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Das ich etwas zu einer WM und damit also Sport schreiben würde, muss meine Software so verwirrt haben, dass sie Kopf stand: Blick über den Oslofjord vom Holmenkollen (an der Horizontalen gespiegelt; Foto: Bomsdorf).

Dass ich etwas zu einer WM und damit also Sport schreiben würde, muss meine Software so verwirrt haben, dass sie Kopf stand: Blick über den Oslofjord vom Holmenkollen (an der Horizontalen gespiegelt; Foto: Bomsdorf).

 

KOPENHAGEN. Oslo ist lebendiger und spannender als sein Ruf (da hat es etwas mit Frankfurt gemein), dennoch wird vielen die in der Überschrift aufgebaute Parallele zu Moskau etwas übertrieben vorkommen. Doch was den Langlauf angeht, sei die Anlehnung an Tschechow erlaubt. Besonders jetzt, wo die Ski WM in der norwegischen Hauptstadt stattfindet (und auch schon wieder zu Ende geht, denn morgen ist letzter Tag). Eigentlich Abfahrtsläufer, habe ich in Nordschweden vor einigen Jahren den Langlauf für mich entdeckt. Damals lag es vor allem daran, dass die Abfahrtspisten in Abisko nicht wirklich beeindruckend sind, wenn die bisherigen Skiferien in der Schweiz, Frankreich und Österreich verbracht wurden. Also langweilte ich mich nur einen Tag in Abisko mit den Abfahrtsskiern und machte mich dann zu stundenlangen Touren auf Langlaufskiern auf. Da gewann Schweden eindeutig, denn während in der Schweiz die Loipen oft so nah an der Straße verliefen, dass Autos zu hören oder sehen waren, war die Tour in Nordschweden eine in der fast unberührten Natur.

Im Januar hatte ich dann das Glück auf eine Langlaufskitour in Oslo mitgenommen zu werden (aber auch nur weil ich aus irgendeinem Grunde den Eindruck erweckt hatte, quasi wie ein Norweger bereits seit Jahren ernsthaft dieser alltäglichen Beschäftigung nachzugehen. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass auch wenn es wohl erst das vierte Mal war, dass ich auf Langlaufskiern stand, es fast so gut lief als sei dies tatsächlich der Fall.). In Oslo fährt niemand mit dem Auto ins Skigebiet, sondern aus dem Zentrum fährt die U-Bahn binnen 20 Minuten zur Loipe. Die liegt natürlich auf dem Holmenkollen, jenem Berg am Rande der Stadt also, auf dem die gleichnamige bekannte Skischanze thront (kurz vor der diesjährigen WM wurde das neuste Modell vom Kopenhagener Architekturbüro JDS eingeweiht). Das heißt auch, dass beim Loipenanfang einem die Stadt und der Oslofjord zu Füßen liegen. Die Tour ist nicht nur wegen des Skifahrens, sondern auch der Aussicht wegen ein Vergnügen.

Die Langlaufttour auf dem Holmenkollen ist ein ständiges auf und ab – eher ungewöhnlich für diese Sportart, die doch meist in der Ebene ausgeführt wird. Doch in Oslo führt die Loipe hoch und runter und wieder hoch und wieder runter – die Kondition ist gefordert. Auch für die Teilnehmer der aktuellen WM. Wie ich nämlich in der heutigen Ausgabe der dänischen Zeitung Politiken lesen musste, müssen die Langläufer rekordgroße Höhenunterschiede hinter sich bringen. Sowohl die 30 Kilometer Damen- als auch die 50 Kilometer Herren-Freistil haben den höchsten Höhenunterschied vorzuweisen, der je bei solch einem WM- oder Olympia-Wettbewerb gemessen worden sei – erklettert werden müssen nämlich 1193 bzw 1998 Meter, schreibt Politiken. Die Dänen beeindruckt so etwas natürlich besonders, denn die höchste Erhebung ihres Landes ist – wenn ich mich recht erinnere – nur 200 Meter hoch (ein Blick bei Wikipedia führt zu dem Ergebnis 200m ist leicht übertrieben). Also, auf nach Oslo, auch nach der Ski-WM!


KOPENHAGEN. Es gibt eigentlich nur einen Grund, warum man sich über das Ende der Fußball-WM in Südafrika freuen kann. Endlich ist Schluss mit dem nervigen Vuvuzela-Getröte. Die Marketing-Abteilung der Stadt Kopenhagen sieht das jedoch anders. Die findet den Sound zwar nicht angenehm, als Branding-Strategie jedoch genial. Wer die Vuvuzela hört, denkt an Südafrika, so das Kalkül. Ganz im Sinne der klassischen Konditionierung à la Pawlow. Nun will man Dänemarks Hauptstadt auf die gleiche Weise mit einem Stimulus verknüpfen. Dafür sucht man einen unverwechselbaren Sound. Vorgeschlagen wurde etwa schon die Fahrradklingel. Man stelle sich vor. Bei einem Sportereignis betätigen 20 000 Zuschauer unablässig eine Fahrradklingel. Auch das Geräusch eine Windmühle könnte man nehmen. Nur: Wie klingt die eigentlich?

