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KOPENHAGEN. Die Nordeuropäer freuen sich immer, wenn Statistiken in pro-Kopf-Werte umgerechnet werden und sie weit oben auftauchen – etwa beim BIP oder der geringen Staatsverschuldung. Diesmal allerdings dürfte Dänemark so froh nicht sein, denn die Umweltschutzorganisation wirft (in diesem Bericht) dem kleinen nordeuropäischen Land vor, einen besonders großen Fußabdruck (wenn man den Begriff einmal eins zu eins ins Deutsche übersetzen mag) zu haben. Nur drei Länder verbrauchten pro Kopf mehr Ressourcen als das nördlich von Deutschland gelegene Königreich. Und das sind ausgerechnet Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate. Also ist Dänemark das westlich-demokratische Industrieland mit dem höchsten Ressourcenverbrauch. Zu Buche schlägt bei Dänemark vor allem der Ackerbau – das Land gehört zu den größten Exporteuren von Schweinefleisch der Erde und die wollen gefüttert werden. Aber gegessen wird dieses Fleisch ja nicht nur von Dänen, von daher muss der schlechte Platz drei auch auf die Handelspartner Dänemarks zurückfallen. Es ist nichts Neues, das weniger Fleischverzehr der Umwelt viel nutzen würde und es ist auch nichts Neues, dass die Umweltpolitik(er) dieses Thema kaum berühren.

Mehr zum Beispiel im Wissenschaftsteil der Süddeutschen Zeitung.


KOPENHAGEN. Dänemark rühmt sich gerne dafür besonders viele Einwohner zu haben, die das Auto stehen lassen (oder gar keins haben) und mit dem Fahrrad zu Arbeit, Einkauf oder Freizeitvergnügen fahren. Was die Radler-Lobby aber gerne verschweigt, ist, dass das nicht nur geschieht, weil alle achso ökologisch bewusst oder sportlich sein wollen, sondern vielen ist das Auto als Fortbewegungsmittel schlichtweg zu teuer. Schließlich entfällt auf PKW eine Sondersteuer von satten 180 Prozent, da wird ein Gold in Dänemark schnell so teuer wie eine E-Klasse in Deutschland. Sich damit zu brüsten, dass es nur die gute Infrastruktur und die Überzeugung sind, die die Dänen aufs Rad bringen ist, als wolle man sagen in Burkina Faso gingen so viele zu Fuß, weil das so angenehm sei (und nicht etwa, weil es an finanziellen Mitteln fehlt). Politik halt, aber das Radfahren in Kopenhagen geht wirklich klasse – mehr dazu in meinem Artikel für Die Welt.


Wenn der Schnee nicht wäre, sähe es noch mehr nach Wüste aus - isländische Landschaft auf der Halbinsel Snæfellsnes. (Foto: Bomsdorf)

Wenn der Schnee nicht wäre, sähe es noch mehr nach Wüste aus - isländische Landschaft auf der Halbinsel Snæfellsnes. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Island ist ganz bestimmt nicht die erste Assoziation wenn das Wort “Wüste” in den Raum geworfen wird. Sahara, Paris-Dakar, Afrika mögen in den Sinn kommen, aber doch nicht Island, die Vulkaninsel im Nordatlantik. Doch, wer einmal dort war, dem wird nicht entgangen sein, dass Island recht kahl ist. Kein Baum, nirgends. Das war nicht immer so. Als Island vor über 1000 Jahren besiedelt wurde, gab es noch Wald.

Kein Baum, nirgends - Island ist die Insel ohne viel Vegetation. (Foto: Bomsdorf)

Kein Baum, nirgends - Island ist die Insel ohne viel Vegetation. (Foto: Bomsdorf)

Doch trotz der kargen Landschaft ohne nennenswerte Vegetation gibt es auf dem Inselstaat laut der Definition des in Bonn ansässigen UN-Wüstensekretariats keine Wüste. Isländische Wissenschaftler sind darüber verärgert und wollen ihr Land als Wüstenstaat anerkannt bekommen – Desert Island sozusagen. Sie erforschen, warum Island vegetationsarm geworden ist, was das bedeutet, wie dagegen vorgegangen werden kann und was andere Länder von Island lernen können. Genau diese Aspekte werden auch in dem Artikel behandelt, den ich für die Wochenzeitung “Das Parlament” geschrieben habe und der hier online zu lesen ist.


KOPENHAGEN. “Merken Sie was?”, fragte erst neulich Claus Kleber im ZDF Heute Journal und lieferte seinen eigenen Eindruck gleich mit. “Ist irgendwie ruhiger.” Was Kleber da so en passant sagte, ist in Wahrheit eine Beobachtung, die zu einigen Überlegungen anregt. Denn er meinte damit ja nicht (nur) den Fluglärm, der normalerweise Anwohner von Flughäfen um ihren Schlaf bringt, dies aber derzeit nicht tut, weil die Asche des isländischen Eyjafjalla-Vulkans nun schon seit fünf Tagen den europäischen Luftverkehr blockiert. Kleber sprach auch von einer allgemeinen Beruhigung des Alltags, des hektischen Nachrichtenflusses. Irgendwie scheint weniger zu passieren, seitdem die stählernen Kollosse nicht mehr am Himmel kreuzen.

