelles Sommerlager abhielt, und erschoss weitere 69 überwiegend junge Menschen. Ein ganzes Land war im Schock. Schießereien sind in Norwegen sehr selten, einen Terrorakt diesen Ausmaßes gab es nie zuvor und war wohl weder im In-, noch im Ausland von jemandem für wahrscheinlich gehalten worden.

Heute ist Anders Behring Breivik zu einer Haftstrafe von 21 Jahren verurteilt worden (dazu hier die englische Version meines Beitrags für die Deutsche Welle). Wie von ihm selber erhofft, wurde er vom Gericht für zurechnungsfähig gehalten. Gutachter waren sich in der Frage uneinig gewesen und auch in der Bevölkerung war diskutiert worden, inwieweit eine solch grausame Tat von einem Menschen begangen worden sein kann, der zurechnungsfähig ist.

„Die Attentate werden unsere Generation prägen“, sagt Lars Ellingsgard Øverli. Der Fotograf ist Anfang 20 und in den vergangenen Monaten mit zwei ebenfalls jungen Kollegen durch Norwegen gereist, um die Jugend zu portraitieren, die im Alter der Fotografen und damit der meisten, der auf Utøya Ermordeten ist. Er meint, dass der 22. Juli 2011 für diejenigen, die heute im jungen Erwachsenenalter sind, ähnlich einschneidend ist, wie für deren Großeltern der zweite Weltkrieg, in dem Norwegen von Deutschland besetzt war.

Unmittelbar nach der Bombenexplosion am Nachmittag dieses Freitags vor etwas mehr als einem Jahr dachten viele an möglichen islamischen Terror. Doch stattdessen handelte es sich um den Terror eines rechtsextremen Anti-Islamisten. Anders Behring Breivik hatte aus Hass gegen die offene Gesellschaft gemordet. In einem kruden Manifest, dass er vor der Tat verschickt hatte, breitete er seine von Verschwörungstheorien und Rassismus geprägten Gedanken aus. Auf den ersten Blick schien der Attentäter aus der Mitte der Gesellschaft zu kommen: Er stammte aus so genanntem gutbürgerlichen norwegischem Hause, war zuvor nicht weiter aufgefallen, konnte sich artikulieren und hatte einmal eine kleine Karriere in der rechtsliberalen bis rechtspopulistischen, aber etablierten Fortschrittspartei gestartet. All dies machte den Schock in Norwegen anfangs nur noch spezieller. Denn während islamistischer Terror stets wenn auch unwahrscheinlich, so denkbar schien, hatte niemand mit einer derartigen Tat eines heimischen Rechtsextremisten gerechnet. Dass war die erste Illusion, die in Norwegen aufgegeben werden musste.

Darauf reagierte die Bevölkerung auf eine ganz eigene Weise. Während ein Attentat von Islamisten vermutlich nicht zu kollektiven Reaktionen geführt hätte, war es in diesem Falle ganz anders. Zu tausenden gingen sie bei Demonstrationen und Trauerveranstaltungen auf die Straße, Einwanderer und jene, die aus Familien stammen, die seit ein oder zwei Generationen in Norwegen gelebt haben, Politiker aller im Parlament vertretenen Parteien – sie alle wollten gemeinsam ein Zeichen setzen, dass sie diesen Teil der norwegischen Gesellschaft nicht akzeptieren. Gleichzeitig erweckte diese kollektive Demonstration zumindest auch den Anschein, dass in Norwegen eben doch alle an der offenen Gesellschaft festhalten wollen, die der Attentäter so hasste. In dieser so schweren Zeit des 5-Millionen-Einwohnerlandes wurde Premierminister Jens Stoltenberg zur einenden Kraft (dazu schrieb ich nach dem Attentat diesen Artikel für Focus). Der Sozialdemokrat wurde mit seiner Empathie zum Landesvater. Stoltenberg war die Lichtgestalt in diesem entsetzlich düsteren Trauerstück. Ein Held der ruhigen und besonnenen Worte. Einer, der trauert, tröstet und klagt. Und auf schnelle Anklagen verzichtet. Unvergessen seine Worte: „Unsere Antwort ist mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Menschlichkeit. Aber niemals Naivität.“ Denn naiv war es gewesen zu glauben, solche Menschen wie Behring Breivik gäbe es in Norwegen nicht.