Zwar hat das Tourismusamt keine offizielle Ausschreibung gestartet. Vorschläge werden aber sicher gerne genommen. Mail: woco@woco.dk


Das längliche muss ins Loch - Machowerbung in Kopenhagen. (Foto:Bomsdorf)

Das längliche muss ins Loch - Machowerbung in Kopenhagen. (Foto:Bomsdorf)


KOPENHAGEN. Habt ihr keinen Fernseher? war lange die Scherzstandardreaktion wenn jemand erzählte, aus welch kinderreicher Familie er kam. Fernsehen ist halt noch spannender als Sex. Was aber, wenn nur die eine Hälfte des Paares Fernsehen mag, sprich, was, wenn es heißt “Nun ist es WM, Mädels” (siehe Plakat – “Så´der VM, tøser…”)? Dann hilft nur eins: “Nun müsst ihr selber klarkommen. Mit 21 WM-Kämpfen exklusiv auf Kanal 9 sollt ihr nicht zu viel Aufmerksamkeit erwarten” – so der längere Text auf dem Plakat, dazwischen – siehe Foto – ein Dildo.

Das Plakat hing riesengroß in der Kopenhagener U-Bahn. Nur eine halbe Stunde entfernt, in Schweden, wäre es absolut nicht denkbar, der Fernsehkanal hätte sich zu viel Ärger eingehandelt wegen sexistischer Reklame. Ganz abwegig ist das nicht, dennoch schön, dass so was geduldet wird. Offenbart es doch, dass das ein oder andere Fußballklischee zumindest auf die Fans dieser Reklame zutreffen dürfte: sie halten Fußball für Männersache, Homosexualität muss im Fußball ausgeblendet werden (oder: gibt es wie im Iran einfach nicht), Hau drauf-Sprüche sind die besten…


KOPENHAGEN. Wer mit 16 kein Sozialist ist, hat kein Herz, wer es mit 30 immer noch ist, hat keinen Verstand, gehört zu den beinahe zu viel zitierten Politikweisheiten. Nichts gegen Sozialisten, aber Lars Ohly hat keinen Verstand. Der 53-jährige Vorsitzende der schwedischen Vänsterpartiet (Linkspartei) ist großer Fußballfan, mag aber die freie Wirtschaft und insbesondere den Reichtum einzelner weniger. Deshalb hat er etwas für hohe Steuern übrig, schließlich sorgen diese für einen gewissen Ausgleich. Wenn man denkt wie er mag das schön und gut sein und konsequent.

Doch wenn es um Fußballstars geht, dann sieht für Ohly alles anders aus. Für die Elitesportler würde er nämlich gerne besonders niedrige Steuern sehen, sagte er im Interview mit der Tageszeitung Dagens Nyheter. So könnten schwedische Vereine im internationalen Wettbewerb gegen ausländische konkurrieren, ohne gleich erheblich höhere Bruttolöhne zahlen zu müssen (damit netto das selbe rauskommt wie bspw. in England). Wenn die Hochdotierten also etwas machen, dass Ohly privat nahe steht (Fußball), dann dürfen sie ruhig sanft besteuert werden. Gehen sie einem Erwerb nach, den Ohly weniger schätzt und verdienen sie viel, sollen sie auch saftig Steuern zahlen. Klares Eigentor für Ohly und das nur rund drei Monate vor der schwedischen Parlamentswahl.


KOPENHAGEN. “Dänischer Niedergang bei der WM” titelt die Online-Ausgabe der Zeitung Politiken als Breaking News auf ihrer Homepage. Gut. Dänemark hat sein erstes Spiel bei der Fußballweltweisterschaft in Südafrika gegen Holland soeben mit 0-2 verloren. Aber deshalb gleich von einem Niedergang zu schreiben… Das Wort “Niederlage” hätte es doch auch getan. Doch offenbar sieht man in dem verloren gegangenen Spiel gegen das favorisierte Oranje-Team gleich eine ganze nach unten gerichtete Tendenz. Viel scheint man der Truppe um Trainer Morten Olsen nicht mehr zuzutrauen bei diesem Turnier. Schon vor der ersten Partie schrieb Politiken in seiner Printausgabe, dass man auch mit einer Niederlage leben könne.

