Das perfekte Frauenzimmer

MÜNCHEN. / KOPENHAGEN. Kaum vorstellbar, dass nach einer Woche documenta und Art Basel die Ausstellung eines vor fast 100 Jahren gestorbenen, hierzulande nahezu unbekannten dänischen Malers zu einem der unvergesslichen Eindrücke des ersten Kunsthalbjahres 2012 führen kann.

Und dann auch noch mit einer Ausstellung, die bei ihrer ersten Station ungeheuer enttäuschte. Im Frühjahr setzte das Statens Museum for Kunst in Kopenhagen den dänischen Maler Hammershøi in den Kontext europäischer Zeitgenossen. Doch die Zusammenhänge wirkten vielfach konstruiert und die Ausstellung ließ den Bildern des Dänen und seiner bedeutenden Zeitgenossen viel zu wenig Raum.

Ganz anders in München, wo die selbe Ausstellung (die dann eigentlich nicht mehr die selbe ist) nun in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung gezeigt wird. Meine Kritik gibt es hier bei art online zu lesen (und hier ist nochmal meine Kritik zur Kopenhagener Hammershøi-Ausstellung). Aus dem aktuellen Text geht auch hervor, was es mit meiner Überschrift auf sich hat.

Auch in München finde ich nicht alles perfekt, vieles ist natürlich Geschmackssache. Schön, dass in der Hypo-Kunsthalle Whistlers „Mother“ und die von Hammershøi nun gleichzeitig bestaunt werden können und die Besucher nicht stets die eine im Rücken haben, während sie die andere betrachten. Doch statt die beiden in Motiv, nicht aber in Format ähnlichen Bilder über Ecke zusammenzuhängen und sich den Rücken zu kehren zu lassen, hätten sie sich auf einer größeren Wand und einander anschauend vermutlich besser gemacht (darauf machte mich eine Kunsthistorikerin aufmerksam, der das schneller ins Auge fiel als mir).

Dennoch bin ich sehr froh, auch die Kopenhagener Ausstellung besucht zu haben. Es ist sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Zugänge sein können. Nachdem ich Hammershøi und Zeitgenossen in München in Ruhe (und damit meine ich unabgelenkt von zu dicht gehängten Bildern und zu dicht gestellten Wänden) betrachten konnte, kann ich die Kopenhagener Basar-Hängung mehr tolerieren. Es ist vielleicht ein wenig so, wie wenn man einen Künstler gut kennt und dann alte und neue Arbeiten von diesem auf einer Kunstmesse sieht.

 

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