Es sei, so erklärt der bekannte Autor Øyvind Strømmen damals, zwar fantastisch, wie die Menschen in Norwegen jetzt reagieren. „Wichtig ist aber auch, wie es in den kommenden Monaten und Jahren weitergeht.“ Das Land habe Probleme, und diese müsse man jetzt auch ansprechen. Die großen gesellschaftlichen Debatten, so forderte Strømmen, müsse man in Zukunft zivilisierter und offener führen. Insbesondere die Frage nach der „richtigen“ Integrationspolitik. Politiker der rechtsliberalen Fortschrittspartei sehen Migranten bislang nur als Problem, die Linke hingegen weigert sich, Schwierigkeiten mit den Zuwanderern überhaupt nur anzusprechen. „Drogenprobleme im Einwanderermilieu, undemokratische Ideen, mangelnde Homosexuellenrechte, Anforderungen, die an Sprachkenntnisse gestellt werden – all das hat vor allem die Linke nicht ernsthaft diskutieren wollen“, klagte Strømmen. Dass laissez-faire eine Form der Liberalität ist, ist die zweite Illusion, die seit dem 22. Juli 2011 zersprungen ist (mehr dazu auch in meinem bei Focus online erschienen Interview mit Thorvald Stoltenberg, Ex-Minister und Vater des Ministerpräsidenten).

Die dritte Illusion zeigte bereits kurz nach dem Attentat Risse, wurde dann endgültig Mitte August 2012 zerstört: Jene, dass die Institutionen in Norwegen fehlerfrei arbeiten. Ein kurz vor der Urteilsverkündung präsentierter Untersuchungsbericht zeigt, dass das nicht der Fall war. Auch in Norwegen wurde geschlampt. Der Geheimdienst hatte den Attentäter schon einmal auf dem Schirm und hätte womöglich eingreifen können. Die Polizei machte am Tage der Anschläge viele Fehler, hätte die Jagd auf die Jugendlichen, bei der der Großteil der Opfer umkam, womöglich verhindern, zumindest aber früher stoppen können (zum Kommissionsbericht hier ein Kommentar, den ich für WDR 5 schrieb).

Der transparente Prozess (hier dazu ein Kommentar des Kollegen Gunnar Hermann von  der Süddeutschen, mein im Focus erschienenes Interview mit Siri Marie Seim Sønstelie, einer jungen Norwegerin, die entkommen konnte, hier das für die Financial Times Deutschland geschriebene Porträt der Richterin, hier wird im norwegischen Morgenbladet der Prozess positiv kommentiert, hier wird im Dagbladet analysiert, wie der Prozess in Breiviks Pläne passt) aber, der der Würde der Opfer ebenso wie den Menschenrechten des Täters gerecht wurde, hat Norwegen gezeigt, dass es möglich ist, diese Tat systematisch aufzuarbeiten. Damit sie nicht auf ewig wie eine Last auf dem Lande liegt und damit so etwas nicht noch einmal geschieht.

Absolute Sicherheit gibt es nicht, schon gar nicht in einer offenen Gesellschaft. Die Gesellschaft ist es aber auch, die Taten verhindern kann, ohne dass dafür totale Überwachung notwendig wäre. So simpel es klingt, aber manch einer wäre womöglich nicht zum Gewalttäter geworden, hätte er sich mehr integriert gefühlt und von den Nachbarn und Mitmenschen ein klein bisschen mehr Aufmerksamkeit erfahren. Aufmerksamkeit, die – sollte jemand doch in Extremismus abdriften – dazu führen kann, dass dieser gefährliche Schritt bemerkt und so Greuel verhindert werden. Für diese Erkenntnis ist nicht einmal eine Untersuchungskommission notwendig.