Selbstvertrauen klingt anders. Und wenn man so will, steht dieses Kopf-hängen-lassen sinnbildlich für den Zustand eines Landes, das sich derzeit in einer Art Paralyse befindet und nicht weiß, wie es diese abschütteln kann. Dänemark hat mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Die Krise hat das Land immer noch im Griff, der Haushalt ist hoffnungslos überlastet. Es muss gespart werden – und zwar so gewaltig, dass das Wohlfahrtsmodell des Landes auf dem Spiel zu stehen scheint. Dänemark leistet sich, wenn auch schwerfälliges, so doch komfortables Gesundheitssystem, einen aufgeblähten öffentlichen Apparat und hohe Löhne. Neulich hat sich meine Freundin, die Architektin ist, darüber aufgeregt, dass ihr Gehalt bei der letzten Tarifrunde nur um drei Prozent erhöht wurde. Üblich seien eigentlich fünf bis sechs Prozent. Als ich ihr dann erzählte, dass in Deutschland die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern nach zermürbendem Streik gerade eine Lohnerhöhung von zwei Prozent erkämpft haben und das in den Medien auch noch als Erfolg für die Mediziner gefeiert wurde, konnte sie nur den Kopf schütteln. Das (Un)Wort “Nullrunde” – unter Einbezug der Inflation faktisch eine Gehaltskürzung – tauchte in ihrem Wortschatz erst gar nicht auf.

Dänemark leistet sich viel und kann so nicht weitermachen. Da ist man sich in der Politik einig. Doch an welchen Schrauben man dreht, wo man sparen will: Da ist man sich herzlich uneinig. Und in der Mitte ein Regierungschef, den man eigentlich schon abgeschrieben hat. Lars Løkke Rasmussen ist schon seit Wochen und Monaten das männliche Pendant zu Angela Merkel: zögerlich, ohne Führungskraft, nur darauf bedacht, Fehler zu vermeiden. Die dänischen Medien lassen kein gutes Haar mehr an ihrem Premier und stellen sich nur noch die Frage, wie desaströs die Niederlage seiner liberal-konservativen Koalition bei der nächsten Wahl ausfallen wird.

Doch von einem Aufbäumen ist nicht viel zu spüren. Selbst die ansonsten so marktschreierisch auftretenden Rechtspopulisten von der Dänischen Volkspartei sind merkwürdig still. Kein Aufbäumen, man hadert lieber mit sich selbst. Ein Sieg bei der WM würde vielleicht helfen.


KOPENHAGEN. Ich bin nun schon seit einigen Wochen mit der Übersetzung von Stig Tøftings Fußballer-Biographie beschäftigt. Und so langsam kommt für mich der interessante Part, nämlich Stigs Zeit in der Bundesliga, genauer gesagt bei den Klubs HSV und MSV Duisburg. Besonders spannend fand ich die Passage über das denkwürdige (und für mich als Bayern-Fan – ja, ja, ich weiß – großartigste) Saisonfinale im Jahr 2001. Schalke 04 wurde trotz eines tollen letzten Spiels gegen Unterhaching nur Meister der Herzen, weil den Bayern gegen dem HSV in der Nachspielzeit durch einen Freistoßtor (danke an den Schweden Patrick Andersson) der Ausgleich gelang.

Nicht nur Schalkes damaliger Manager Rudi Assauer sondern auch ganz Fußballdeutschland (mit Ausnahme der Bayern-Fans natürlich) hielten das für eine schreiende Ungerechtigkeit. So auch Stig Tøfting. Im Zentrum seiner Kritik: Schiedsrichter Markus Merk, der über Gebühr nachspielen ließ und den Bayern einen indirekten Freistoß schenkte, der keiner gewesen sei. “Seitdem ist Markus Merk mein Hass-Schiedsrichter Nummer 1″, schreibt der gute Stig, der sich nach dem Spiel auch noch eine Geldstrafe vom DFB einhandelte, weil er eben diesen Markus Merk bedroht haben soll. “Scheißegal”, schreibt Stig. Merk habe das verdient.

Von seiner Zeit beim Arbeiterverein MSV-Duisburg blieb ihm vor allem das DFB-Pokalfinale 1998 gegen den FC Bayern in Erinnerung. “Jungs, genießt dieses Finale, ihr werdet das wahrscheinlich nicht noch einmal erleben”, sagte Duisburgs Trainer Friedhelm Funkel seinen Spielern vor der Partie in der Umkleidekabine. Damit hatte er wahrscheinlich nicht unrecht. Stig jedenfalls fand’s ehrlich. Überhaupt lobt er Funkel in den höchsten Tönen. Ein Trainer, der nicht nur etwas von der Marterie versteht, sondern auch den richtigen Umgang mit den Spielern pflegt. “Er war der wichtigste Grund dafür, dass ich rückblickend sehr gerne beim MSV war.”

Ansonsten pflegt Stig (leider) das Bild von den Dusel-Bayern, die mit einer guten Portion Arroganz ihr Programm auf zynische Art und Weise abspielen und dann meist mit Glück und unverdient gewinnen. Oliver Kahn kann er nicht leiden (“Alleine seine Ausstrahlung kotzt mich schon an.”), und überhaupt sei Bayern keine Mannschaft, die ihre Gegner an die Wand spielt.

Ts-ts-ts. Da müssen wir wohl nochmal ein Wörtchen miteinander reden, Stig. Denn ich sehe das natürlich gaaanz anders.

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