Edvard Munch Preis 2.0 an Camille Henrot


Edvard Munch Art Award - Munch's Madonna
Edvard Munch Art Award – Munchs Madonna (Foto: Munch Museum)

KOPENHAGEN. Wie kürzlich hier (und von mir in The Art Newspaper) berichtet, wird neuerdings der Edvard Munch Preis (The Edvard Munch Art Award) vergeben – nachdem ein früherer Versuch einen Edvard Munch Preis zu verliehen mehr oder weniger gescheitert war.

Kurzes Update: Der diesjährige Preis geht an die franzöische Künstlerin Camille Henrot. Die Preisverleihung wird am 12. Dezember – Munchs Geburtstag – in Oslo stattfinden und danach alle zwei Jahre wieder.

Edvard Munch Art Award - Preisträgerin Camille Henrot (Foto: Munch Museum)
Edvard Munch Art Award – Preisträgerin Camille Henrot (Foto: Munch Museum)

Auf ein Neues mit Edvard Munch und Carolyn Christov-Bakargiev


OSLO. Nachdem der ursprüngliche Edvard Munch Preis vor einiger Zeit einfach so von einem aufs andere Jahr nicht mehr vergeben wurde (was Munch-Experten wie Dieter Buchhart im Interview mit mir für The Art Newspaper kritisiert haben, die Geschichte ist aber leider nicht online zu lesen), hat das Munch Museum einen neuen Munch-Preis etabliert (meine Nachricht bei The Art Newspaper dazu hier).

Die Fehler des Office for Contemporary Art (OCA)  sollen nicht wiederholt werden, deshalb hat Museumsdirektor Stein Olav Henrichsen die Finanzierung des Preises bereits für die kommenden zehn Jahre gesichert. Die erste Preisverleihung findet am 11. Dezember 2015 – dem Vorabend von Munchs Geburtstag – in Oslo statt und der Preis wird fortan alle zwei Jahre vergeben werden. Der Preis ist mit rund 50 000 Euro und einer Ausstellung im Munch Museum dotiert. Geehrt werden zeitgenössische Künstler.

Nach einer Reise noch Oslo und dem Besuch der dortigen Vigeland+Munch-Ausstellung kann ich hier auch die Jury bekannt geben. Dieser gehören an: Alfred Pacquementc (Vorsitz), Carolyn Christov-Bakargiev (als vormalige documenta-Chefin wohl die Bekannteste in der Jury), Robert Storr, Hou Hanru und Solveig Øvstebø.

Der vorherige Munch-Preis hatte trotz Ambitionen und Ansiedelung bei OCA, das auch für den norwegischen Beitrag auf der Venedig Biennale verantwortlich ist, international wenig Aufmerksamkeit erlangt. Entscheidend ist den Preis langfristig zu etablieren (das hat Henrichsen bereits geschafft – s.o.), die Frage aber, ob ein Preis mehr dem Verleiher oder Geehrten mehr nutzt, wird bleiben.

Munch mal wieder


KOPENHAGEN. Kaum war der Hammer für Munchs „Schrei“ bei mehr als 100 Mio. US-Dollar gefallen, fragte man sich in Norwegen auch schon: Was kann uns das nutzen? Kultur und Politik wollen die Aufmerksamkeit von dem Auktionsrekord auf das Land und dessen Kunstszene lenken. Zu dem Thema morgen, Dienstag, 29. Mai, ein Beitrag von mir bei WDR 3 Resonanzen.

Passenderweise kam die Arbeiterpartei (Ap) in Oslo (dort in Opposition, doch national ist sie die größte Regierungspartei) am vor wenigen Tagen mit dem Vorschlag die U-Bahn-Station beim Munch-Museum doch von Tøyen in „Munch-museet“ umzubenennen. Ap gehört zu jener Minderheit, die den Neubau des Munchmuseums am Platze des derzeitigen Gebäudes realisieren möchte. Derzeit gibt es für keine der Alternativen des neuen Munch-Museums im Stadtrat von Oslo eine Mehrheit. (Zum Thema auch mehr von mir bei artnet, The Art Newspaper und Deutschlandradio Kultur – letzterer Beitrag zeigt, dass das Thema neues Munch-Museum schon lange diskutiert wird.)

Munch 2.0


OSLO. Vermutlich (und hoffentlich) bin ich nicht der einzige, der diesen nur noch in Ausnahmefällen hören oder lesen kann, jenen Kniff, der plötzlich alles up-to-date macht: einfach ein 2.0 hinter den Begriff schreiben und schon wird aus alt neu, aus veraltet modern etc. pp. …

Übermorgen eröffnet hier in Oslo im Munch-Museum die Ausstellung eMunch.no und wer gehofft hat, diese zeige die Auswirkungen synthetischer Drogen auf den norwegischen Meister, der hat sich zu früh gefreut. Es geht um die Digitalisierung von Text und Bildern des norwegischen Künstlers Edvard Munch und so schlecht ist der Ausstellungstitel ja gar nicht. Da das Munch Museum seit dem sicherheitsbedingten Umbau noch unschöner (dies Wort wurde mit Bedacht gewählt) geworden ist und Oslo auch nicht gerade Großstadtwinterreiseziel Nummer 1 ist, ist es erfreulich, dass es für diese Ausstellung natürlich auch eine online-Version gibt: www.emunch.no .

Die norwegische Internationale oder Not much interest in Munch


KOPENHAGEN. Wer meine Berichterstattung in The Art Newspaper verfolgt hat, der wird mitbekommen haben, dass das wohl bekannteste Kunstmuseum Norwegens – das Munch Museum natürlich – einen neuen Direktor sucht. Wer meine Artikel nicht gelesen hat und außerhalb Norwegens lebt, hat nur geringe Chancen, von der offene Stelle gehört zu haben.

Zwar hat die Stadt Oslo lauthals verkündet international nach einem Direktor für das Haus zu suchen. Doch diese Ankündigung war wohl mal wieder eine typische politische. Denn meine Recherche ergab, dass ein Stellengesuch für die vakante Position nur sehr begrenzt international publiziert wurde. Lediglich in einer dänischen und einer schwedischen Zeitung ließ man die Anzeige schalten (und im Netz steht sie natürlich, aber welcher Topkurator oder Museumsdirektor surft schon ständig auf der Suche nach offenen Stellen die Internetseiten der großen Museen im Ausland ab. Und tatsächlich von außerhalb Norwegens gab es nur zwei Bewerbungen: eine aus Schweden und eine aus Dänemark.).

Über 60 Jahre nach dem Tode von Edvard Munch ist der Begriff international bei den zuständigen Lokalpolitikern auf einem sehr provinziellen Niveau angekommen. Während Munch in Ländern wie Belgien, Frankreich, Norwegen, Dänemark und Deutschland ausstellte und arbeitete, ist für Teile des heutigen Norwegens der Internationalität schon in Form der nordischen Brüderländer genüge getan.

Soeben ist ein Kommentar von mir zum Thema bei der online-Ausgabe des norwegischen Museumsmagazins Museumsnytt erschienen (på norsk).