KOPENHAGEN. Das israelische Künstlerduo Gil & Moti will Araber zu Freunden machen und der Homosexualität zur Normalität verhelfen – ab diesem Wochenende auch in Bochum (hier der Link zur Website des Museums, die in etwa so attraktiv gestaltet ist wie ein Leitz-Ordner). Ich habe die beiden anlässlich ihrer aktuellen Ausstellung in Kopenhagen getroffen.

Pat und Patachon, Gilbert & George, Eva & Adele, Schulz und Schultze – echte oder vermeintliche Zwillingspaare sind in Populärkultur wie Kunst ein Hingucker, oft unterhaltsam, manchmal (gewollt oder ungewollt) lächerlich. Nun also Gil & Moti. Doch mit wem der erstgenannten hat das israelische Künstlerpaar eigentlich am meisten gemein? Die beiden sind Männer, das spricht für das dänische Stummfilmduo Pat und Patachon, die Künstler Gilbert & George sowie Schulz und Schultze, das Zwillingspaar aus den Tim und Struppi-Comics. Sie sind Künstler – wie Gilbert & George und Eva & Adele. Sie sehen sich ziemlich ähnlich, ebenso Gilbert & George, Eva & Adele sowie Schulz und Schultze. Offensichtlichkeiten helfen also nicht weiter. Menschen und Werk muss auf die Spur gegangen werden. Für die online Ausgabe von art habe ich das anlässlich der noch andauernden Ausstellung in der Kunsthalle Nikolaj in Kopenhagen getan. Der Text bei art kann hier gelesen werden, zur Kunsthalle Nikolaj geht es hier.


KOPENHAGEN. Tagelang war eine junge illegale Einwanderin in der vergangenen Woche in Norwegen das beherrschende Thema. Maria Amelie, aus Russland stammend und von dort vor etlichen Jahren mit ihren Eltern nach Norwegen geflohen, sollte abgeschoben worden. Obwohl sie als Kind immigriert war und als Kind ihr Asylantrag abgelehnt worden war und obwohl sie die Sprache lernte und sich bestens, sprich akademisch, ausbildete und obwohl sie einen Arbeitsplatz angeboten bekommen hatte. Am Montag wurde Maria Amelie trotz Protesten abgeschoben, ihr norwegischer Partner begleitete sie nach Moskau – angeblich hat er nun nicht die entsprechenden Papiere, um sich dort aufzuhalten. Ein Kurzportrait von Maria Amelie habe ich für Die Welt geschrieben – online ist es hier zu lesen.


KOPENHAGEN. Viel ist in den vergangenen zehn Jahren geschrieben worden über den Ruck nach Rechts in Dänemark. Aus der Dänischen Volkspartei (DF – Dansk Folkeparti) kam im vergangenen Jahr der Ruf danach, die Migration auf “westliche Zuwanderung” zu beschränken – was auch immer das genau heißen mag. Doch wie fühlen sich die westlichen Zuwanderer in Dänemark? Nicht allzuwohl, legt eine Studie von Dagmar Fink nahe. Irini Armouti hat kurz vor Ende des Praktikums darüber in der Welt geschrieben.


KOPENHAGEN. Nobelpreisverleihungen, Wikileaks, Selbstmordattentat in Stockholm – dieser Tage ist im Norden so viel los wie selten. Der Blog wurde deshalb in den vergangenen Wochen sträflich vernachlässigt, wenngleich nicht völlig ignoriert. Nachgeliefert sei eine Woche nach dem Attentat in Stockholm hiermit zunächsteinmal der Hinweis auf meine Berichterstattung zum Thema in der Welt – online ist hier der große Bericht vom Tag des Anschlags und hier ein Text zum Attentäter (geschrieben gemeinsam mit dem Kollegen in London) zu lesen. Der schwedische Schriftsteller Jonas Hassen Khemiri hat in Dagens Nyheter seine Gedanken zum Attentat, zum uns und die und mehr aufgeschrieben.


