Deutsch-Dänische Psychoanalyse

MÜNCHEN. Dass Alice Schwarzer witzig sein kann, war vor nicht allzu langer Zeit im Interview des Spiegel mit ihr zu lesen (konnte ich online leider nicht finden). Jetzt wurde sie auch noch literarisch. Schwarzer schrieb zum Tode der Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich einen Artikel mit persönlichen Erinnerungen in der Süddeutschen Zeitung (ebenfalls nicht online, ich verlinke deshalb zum Nachruf Franziska Augsteins, der online ist). Mitscherlich wurde als Kind eines Dänen und einer Deutschen in Gravenstein, Nordschleswig (das drei Jahre nach ihrer Geburt durch Volksabstimmung wieder dänisch wurde) geboren. Damit hat sie etwas mit dem Schriftsteller Knud Romer und dessen Hauptperson aus dem Roman „Den som blinker er bange for døden“/“Wer blinzelt hat Angst vor dem Tod“ gemein.

Wie Schwarzer das Verhältnis von Mitscherlichs Mutter zu ihrer neuen Heimat Dänemark beschreibt, hat das durchaus etwas von Romer: „Margarete war das einzige, geliebte Kind eines einfühlsamen dänischen Landarztes und seiner Frau, einer stolzen deutschen Lehrerin. […] An dänischen Nationaltagen litt die Mutter hinter zugezogenen Vorhängen an Migräne, an den deutschen flaggte sie fröhlich.“ Vielleicht sollte der Tod Mitscherlichs nochmal Anlass sein, Romers Buch und über das deutsch-dänische Verhältnis zu lesen (passt dieser Tage ja besonders, da Dänemark am Sonntag ein EM-Spiel gegen Deutschland bestreiten wird – und umgekehrt).

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