Vulkan oder Unter was für einer Wolke leben wir eigentlich?


Ausbrechender Eyjafjallajökull. (Foto: Bomsdorf)
Ausbrechender Eyjafjallajökull. (Foto: Bomsdorf)

REYKJAVÍK. Wirtschaftskrise zum Trotz handelten die meisten Artikel, die in diesem Jahr über Island veröffentlicht worden sind, vermutlich vom Ausbruch des Eyjafjallajökull. Die Auswirkungen der isländischen Eruption für Europa waren neu, die Krise hingegen brach im Herbst 2008 aus und ist auch nicht einmalig. Trotzdem hat sich meine Berichterstattung über den Vulkanausbruch bisher in Grenzen gehalten, es war auf Island einfach zu viel anderes zu tun.

Deshalb hatte ich es bisher auch nicht geschafft, mir den Vulkan von Nahem anzuschauen. Beim jetzigen Islandbesuch, dem dritten in diesem Jahr, war es dann endlich möglich, die Zeit dafür zu finden. Weil ich tagsüber auf dem Reykjavík Arts Festival von Ausstellung zu Ausstellung ging und Gesprächpartner traf, blieb nur die Nacht. Also stiegen wir Donnerstagnacht um kurz nach eins in den Wagen und los ging es durch die Nacht gen Eyjafjallajökull.

Auf der Ringstraße 1 – der isländischen Hauptstraße – begegnete uns so gut wie kein Auto, nur ein Krankenwagen mit Blaulicht überholte ganz plötzlich einmal und verschwand im Nichts wie in Lars von Triers Film „Riget„, unklar, wo denn hier ein Notfall sein könnte. Während der gut zweistündigen Fahrt brach allmählich die Dämmerung an, doch als wir dann vor dem Berg standen war es noch dunkel genug, um diesen Funken sprühen zu sehen.

Eine kräftige dunkle Wolke erhob sich aus dem Eyjafjallajökull, schien in der Luft zu stehen. Weiter südlich war der Himmel dunkelgrau, die Asche hatte sich verteilt und wie ein Schleier in die Luft gehangen. Beeindruckend und wunderschön. Nick Caves Musikvideo von „As I sat sadly by her side.“ mit dem ästhetisierten Atompilz kommt in den Sinn. Warum haben Katastrophen bloß keine Moral?

Während des Rückwegs, der um vier in der Früh startete, wurde es taghell und meine Reisegefährtin sagte beiläufig „Die Wolken sehen anders aus als sonst um diese Zeit.“ Der Vulkan trage dazu bei. Die gleichen Worte hatte ich am Abend zuvor bereits von der Künstlerin Rúrí gehört als ich mit ihr vor der Galerie i8 stand. „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ gilt hier nicht. Das Wetter ist mehr als Smalltalkthema und nachdem die beiden mir ihre Beobachtung mitgeteilt hatten, wurde mir klar, dass ich nicht beschreiben könnte, wie die Wolken normalerweise im Mai auszusehen haben, ja, so sehr ich die Natur schätze, nicht einmal häufig so bewusst in den Himmel schaue. Selbst in einer recht beschaulichen Großstadt wie Kopenhagen wird der Blick in die Wolken meist durch Bauten eingeschränkt. Ohne jetzt ein großes und unklar definiertes Zurück zur Natur anstimmen zu wollen, der Vulkanausbruch regt zum Nachdenken an. Wie die Krise. Danke, Island.

Isländische Entschuldigung


KOPENHAGEN. Während die isländische Regierung immer noch darauf wartet, dass sich die britische Regierung offiziell für den Einsatz der Antiterrorgesetze gegen die nördliche Nachbarinsel entschuldigt, gibt es aus Island ein „Tut mir leid“. Gestern telefonierte ich mit einer Freundin in Reykjavík und sie entschuldigte sich während des Gesprächs gleich zweimal dafür, welche Umstände ihr heimischer Vulkan uns Europäern bereitet hätte. Nun, das Ganze ist – anders als die Terrorgesetze – force majeure und dafür kann kein Isländer etwas. Aber Höflichkeit geht vor.

Nichts zählt mehr als Hartgeld


KOPENHAGEN. Gestern traf ich auf einem Abendessen bei Bekannten eine übermüdete Dänin – sie war mit einigen Tagen Verspätung aus Ihrem Griechenlandurlaub zurückgekehrt. Natürlich war der Ausbruch des Vulkans Eyjafalla auf Island daran schuld, dass ihr Auslandsaufenthalt zwangsläufig verlängert wurde. Dass sie überhaupt schon jetzt und nicht erst ein paar Tage später nach Hause kommen konnte, hatte sie aber etwas zu verdanken, von dem Isländer derzeit zu wenig haben: Hartgeld.

