Uber geht in Dänemark unter. Folgt AirBnB?


Die Tageszeitung Politiken hat den Uber Exit heut ganz oben. (Foto: Bomsdorf; Zeitung: http://www.politiken.dk)

 

KOPENHAGEN. Uber verlässt den dänischen Markt. Vorerst zumindest. Wirklich überraschend kommt die gestrige Ankündigung des amerikanischen Fahrdienstvermittlers nicht. Die Taxi-Branche in Dänemark hatte lautstark gegen Uber protestiert, gefallen ist das Unternehmen letztlich auch über die Steuer. Denn die Preise konnten wohl auch deshalb erheblich niedriger als bei gewöhnlichen Taxen sein, weil etliche private Fahrer die Einnahmen nicht versteuerten. Wenn brutto = netto gilt, lohnen auch niedrige Tarife. Um dagegen vorzugehen, hat die Regierung gemeinsam mit Oppositionsparteien neue Regeln beschlossen, nachdem auch Uber-Fahrer u.a. Taxameter haben sollen. Derartige Ausrüstung kostet, macht die steuerliche Erfassung leichter und würde das Uber-Fahren zu niedrigen Preisen erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen.

Das war es also erstmal für Uber und Dänemark. AirBnB ist noch im Lande, aber auch hier wettert die Konkurrenz (Hotelbranche) und der Staat ist besorgt, dass die Bürger die Einnahmen aus der Zimmervermietung nicht versteuern. Gespräche zwischen AirBnB und der Politik laufen. Die Sharing Economy wird auch in Dänemark viel gepriesen, aber weil es in Nordeuropa üblich ist, die Lasten über Steuern zu teilen, dürfen sich auch die vorgeblich sozialen Dienste nicht alles erlauben.

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Alle Macht allen: Die Geschichte von Hasch, Freiheit, Geld und Immobilien


Bildschirmfoto 2016-09-02 um 14.01.09KOPENHAGEN. Der 2. September könnte ein denkwürdiger Tag werden in der Geschichte der Kopenhagener Freistadt Christiania. Denn heute wird abgerissen, was womöglich größter Touristenmagnet und größtes Problem Christianias zugleich ist: die Haschischbuden der Pusher-Street.

In den selbstgezimmerten Holzhäuschen wurde der Verkauf der weichen Droge lange toleriert, doch nachdem vor wenigen Tagen Polizisten angeschossen worden waren und ein Dealer auch (er erlag mittlerweile seinen Verletzungen), haben die Bewohner genug. Schließlich war Peace stets eine ihrer wichtigsten Losungen und da passt es absolut nicht ins Bild, dass ein Dealer um sich geschossen hat.

Sollte der heutige Tag der Beginn des Drogen-Banns sein, dann würde tatsächlich Geschichte geschrieben. Wer mehr über die Historie der Freistadt erfahren möchte, dem sei mein Kapitel im Buch Utopien empfohlen. Es trägt den Titel „Alle Macht allen: Die Geschichte von Hasch, Freiheit, Geld und Immobilien“ und beginnt so:

„Es ist purer Zufall, doch passender könnte die Begrüßung nicht sein: Beim Betreten von Christiania kommt mir ein Mann schlendernd entgegen, die Zigarette in seiner Hand verströmt jenen süßlichen, an schmorende Kiefernnadeln erinnernden Geruch, der nur von verbrennendem Haschisch stammen kann.

»Alles ist erlaubt in Christiania«, sagt eine der deutschen Touristinnen, die ein paar Schritte vor mir gehen und dem Mann ebenfalls begegnen. »Alles«, wiederholt eine ihrer Begleiterinnen und es klingt bei beiden überhaupt nicht entrüstet, sondern eher so, wie sie wohl im Italienurlaub die dortigen Fahrsitten kommentieren würden: mit Freude in der Stimme sowohl darüber, dass es im Urlaubsland anders, entspannter, zugeht, und gleichzeitig auch darüber, dass es daheim doch geordneter ist.