Eben keine Angela Merkel, die am gestrigen Sonntag in Hannover an den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen teilnimmt. Kein Treffen mit Ministerpräsident Berlusconi und im Anschluss auch keine Eröffnung der Hannover Messe, die eigentlich im Terminkalender der Bundekanzlerin stand. Statt dessen eine gestrandete Politikerin, die aus den USA zunächst nach Lissabon musste, weil kein europäischer Flughafen nördlich von Alpen und Pyrenäen geöffnet hatte. Dann weiter nach Rom und von dort dann mit dem Bus durch die norditalienische Poebene tingelte. Irgendwie Richtung Berlin.

Ein Ärgernis? Eine Katastrophe gar? Oder einfach nur ein paar freie Tage? Eine unverhoffte Auszeit vom politischen Alltag? Man mag in diesen Tagen wütend sein auf Islands Eyjafjalla-Vulkan, weil er Pläne durchkreuzt, Ereignisse verhindert und viel Geld kostet. Man kann aber auch gut finden, dass die Asche sich wie ein Schleier auf den hektischen Alltag legt, ihm das Grelle und Schrille nimmt. Welche Einstellung man auch hat, Tatsache ist: Der Eyjafjalla-Vulkan auf Island wirkt als großer Entschleuniger einer Welt, deren Rhythmus längst aus dem Takt geraten ist. Hat der Vulkanausbruch also nicht auch sein Gutes?

Der in London lebende Philosoph und Schriftsteller Alain de Botton hat sich in einem Artikel für die BBC ein paar Gedanken zu einer Welt ohne Flugzeuge gemacht. Er kommt zu dem Schluss, dass man dem isländischen Vulkan doch eigentlich dankbar sein sollte, weil er uns allen eine Atempause verschafft und uns Zeit gibt zum Innehalten und Nachdenken.

Vielleicht gibt uns der Vulkan auch nur einen Vorgeschmack auf die Zeit, wenn sich die Menscheit die zivile Luftfahrt wegen zu hoher Rohstoffpreise schlicht nicht mehr leisten kann. Zumindest interkontinental wäre dann das Schiff wieder Verkehrsmittel Nummer 1. Reisezeiten wären wieder länger, die Seele hätte Zeit, Ortswechsel mitzuvollziehen. Heutzutage hat sie auf der Strecke Kopenhagen-New York dafür ja nur sechs Stunden. Reisen wären dann wieder echte Reisen, weil sie gemächlich von statten gehen würden.

Auf der Seite informationisbeautiful.net hat man auf Datenbasis des Vulkanologischen Instituts der Universität von Island den täglichen CO²-Ausstoß der europäischen Luftfahrtindustrie (344.109 Tonnen) den des Vulkans Eyjafjalla (etwa 15.000 Tonnen) gegenüber gestellt. Natürlich eine sehr vereinfachte Darstellung, da in dieser Rechnung Stoffe wie Schwefel und Methan außer Acht gelassen werden. Sie gibt aber eine Idee von dem vergleichsweise niedrigen Ausstoßes des Treibhausgases Kohlendioxid. Zumal durch die drastische Reduzierung des Flugverkehrs täglich auch noch 206.465 Tonnen eingespart werden sollen. Doch dieser Umweltaspekt nur nebenbei.

Island entschleunigt derzeit die Welt, selbst die Finanzkrise und den erst Anfang vergangener Woche herausgebrachten 2000 Seiten starken Untersuchungsbericht scheint die Aschewolke komplett verschluckt zu haben.

Trotzdem hoffe ich, dass der Eyjafjalla-Vulkan bald zur Ruhe kommt. Denn ich habe für kommenden Samstag einen Flug von Kopenhagen nach Alicante gebucht, und den würde ich wirklich gerne antreten. Entschleunigung hin oder her.


KOPENHAGEN. Nur ein kurzer Hinweis: Mein Text über Kirkenes, das zum Nabel der Welt werden möchte, aus der FTD ist nun hier online zu lesen.


KOPENHAGEN. Ob Lebenshaltungskosten, Lebensqualität, Gleichstellung oder was auch immer  - bei entsprechenden Rankings sind die nordischen Länder stets ganz vorne mit dabei. So auch bei dem Ranking über die umweltfreundlichsten Länder der Erde, das die Yale Universität soeben präsentiert hat: Island Platz 1, Schweden Platz 4, Norwegen Platz 5, Finnland immerhin noch Platz 12.  Klimagipfelgastgeber Dänemark schafft es aber nur auf Platz 32 und liegt damit noch weit hinter Deutschland (Platz 17).


