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HELSINKI / LÜBECK. In großen Buchstaben steht es an der Wand des Ateneum geschrieben: Carl Larsson hielt sich für den besten Künstler Schwedens seiner Zeit, so besagt es ein Zitat von ihm. Das Museum in Helsinki widmet Larsson, der besonders in Deutschland beliebt war (sein Buch Ein Haus an der Sonne erschien zuerst dort und zwar mit Startauflage 40 000) eine große Einzelausstellung. Auch in der tritt er vor allem als Illustrator in Erscheinung, wirklich große Kunst würde ich seine Arbeiten genauso wenig (nunja, natürlich doch ein bisschen mehr..) nennen wie die Bilder des Musikers Bob Dylan (gesehen in Kopenhagen in der Nationalgalerie), die statt in einem Museum besser in einem Bilderbuch aufgehoben wären. Larsson, 1853 geboren und 1919 gestorben, damit war er Zeitgenosse von Anders Zorn, der von 1860 bis 1920 lebte und ebenfalls Schwede war. Zeitgleich mit Zorn, dessen Werke auch dem einfachsten noch jede Menge Würde verleihen, zu leben und zu arbeiten und sich dann als größten Künstler der gemeinsamen Heimat zu bezeichnen, dazu gehört schon einiges an Selbstüberschätzung.

Zorns Arbeiten waren bis vor wenigen Tagen im Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus ausgestellt, ich schaffte es gerade noch eine Woche vorher dorthin. In einer aktuellen Pressemeldung zum Abschluss der Ausstellung heißt es: “Wir hatten zwar vermutet, dass Anders Zorns Kunst in Lübeck ein interessiertes Publikum finden wird. Dass der hierzulande kaum bekannte Künstler aber schließlich über 41.000 Besucher ins Behnhaus-Drägerhaus lockte und – wie die vielen Einträge im Gästebuch zeigen – die Menschen durchweg begeisterte, übersteigt all unsere Erwartungen und erfüllt uns mit großer Freude. Die Wiederentdeckung ist gelungen!” Dr. Anna-Carola Krausse, Kuratorin der Ausstellung

Die Ausstellung mit Larsson in Helsinki läuft noch. (Zu sehen sind Arbeiten von beiden auch via Google Art Project und Nationalmuseum schreibt Svenska Dagbladet)


HELSINKI. Dieser Tage verändert sich das Stadtbild von Helsinki täglich. In erster Linie sind nicht künstlerische Interventionen, sondern das Wetter dafür verantwortlich. Die Schneehaufen, die die Straßenränder säumen, werden weil die Temperaturen immer länger die Nullgrangrenze übersteigen allmählich kleiner. Immerhin: Während der vergangenen rund zehn Tage trug auch die Kunst dazu bei den öffentlichen Raum anders aussehen zu lassen als sonst. Wie schon erwähnt, gastierte die dänische Künstlergruppe Superflex in Helsinki. Als Künstler der 2011er-Ausgabe des IHME-Festivals waren sie gekommen und sorgten für viel Freude. Denn Superflex ließ eines der meistgehassten Gebäude der finnischen Hauptstadt zerfallen – Alvar Aaltos Unternehmenssitz für Stora Enso (1961). Inmitten des historischen Zentrums war und ist vielen Bewohnern das Haus ein Schandfleck. Der Niedergang des Gebäudes allerdings geschah nur in einer Videoprojektion auf einer auf dem Marktplatz aufgestellten Leinwand, dahinter war für jeden zu sehen: Aaltos Bau steht weiterhin. Der Firmensitz zerfiel nur in einer 240-stündigen Videoanimation.

Das Gezeigte ist auch eine Allegorie auf den Kapitalismus und was mit diesem und damit unserer Gesellschaft passiert, wenn gedankenlos und völlig passiv agiert wird. Es ist keine klischeehafte platte Anklage an das böse System Kapitalismus, sondern vielmehr eine Aufforderung daran, aus diesem Wirtschaftssystem, das wie die Demokratie die Verantwortung bei den einzelnen Menschen belässt, das Beste zu machen.