KOPENHAGEN. Gestern fand das Symposium „ Integrationspolitik in Skandinavien“ statt, das in Zusammenarbeit von Cevea Think Tank Dänemark und der Friedrich Ebert Stiftung organisiert wurde. Zahlreiche Wissenschaftler und Experten sprachen über optimale Maßnahmen, Herausforderungen und Möglichkeiten rund um das Thema Integration. Was mir an der Veranstaltung gefiel, war, dass sehr viele Fakten beziehungsweise Wissen rund um das Thema Migration und Integration vermittelt wurden.

Jedoch hat nicht jeder die Möglichkeit sich diffenziert mit der Thematik auseinanderzusetzen. Und darin liegt auch das Grundproblem: Jens Jonathan Stehen, der Direktor von Cevea Dänemark erklärte gestern, es gebe einen Mangel an fundiertem Wissen zum Thema Integration. Das ist vor allem besorgniserregend, wenn Migration und Integration derzeit inflationär verwendete Begriffe in den Medien und zwar sowohl in den skandinavischen Ländern als auch in Deutschland sind. Zusätzlich werden hitzige Debatten rund um das Thema Integration geführt, obwohl niemand genau weiß, was das ist. Und daher würde ich ein derartiges Symposium nur weiterempfehlen um den Mangel an fundiertem Wissen entgegenzuwirken. Sonst wird viel geredet, aber wenig gewusst und nur polarisiert. Daher, liebe Mitredner. Wie wärs‘ mit erst Wissen, dann Denken und bitte dann erst Reden?


KOPENHAGEN. Wer einmal In the Ghetto ist, hat’s schwer dem zu entkommen. Das wusste schon Elvis Presley. Dänemark will diesen Kreislauf jetzt mit einer Anti-Ghetto-Strategie brechen. Wie die aussieht, habe ich hier in der Welt beschrieben. 68 000 Dänen müssen nun damit leben als Ghetto-Bewohner deklariert zu werden. Doch ist diesen wirklich geholfen, wenn sie nun als Einwohner von Problembezirken stigmatisiert werden? Der ein oder andere mag das als Ansporn sehen, rauszukommen, andere eher als noch demotivierender. Elvis Presley scheint die Problematik besser verstanden zu haben als manch dänischer Politiker – sein Liedtext zum Problemkreislauf Ghetto hier.


KOPENHAGEN. In Malmö wird derzeit Jagd auf Menschen mit Migrationshintergrund gemacht. An der Bushaltestelle warten, in der Wohnung sitzend werden sie aus Entfernung angeschossen. Seit einem Jahr  hat es in der südschwedischen Stadt über 15 solcher Fälle gegeben, Schüsse fielen gar noch viel mehr. Eine Person kam ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.

In Schweden werden Erinnerungen an einen ähnlichen Fall vor rund zwanzig Jahren wach. Damals schoss der so genannte Lasermann in Stockholm auf Menschen, die er für Immigranten hielt, eine Person wurde getötet. Sämtliche Opfer hatten dunkle Haut- oder Haarfarbe. Der Täter war selber Sohn von Einwanderern – die Mutter kam aus Deutschland, der Vater aus der Schweiz.

Damals wie heute war die politische Debatte in Schweden ungewöhnlich stark von Fremdenfeindlichkeit geprägt. Im Jahr 1991 als die Schießereien in Stockholm begannen, zog mit „Ny Demokrati“ (Neue Demokratie) erstmals eine rechtspopulistische Partei in das nationale Parlament ein. Der Wiedereinzug gelang den Rechten aber 1994 nicht. Im selben Jahr wurde der damalige Täter gefasst. Vor gut einem Monat schafften die „Sverigedemokraterna“ (Schwedendemokraten) den Einzug ins Parlament – zum zweiten Mal sind in Schweden Rechtspopulisten im Reichstag vertreten. In den 1990ern wie heute polemisieren die Rechten gegen Einwanderer. In Schweden wird gemutmasst, dass das politische Klima den Nährboden für die ausländerfeindlichen Taten bereitet haben könnte. Immer wieder werden die Schüsse deshalb im Zusammenhang mit den Schwedendemokarten genannt. Nicht dass jemand behauptet, die Partei würde aktiv zu entsprechenden Taten aufrufen, aber eben Ausländerfeindlichkeit salonfähig machen.

