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MÜNCHEN. Durch Zufall war ich heute Vormittag in der Rudolf-Diesel-Schule in München. Schon beim Betreten des Schulgeländes wird klar: hier steht ein richtig schöner Bau, der so richtig vernachlässigt wird –  klare Linien der Außenmauern sowie Design und Materialien der Fenster- und Türelemente sind von schlichter Schönheit (den Architekten habe ich im Internet leider nicht ausfinding machen können). Gleichzeitig fallen aber auch der häßlich verdreckte dunkel-gelbliche Außenanstrich und die grässlichen Blumenkästen mit rosa Blumen vor den Fenstern mit heruntergezogenen Rolläden ins Auge.

Es wirkt, als hätte man versucht eine Frau oder einen Mann von natürlicher Schönheit durch Frisur und Kleidung unansehnlich zu machen. Doch all das kann nicht verheimlichen, was sich dahinter verbirgt: viel Potenzial. Im Gebäude sieht es ähnlich aus. Das Atrium ist dunkel. Das lässt sich womöglich damit erklären, dass es zu sehr aufgeheizt würde, wenn das Glasdach im Sommer nicht abgedeckt würde – eine gute Belüftung wäre dennoch besser. Doch warum an den Säulen Grünpflanzen abgestellt werden müssen, die den Säulen ihre Strenge nehmen und an eine Badelandschaft erinnern, ist genauso unklar wie die Putzlappen, die weiter hinten auf einem Geländer ins Auge fallen, oder die vielen anderen Gegenstände, die gemeinsam mit dem Innenanstrich in u.a. hellgelb dafür sorgen, dass aus diesem schönen Gebäude ein Ort wird, in dem man sich nicht gerne aufhalten mag. Aber es ist eine Schule und wenn die aussieht wie das Klischee einer hässlichen Amtsstube, dann sollte man sich nicht wundern, wenn Deutschland bei PISA nicht so gut abschneidet wie viele Eltern und Politiker es gerne hätten. Lernen lässt sich wie Leben und Arbeiten in angenehmer Umgebung erheblich besser und die Rudolf-Diesel-Schule hat da viel Potenzial ist aber womöglich leider ein Beispiel dafür, wie simple Einsichten nicht bedacht werden und zugleich ansprechende Architektur vernachlässigt wird.

Nicht, dass in Nordeuropa alles besser wäre, aber dort wird der Architektur einer Schule häufig  ganz klar mehr Bedeutung zugemessen (der obligatorische Hinweis auf einen eigenen Text darf auch hier nicht fehlen, im Februar besuchte ich für die Financial Times Deutschland das Ørestad Gymnasium in Kopenhagen – womöglich ist es exemplarisch, dass deren Website auch ein wenig besser aussieht als die der Rudolf-Diesel-Schule).

Datiert auf das Jahr 2003 steht auf der Homepage des Architekturbüros zillerplus, das dieses die Sanierung der Rudolf-Diesel-Realschule plant. Ich hoffe im Sinne der Schule und des Büros, dass diese noch bevorsteht.

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