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KOPENHAGEN. Es ist ein seltsames Zusammentreffen: am kommenden Freitag, 24. August, wird sowohl bekanntgegeben, wie das Strafmaß gegen den norwegischen Terroristen Anders Behring-Breivik ausfällt als auch, wer dänische Kulturhauptstadt werden wird. Auf der einen Seite der Feind der offenen Gesellschaft, auf der anderen Seite der Einsatz für eben diese europäischen Ideale. Damit sei über den Attentäter vom 22. Juli 2011 erst einmal genug gesagt.

Die dänische Entscheidung fällt zwischen Aarhus und Sønderborg, wobei letztere den europäischen Gedanken besonders hervorhebt. Denn das Städtchen hat sich mit Flensburg einen Partner südlich der Grenze gesucht.

Während vielerorts die Befürchtung herrscht, Europa könnte zerbrechen, will die deutsch-dänische Grenzregion das Gegenteil beweisen. Mit Flensburg und Sonderburg (Sønderborg) kämpfen zwei ehemals zerstrittene Nachbarn darum, gemeinsam Europäische Kulturhauptstadt 2017 zu werden. In dem Jahr ist Dänemark wieder am Zuge und weil Sonderburg nur rund 30 000 Einwohner hat, tat es sich bei der Bewerbung mit der nahen und größeren deutschen Nachbarstadt zusammen, um gegen Aarhus – nach Kopenhagen Nummer zwei im Lande – das Rennen zu machen. Gemeinsam wollen die zwei Provinzstädte eine „Countryside Metropolis“ bilden und zeigen, dass nicht nur Großstädte attraktiv für Bürger und Investitionen sind und dort grenzüberschreitende Zusammenarbeit positive Effekte haben kann. In beiden Städten sitzen an zentralen politischen Positionen Personen aus der Minderheit des jeweiligen anderen Landes (dazu zählt der Flensburger Bürgermeister Simon Faber, den ich vergangenen Sommer für Focus interviewte).

Der deutsch-dänische Paarlauf ist neu: 1864 unterlag Dänemark in einer Schlacht nahe Sonderburg Deutschland und verlor das Gebiet an den südlichen Nachbarn, erst durch eine Volksabstimmung 1920 kam es wieder zum Königreich. In den Jahren danach sowie auch noch Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg war das Verhältnis zwischen den Nachbarn problematisch. Nun pendeln viele Dänen zum Einkaufen ins erheblich billigere Deutschland und Flensburger suchen im wirtschaftlich prosperierenderen Süddänemark Arbeit. Hier funktioniert Europa noch.

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