Doch obwohl in den Medien entsprechende Vorwürfe wieder und wieder zu hören sind, ist von den Schwedendemokraten zu dem Thema erstaunlich wenig zu hören. Als ich einen Text über die Schüsse für die Welt schrieb, rief ich deshalb bei der Partei an. Der Sprecher nahm Abstand von den Angriffen und bestätigte, was ich vermutet hatte, nämlich, dass kaum ein schwedischer Kollege bei den Schwedendemokraten um einen Kommentar zu den Vorwürfen gebeten hatte. Eine gelinde gesagt seltsame Arbeitsweise, die die schwedischen Journalisten da an den Tag legen. Die Partei vertritt alles andere als liberale Ansichten und polemisiert gegen Ausländer, doch sollte sie als Beschuldigte auch die Möglichkeit haben, zu Wort zu kommen.

„Wir halten diese Schüsse für bedauerlich, aber können keine Verbindung zu uns sehen“, sagte mir einParteisprecher. Die Partei habe stets die Einwanderungspolitik kritisiert, aber nicht sich gegen die einzelnen Einwanderer gewandt, so der Sprecher. Obwohl die Rhetorik der Schwedendemokraten in den schwedischen Medien mehrfach mit den Schüssen in Malmö in Zusammenhang gebracht werde, habe es nur wenige Anfragen heimischer Medien gegeben, dazu Stellung zu beziehen, sagte er. „Dass wir nicht kontaktiert werden, ist ein Teil der Hetze gegen uns“, sagte er. Genauso wie ich von den schwedischen Kollegen erwartet hätte, bei den Schwedendemokraten eine Stellungnahme einzuholen, hätte ich allerdings auch von der Partei erwartet, selber mit einer entsprechenden Meldung an die Presse zu gehen.


KOPENHAGEN. Er könne keiner Fliege etwas zu Leide tun – vielleicht ist es jenes Image, das Jimmie Åkesson, anstrebt. Der junge Mann ist wie bekannt Parteivorsitzender der rechtspopulistischen Schwedendemokraten und frisch gewähltes Mitglied des schwedischen Reichstags. Als solches zieht er derzeit viel Aufmerksamkeit auf sich (auch dann, wenn er nicht gerade aus Protest die Kirche verlässt). Das norwegische Morgenbladet führte das Interview der Woche in der letzten September-Ausgabe mit dem Politiker. Dort offenbarte er, wieso die Ausländer Europa so gefährlich werden können. Es ist deren Umgang mit den Tieren!

Gefragt, ob es primär Muslime seien, die seiner Meinung nach lieber das Land verlassen sollten, antwortete Åkesson: “Das gilt für alle, die von kulturell rückständigen Ländern kommen. Muslime und andere, die fundamental unterschiedliche Sicht auf grundlegende Teile unserer Gesellschaft haben – Gleichstellung, Behandlung von Tieren, Demokratie und Konfliktlösung.” Leider vertieft er sein Tier-Argument nicht. So bleibt nur, Vermutungen anzustellen – ist es das Schächten der Tiere, das Åkesson für so zurückgeblieben hält? Oder die Tatsache, dass in manchen Religionen kein Schweinefleisch gegessen wird oder vielleicht das Faktum, dass Rinder auf der Straße herumlaufen dürfen statt zusammengepfercht im Stall zu stehen? Jedenfalls ist es gut, dass man oder zumindest Åkesson die bösen Menschen daran erkennen kann, wie sie ihre Tiere behandeln. Noch habe ich nicht nachgeschaut, aber vielleicht schlagen die Sverigedemokraterna ja in ihrem Parteiprogramm vor, Asylantenheime nach der erzwungenen Abwanderung von 90 % der Einwanderer in Tier-Asyle umzubauen.

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