Die Dänin hatte ihren Urlaub selbst in die Hand genommen, statt einen Charteranbieter zu wählen, Flug und Hotel eigenhändig gebucht. Nun hatte aber ein Charterveranstalter einen Flieger organisiert, um seine Kunden aus Griechenland nach Kopenhagen auszufliegen. Individualtouristen waren nicht eingeplant. Doch gegen eine Einmalzahlung von 600 Euro war der dänische Reiseleiter bereit, die zwei anderen auch noch mitzunehmen. Bestechungsgelder auf griechischem Boden gehen eben nicht immer nur an Griechen, sondern auch schonmal an die achso ehrlichen Nordeuropäer (Der Corruption Perception Index 2009 listet Dänemark nach Neuseeland als das am wenigsten korruptionsanfällige Land der Erde auf, Griechenland liegt auf Platz 71 – zwischen Mazedonien und Rumänien; Deutschland: Platz 14).

Ausspracheübungen auf Isländisch oder RUV-Kollege Ingólfur im deutschen Fernsehen, mehrfach


KOPENHAGEN. Da ich weiß, dass dieser Blog auch von etlichen Isländern gelesen wird, eine kleine Linksammlung zur deutschen Fernsehkarriere von Ingólfur Bjarni Sigfusson. Der stellvertretender Chefredakteur des isländischen öffentlich-rechtlichen Senders RUV ist derzeit mit einem Stipendium der IJP – Internationalen Journalistenprogramme in Deutschland. Und Dank isländischem Pass, bester deutscher Sprachkenntnisse und Journalistenberuf ist er schnell zum beliebten Gast von Talkshows und anderen Fernsehsendungen avanciert.

Hier bei Beckmann, hier in heute in Europa über dieVersuche ausländischer Journalisten Eyjafjallajökull auszusprechen (wie gut, dass ich es nur schreiben können muss..), hier im Morgenmagazin zum Umgang der Isländer mit der Asche (alles ZDF). Das als kleiner Teaser..

Vulkanausbruch: Islands Rache an Großbritannien? und aktuelle Bilder


KOPENHAGEN. Der isländische Vulkanausbruch ist derzeit das dominierende Ereignis in den Medien (und im Verkehr). Über die wirtschaftlichen Folgen für Großbritannien, das derzeit ja mit Island wegen Icesave  im Streit liegt, spekuliert im Blog des britischen Telegraph Jeremy Warner.

Mittlerweile wird wieder geflogen, zumindest über Island. Dort startete der örtliche metereologische Dienst und brachte ein paar Bilder von der Aschewolke mit, die auf der Website des Dienstes zu sehen sind.

Asche auf mein Haupt oder Verdrängt der Vulkanausbruch die isländischen Aufklärungsbestrebungen?


KOPENHAGEN. Ausgerechnet jetzt, wo Island sich daran macht, die Ursachen für die Finanzkrise aufzuarbeiten, bahnt sich die Naturgewalt ihren Weg und zieht in Form eines riesigen Vulkanausbruchs beim Gletscher Eyjafjalla fast alle Aufmerksamkeit auf sich. Hat da etwa der bekannte isländische Filmproduzent Sigurjón Joni Sighvatsson seine Finger im Spiel und inszeniert a la „Wag the Dog“ ein Ablenkunsgmanöver, um die Ex-Politikerelite vor der öffentlichen Verurteilung zu retten? Die Isländer sind doch immer so kreativ.

Sicherheitshalber habe ich mit Simon Birgisson gesprochen, der für das isländische Onlinemedium visir.is arbeitet: „Wir machen auf Island derzeit ohnehin eine schwierige Zeit durch, es ist schon komisch, dass ausgerechnet jetzt auch noch der große Vulkanausbruch kommen muss“, sagte er mir am Telefon aus Reykjavík. Am Montag wurde auf Island der Untersuchungsbericht über die Ursachen der Finanzkrise veröffentlicht (falls die Vulkanasche die Erinnerungen trübt: auf dem Inselstaat wurden vor anderthalb Jahren binnen weniger Tage die größten drei Banken verstaatlicht. Nun zählt das ehemals so reiche Land zu den größten europäischen Leidtragenden der Finanzkrise.) „Heute verdrängt der Vulkanausbruch die Aufklärungsdiskussion, aber ich habe keine Angst, dass dieser wichtige Bericht keine Beachtung mehr findet“, so Birgisson.