Die Freistadt Christiania ist für Kopenhagen so etwas wie die Freiheitsstatue für die USA – eine der größten Touristenattraktionen, die zugleich für ein Lebensgefühl steht. Dänemark galt Jahrzehnte als Europas Hochburg der Linken und Liberalen, die auch dem Sinnlichen nicht abgeneigt waren. Hier wurde zuerst – ausgerechnet 1969 – pornografisches Bildmaterial legalisiert und die rote Sonne aus dem »Atomkraft? Nein Danke«-Logo erfunden. Hier wurden, schon lange bevor in Deutschland etwas Ähnliches passierte, Schritte in Arbeitsmarktpolitik und Kinderbetreuung ergriffen, die es Frauen ermöglichen sollten, Karriere und Kinder zu vereinbaren.“

Neugierig? Hier gehts zum Buch bei Amazon.

Das Leben ist kein Giraffenhof oder The Killing auf Dänisch


KOPENHAGEN. Das kleine Königreich Dänemark, bisher dafür geliebt, dass Gewalt nur in Büchern und Filmen stattfand, hat die Weltöffentlichkeit mit einer Greueltat erschreckt: Der 18 Monate alte Marius wurde ermordet. Mit einem Kopfschuss. Und dann den Löwen zum Fraß vorgeworfen.

Klingt nach einer Gewalttat aus einer noch nicht veröffentlichten Folge von The Killing oder Broen? Ist aber an diesem Wochenende Kopenhagener Wirklichkeit geworden und zwar nach Vorankündigung. Wie inzwischen jeder weiß. Denn über die Tötung der Giraffe Marius haben vom Guardian über BBC und Süddeutsche fast alle berichtet und meist mächtig auf die Tränendrüse gedrückt.

Der Aufschrei, der durch die Welt ging, war übrigens ähnlich gross als der dänische Kunstler Bjørn Nørgaard seine „Pferdeopfer“ zelebrierte und vor laufender Kamera ein Pferd erschoss und dann ausnahm. Das Video der Performance und einige Stücke Pferdefleisch können in Statens Museum for Kunst betrachtet werden (hier ein Text von mir bei art online zur Retrospektive des Künstlers im SMK). Die rituell anmutende Schlachtung geschah damals im Protest gegen den Vietnamkrieg, aber der politische Hintergrund ging im Gezeter um den Tod des Pferdes beinahe unter.

Der Zoo meinte die Giraffe töten zu müssen, da sonst das Risiko der Inzucht zu hoch sei und die schade dem Genpool der in europäischen Zoos lebenden Giraffen. Außerdem sei es nun einmal Teil der Futterkette, dass Löwen Giraffen essen – ebenso wie Menschen Hühner und Schweine essen.

Trotzdem gab es eine online-Petition gegen die Tötung und ein handvoll Leute versammelte sich vor dem Kopenhagener Zoo, um gegen die Erschießung zu protestieren. Es gab aber auch etliche, die in den Zoo kamen, um zu sehen, wie die tote Giraffe zerlegt wurde. Einfacher kann wohl niemand etwas über Giraffenbiologie und fressen und gefressen werden lernen.

Die dänische Zeitung Berlingske titelte übrigens „Das Leben ist kein Disney-Film“. Klingt gut, gilt aber nicht fur alle Kopenhagener Zoo-Bewohner. So leben die Elefanten seit ein paar Jahren in einem Haus und Gehege, das der britische Star Architekt Sir Norman Foster entworfen hat. Ja, der, der auch den berühmten wahlweise Gurke oder Penis genannten Turm in London und die Kuppel des Reichstags entworfen hat.