Das auf private Initiative zurückgehende IHME-Festival setzt viel daran, sich an ein breites Publikum zu wenden. Das wird in erster Linie durch die Platzierung der Werke im öffentlichen Raum getan und auch dadurch Kunst in Auftrag zu geben, mit der leicht etwas anzufangen ist – insofern vergleichbar mit dem Fourth Plinth in London. Dort werden Künstler gebeten, den leer gebliebenen vierten Sockel auf dem Trafalgar Square zu bespielen. Der Erfolg ist umwerfend, denn das Interesse der Allgemeinheit riesig. Bleibt zu hoffen, dass es Finnland gelingt mit IHME  ähnliche Effekte zu erzielen. Das Potenzial jedenfalls ist da. Wie unten bereits erwähnt schrieb ich für The Art Newspaper einen Vorbericht zu der diesjährigen Aktion, für art habe ich mir einen Teil des Films angeschaut und eine Podiumsdiskussion mit u.a. Jennifer Allen und Daniel Birnbaum angehört. Der Bericht zu Kunstaktion und Diskussion ist hier online zu lesen.


HELSINKI. Die dänische Künstlergruppe Superflex hat schon einen Mc Donalds geflutet und Lampen des dänischen Designers Poul Henningsen aus Getränkedosen nachgebaut, nun widmet sie sich erneut einer Ikone. Als Festivalkünstler des vor zwei Jahren ins Leben gerufenen IHME Festivals wird die Gruppe im Zentrum von Helsinki eine 40 m² große LED-Leinwand in Betrieb nehmen. (Leider gibt es Probleme mit WordPress auf meinem Mobiltelefon, deshalb fehlt hier jetzt das Foto, das ich vor zwei Stunden dort gemacht habe). Animiert zeigen sie, wie eine der bekanntesten Bauten der finnischen Hauptstadt langsam zerfällt – der von Alvar Aalto entworfene Firmensitz von Stora Enso, eines von Finnlands größten Unternehmen. Der Film zeigt, was mit Architektur geschieht, wenn wir uns nicht um sie kümmern.

Doch ist es, weil es sich bei Stora Enso um eines von Finlands bekanntesten Industrie-Ikonen handelt, nicht zugleich eine Allegorie auf den Kapitalismus und was geschieht, wenn sich die Gesellschaft nicht um diesen kümmert?

 
Halb zerfallen erinnert das Gebäude übrigens an die Ruine des Palastes der Republik in Berlin.

Der Film dauert zehn Tage (damit ist er angeblich der längste je gezeigte) und wird am Stück rund um die Uhr auf dem Marktplatz von Helsinki aufgeführt – direkt vor dem Aalto-Bau.

Teil des Festivals sind weitere Screenings von u.a. Yoko Ono sowie eine Podiumsdiskussion mit Daniel Birnbaum, Jennifer Allen und anderen – Thema: How do we talk about art?

Für die britische The Art Newspaper habe ich bereits eine Preview geschrieben, hier zu lesen. Heute morgen habe ich mir die Arbeit ein erstes Mal (aber eben leider nur einen Ausschnitt aus dem Film) angeschaut – mehr, wenn ich etwas mehr Zeit habe, spätestens nach Rückkehr kommende Woche.


HELSINKI. Wenn der französische Nuklear-Konzern Areva Atomkraftwerke so baut, wie er Pressereisen organisiert, dann gute Nacht. Zur Zeit versucht das Unternehmen die internationalen Medien mit einer Charmeoffensive zu betören und öffnet bereitwillig die Tore zur Baustelle des in Zukunft modernsten und leistungsfähigsten Atomreaktors der Welt. Der Bau eines Druckwasserreaktors im finnischen Kernkraftwerk Olkiluoto machte bisher aber vor allem durch Probleme auf sich aufmerksam. Insgesamt wird der Reaktor mindestens 2,3 Milliarden Euro teurer als geplant, die Fertigstellung verschiebt sich um mindestens drei Jahre, bislang gab es mehr als 3000 Fehler beim Bau. Die Schuld dafür schoben sich Areva, die an der Fertigung des Kraftwerks ebenfalls beteiligte Siemens AG und der finnische Betreiber der beiden ersten Reaktoren, TVO, bisher gegenseitig zu.