KOPENHAGEN. Klima, Klima, Klima – in Kopenhagen ist kein Entrinnen. Der am heutigen Montag beginnende Klimagipfel COP15 ist schon seit Monaten auf Bussen, in Zügen, auf Taxen und und und angekündigt worden. In letzter Zeit bekomme ich täglich gefühlte 23 500 Pressemitteilungen und –einladungen, die mit dem Klimagipfel zu tun haben, Elmar berichtete hier kürzlich Ähnliches. Die neuen Elektro-Renaults soll ich ebenso probefahren wie den Tesla, mir die Bürgermeister anschauen, die sich zum eigenen Klimagipfel treffen ebenso wie die Kinder. Gleich eine Hand voll der bedeutendsten Museen locken mit Klimaausstellungen. Mal mehr mal weniger deutlich wird die Kunst in den Dienst genommen, um auf den drohenden Klimawandel aufmerksam zu machen. Nicht ganz unwichtig dabei ist auch, Kopenhagen zu Markte zu tragen. Zu den zurückhaltenderen Ausstellungen gehört „The world is yours“ im Kunstmuseum Louisiana vor den Toren Kopenhagens:

Vier Worte prangen in Leuchtbuchstaben auf dem Museumsdach: „The world is yours“. Gardar Eide Einarssons Werk hat der aktuellen Großausstellung mit zeitgenössischer Kunst den Titel gegeben. Die Welt gehört Dir wird für gewöhnlich als „Du hast alle Möglichkeiten“ verstanden. Die Kuratoren von Louisiana und ihre 24 Künstler jedenfalls nutzen sie.

Gleich im ersten Raum endlich einmal ein Eliasson, der begeistert. Der Island-Däne attackiert mehr als nur den Sehsinn. Hinter einer schweren Tür in einer auf minus zehn Grad gehaltenen Kältekammer steht sein für BMW hergestelltes Werk „Your mobile expectations: BMW H2R“. Das Fahrzeug ist kaum zu erkennen, eine filigrane Eisstruktur umschließt es – ein ästhetischer Genuss. Beim Eintreten gibt es einen Kälteschock. Das Objekt visuell wahrnehmend kommt die Erkenntnis: hier hat Eliasson BMW ein Schnippchen geschlagen. Er ist kein Futurist, der der Schnelligkeit des Automobils huldigt. Nein, Eliasson zeigt, dass diese Art der Fortbewegung – auch wenn wasserstoffbetrieben – von gestern ist, als stamme sie von vor der letzten Eiszeit. „The world is Yours“ hat er sich wohl gedacht: Nimm die Chance wahr, die BMW dir bietet, und zeig den Autobauern, was Sache ist.

Das alle Träume haben, illustriert die Chinesin Cao Fei. Sie filmt monoton in einer chinesischen Osram-Fabrik arbeitende Arbeiter. Dann treten die gleichen Menschen plötzlich als Tänzer oder Sänger auf – sie haben für Fei gezeigt, dass sie mehr als Fabrikmenschen sind. Die dänische Künstlergruppe Superflex zeigt in einem Film, wie ein McDonald’s Restaurant langsam überflutet wird. Auch die Überflussgesellschaft ist unsere Welt. Wie der Titel verspricht, gibt die Ausstellung Einblicke in die Tendenzen unserer Zeit.

Das Museum verlassend hat man Garde Einar Einarssons Leuchtbuchstabensatz „The world is Yours“ im Rücken. „The world is Yours“ ist eben auch eine Mahnung, die man im Hinterkopf haben sollte: Die Welt gehört Dir, mach was draus!


KOPENHAGEN. Grade von einer Veranstaltung gekommen, wo erzählt wurde, dass und wie Kopenhagen bis 2025 CO2-neutral werden möchte. Hingefahren: mit dem Fahrrad. Mehr Verkehr aufs Rad zu bringen, ist Teil der Strategie. Morgen ein Interview in Stockholm. Anreise: mit dem Flieger ab Kopenhagen. Aber egal, denn Flugverkehr wird beim Ziel CO2-neutral nicht berücksichtigt. Auch mein klimafreundlicherer Rückweg mit dem Zug spielt keine Rolle. Schön, dass Kopenhagen und sicher auch andere Städte CO2-neutral werden wollen. Noch mehr wäre der Umwelt sicher geholfen, wenn Probleme wie der Flugverkehr bei so etwas nicht ausgeklammert, sondern mit einbezogen werden.Womöglich ist es besser, die CO2 Emissionen inklusive jener aus dem Flugverkehr um sagen wir 50 Prozent zu senken, als sich CO2-neutral zu nennen, aber nur unter der Bedingung, dass der Flugverkehr und anderes nicht berücksichtigt wird.

Ich bin übrigens schon komplett CO2-neutral. Jedenfalls wenn meine Flugreisen, mein Energieverbauch bei der Arbeit und jener an den Wochentagen außer acht gelassen wird und auch sonst ein wenig ein Auge zugedrückt wird.


KOPENHAGEN. Der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen hat am Wochenende in Singapur angekündigt, dass in Kopenhagen nur Vorgaben zu einem Nachfolger des Kyoto-Protokolls beschlossen würden, nicht aber wie ursprünglich geplant ein globaler, rechtlich bindender Vertrag. Wie dieses die dänische Presse kommentiert, berichte ich gleich (12.40 Uhr) im Internationalen Pressegespräch des Deutschlandradio Kultur. Und natürlich gibt es auch einige Worte zur Kunst.

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