Ohne Steuern strampeln


KOPENHAGEN. Dänemark rühmt sich gerne dafür besonders viele Einwohner zu haben, die das Auto stehen lassen (oder gar keins haben) und mit dem Fahrrad zu Arbeit, Einkauf oder Freizeitvergnügen fahren. Was die Radler-Lobby aber gerne verschweigt, ist, dass das nicht nur geschieht, weil alle achso ökologisch bewusst oder sportlich sein wollen, sondern vielen ist das Auto als Fortbewegungsmittel schlichtweg zu teuer. Schließlich entfällt auf PKW eine Sondersteuer von satten 180 Prozent, da wird ein Gold in Dänemark schnell so teuer wie eine E-Klasse in Deutschland. Sich damit zu brüsten, dass es nur die gute Infrastruktur und die Überzeugung sind, die die Dänen aufs Rad bringen ist, als wolle man sagen in Burkina Faso gingen so viele zu Fuß, weil das so angenehm sei (und nicht etwa, weil es an finanziellen Mitteln fehlt). Politik halt, aber das Radfahren in Kopenhagen geht wirklich klasse – mehr dazu in meinem Artikel für Die Welt.

Reise-Pause


VARDØ, OSLO, WANÅS, VENEDIG und immer wieder KOPENHAGEN – es waren in den vergangenen Wochen einfach zu viele Recherchereisen als dass der Blog zumindest im Zweitagerhytmus hätte gepflegt werden können. Und morgen geht es schon wieder nach Norwegen. Ich hoffe dennoch bald wieder zu mehr Aktualität zurückkehren zu können. Denn es geschieht weiter viel.

 

Schnaps ade oder Das Ende des dänischen Liberalismus?


KOPENHAGEN. Dänemark hat den Ruf, in drei Dingen besonders liberal zu sein: Sex, Drugs & Rock n’Roll beziehungsweise Porno, Alkohol und leichte Drogen. Das Land hat als erstes die Bildpornographie legalisiert (ausgerechnet 1969), Haschrauchen gehört in manchen Teilen der dänischen Hauptstadt weiterhin zum guten Ton und wohl nur in eingen Orten der Niederlande und der Schweiz zieht der süßliche Geruch so häufig um die Ecken der Innenstädte. Es wird sicherlich Zeiten gegeben haben, in denen Porno und Hasch im Straßenbild und im Leben der Dänen eine größere Rolle gespielt haben und auch das mittägliche Bier sieht man nicht mehr so oft auf dem Tische stehen. Jüngst gibt es ein weiteres Zeichen dafür, dass in Dänemark laissez-faire immer mehr zum Fremdwort wird.

Was den Alkohol angeht, greift das Land jetzt zu härteren Mitteln, um den Konsum einzuschränken. Bisher war man stets mehr als ein wenig stolz darüber ganz im Gegensatz zum Nachbar Schweden keine wirklich restriktive Alkoholpolitik zu haben. Bier mit normalem Alkoholgehalt, Wein und Schnaps kann in Dänemark in fast jedem Kiosk gekauft werden und nicht nur wie in den anderen nordischen Ländern in staatlichen Spezialläden. Jetzt aber das: Harter Alkohol darf plötzlich nur noch an Menschen ab 18 Jahren abgegeben werden.  Seit dem 7. März muss volljährig sein, wer Getränke mit einem Alkoholgehalt von über 16,5 Prozent kaufen möchte. Wer mag, kann hier testen, ob er ohne Ausweiskontrolle in der Lage ist das Alter von Dänen und damit deren Alkoholkauferlaubnis richtig einzuschätzen.

Vielleicht hilft diese Politik ja die durchschnittliche Lebenserwartung der Dänen (derzeit 79 Jahre) an das schwedische Niveau (81 Jahre – siehe Deutsche Stiftung Weltbevölkerung) anzupassen. Als aus dem Rheinland kommend ist mir das Schnapstrinken hier oben im Norden ohnehin stets fremd geblieben – altersunabhängig. Aber zum Glück gibt es Jahr gutes Bier (häufig deutsch) und guten Wein (aus dem Süden oder auch aus Dänemark, aber dann nicht gut, aber das ist eine andere Geschichte, die noch folgen wird).