Olkiluoto 3, so wird der neue Meiler heißen, sollte ein Schaufenster für die atomare Renaissancen in Europa und der Welt sein. Doch zeigt das Projekt bisher lediglich, wie schwierig und mit welch horrenden Kosten ein Neubau eines Kernkraftwerks heutzutage ist. Kein Wunder, dass die Betreiber in Deutschland – und nicht nur dort – vor allem auf Laufzeitverlängerungen älterer Kraftwerke aus sind. Denn billig (und für die Energiekonzerne ein lohnendes Geschäft) ist Atomstrom erst, wenn die Meiler abgeschrieben, also Jahrzehnte am Netz hingen.

Wie auch immer. Areva lädt derzeit fleißig die Presse ein um zu zeigen: Alles in Ordnung in Olkiluoto, es gibt keine Probleme. Nun haben die Organisatoren der Pressereise bei Areva leider vergessen, meinen Weiterflug von Helsinki ins beschauliche Pori zu buchen. Jetzt sitze ich erst einmal fest und muss auf den nächsten Flieger warte, der in etwa zweieinhalb Stunden gehen wird. Aber Verzögerungen ist man bei Areva ja gewohnt. Die Kosten für das neue Ticket sollte ich dann erst einmal selbst auslegen. Nach kurzem Disput sahen die Organisatoren dann aber ein, dass sie das auch selbst machen können.


HELSINKI. “Sie sind Deutsche?”, fragte der Taxifahrer kaum, dass wir im Fonds ein paar Worte in unserer Muttersprache gewechselt hatten. Und in eben jener Sprache stellte er auch die Frage. Schwedisch und Französisch ginge auch gut, sagte er und bewies es auch gleich. Auf Englisch hatten wir anfangs mit ihm gesprochen. Seit ich vor neun Jahren das erste Mal in Helsinki war,  bin ich von der Vielsprachigkeit  vieler Finnen beeindruckt. Unser Taxifahrer erklärte uns gleich in recht gutem Deutsch, warum er denn unsere Muttersprache so gut kann. “Ich war damals schlecht in der Schule und die Guten durften zuerst die Fremdsprache wählen.” Damals  wählten alle Guten Englisch und erst als nächste Sprache Deutsch oder eine andere. Für die schlechteren wie ihn blieb deshalb nur Platz im Deutschkurs – sein Glück.  Der Taxifahrer hatte deshalb Deutsch als das, was er “lange Sprache” nennt, lernet es also viele Jahre im Gegensatz zu Englisch, das er erst ein paar Jahre später zu lernen begann und deshalb weniger Schuljahre im Unterricht hatte. “Um Deutsch wirklich zu lernen, braucht es aber mehr Jahre als für das Englische, deshalb habe ich als Schlechter die Möglichkeit bekommen besser Deutsch zu lernen als viele Gute”, so unser Taxifahrer. Dass sein Englisch dennoch recht passabel ist, hatte er bewiesen bevor er ins Deutsche wechselte. Sein Schwedisch konnte ich ebenfalls für gut befinden, noch mehr Kostproben gab er vom Französischen. Es klang gut, aber wie gut es wirklich war, mag ich nicht zu beurteilen. Französisch hatte ich nämlich nicht als “lange Sprache”, sondern nur zwei Jahre. Vielleicht hätte ich damals in der Schule schlechter sein sollen, dann wäre mein Französisch jetzt womöglich so gut wie mein Schwedisch.

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