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KOPENHAGEN. Heute wird der schwedische König Carl XVI Gustaf 66 Jahre alt – per twitter gratuliert auch die Zeichnerin Nina Hemmingsson, gewiss keine Königstreue. Als vor zwei Jahren Kronprinzessin Victoria den Bürgerlichen Daniel Westling geheiratet hat, interviewte ich Hemmingsson, die einige mehr oder weniger anti-royale Comic-Strips veröffentlicht hat, für den Focus. Das Interview ist hier online zu lesen, allerdings leider ohne Zeichnungen.


KOPENHAGEN. Übermorgen wird nun bei Sotheby’s in New York eine Pastell-Version von Edvard Munchs “Der Schrei” versteigert. Es ist die einzige in Privatbesitz (derzeit noch von Petter Olsen), drei andere Versionen hängen in norwegischen Museen. Das Munch Museum besitzt die größte Sammlung von Werken des Norwegers und ist beim Google-Art-Project mit dabei. Deshalb kann die dortige Version des Schrei (von 1910) zusammen mit etlichen anderen Werken genauestens daheim am Computer studiert werden und zwar hier und ohne zwei- oder dreistellige Millionen-Summen dafür ausgeben zu müssen (Mittwoch wissen wir, ob es wirklich eine dreistellige Millionensumme wird und wenn, ob in Dollar oder gar Euro).

Außerdem gibt es im e-Museum des Munch Museums noch mehr Informationen online, darunter den berühmten Satz, den Munch zum Gemälde “Der Schrei” schrieb in englischer Übersetzung (die jetzt zum Verkauf kommende Version ist übrigens die einzige, die mit diesem Text versehen ist).

Der Schrei beim Google-Art-Project


KOPENHAGEN. Soeben erreicht mich eine E-Mail-Pressemitteilung der Frankfurter Kunsthalle Schirn mit der Ankündigung, dass bereits 150 000 Besucher die seit Februar geöffnete Ausstellung “Munch – Der moderne Blick” gesehen haben. Beeindruckend. Das findet auch Direktor Max Hollein, der in der Pressemeldung sagt: „Die Ausstellung ist auf dem besten Weg, die erfolgreichste Schau in der Geschichte der Schirn Kunsthalle zu werden“, so Direktor Max Hollein. „Alle, die sie noch nicht gesehen haben, sollten sie nicht verpassen.“

Zwei Munch-Zahlen und ein Rechenexempel, das zu einer dritten führt: 400. Wenn jeder der 150 000 Besucher 400 Euro zahlen würde, kämen 60 Mio. Euro zusammen. Das sind 80 Mio. US Dollar und damit die Taxe für Edvard Munchs “Der Schrei”, der am 2. Mai bei Sotheby’s in New York versteigert werden soll (und aus der Sammung Petter Olsen stammt). Da klingt dieser doch gar nicht mehr so teuer und nachdem das Frankfurter Städel von den Bürgern für den Umbau großzügige Spenden erhalten hat, vielleicht eine Option, Munchs Schrei doch noch nach Frankfurt zu holen (zur Schirn-Ausstellung gehört nämlich keine der vier Unikate oder auch Multiple von Munchs bekanntestem Motiv). Ist nur ein Rechenexempel, aber zeigt, was machbar wäre mit noch mehr bürgerlichem Engagement für die Kunst (und wenn die Gebote auf 100 Mio. Euro hochschnellen, sind es halt ewas mehr als 600 Euro pro Person. Wobei, bis dahin wird auch die Munch-Ausstellung in Frankfurt noch mehr Besucher anziehen – die  Ausstellung ist noch bis zum 28. Mai 2012 geöffnet.). Für das Magazin von artnet schrieb ich eine Kritik zur Frankfurter Ausstellung und in der aktuellen Ausgabe von art ist auf Seite 112 von mir ein Text zur Auktion.

Heute lädt die Schirn übrigens zum Edvard Munch Filmabend. Hier ein Film von Munch mit Joachim Króls Stimme:


KOPENHAGEN. Im Herbst jährt sich der Ausbruch der Finanzkrise auf Island zum dritten Mal. Von einem Tag auf den anderen schien auf der Atlantikinsel das Finanzsystem zusammenzubrechen. Geir Haardes Worte “Gott schütze Island” (hier dazu mein Text bei Zeit online) werden unvergessen bleiben. Der damalige Regierungschef wußte sich wohl nicht anders zu helfen als mit dem Verweis auf höhere Mächte. In den Jahren danach gab es immer wieder Vorwürfe, dass der Kollaps so unvorhergesehen nicht gewesen sei und Haarde und seine Regierung mehr hätten tun können, um diesen zu verhindern. Das geht auch aus einem sehr umfangreichen Untersuchungsbericht hervor. Das Parlament – in dem Haardes konservative Selbständigkeitspartei mittlerweile in der Opposition war – beschloss schließlich, dass ein Sondergericht gegen Haarde Anklage erheben soll. Gestern nun fiel das Urteil – bedingt schuldig kann man wohl sagen. Er wurde in drei von vier Vorwürfen freigesprochen, die Schuld im Falle des vierten wiegt nicht schwer genug, um ihn zu bestrafen. Ein salomonisches Urteil?

Für die FTD habe ich die Ergebnisse zusammengefasst, zu lesen nur in der heutigen Printausgabe, aber ein etwas ausführlicherer Text deshalb auch hier, unter dem Bloomberg-Interview mit Haarde.

Als weltweit erster Politiker ist der ehemalige isländische Ministerpräsident Geir Haarde für Verfehlungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise schuldig gesprochen worden. Ein Sondergericht hat geurteilt, dass der frühere Regierungschef nicht sein Bestes getan habe, um den finanziellen Kollaps seines Landes zu verhindern. Haarde wurde gestern in einem von vier Anklagepunkten schuldig erklärt, bleibt aber straffrei. Demnach hat der ehemalige Spitzenpolitiker der konservativen Partei gegen das Ministergesetz verstoßen. Entgegen den Vorschriften habe er es unterlassen, die Minister über die bedrohliche Lage des isländischen Finanzsystems zu informieren, befand eine Mehrheit von neun von 15 Richtern. Haarde hatte zu seiner Verteidigung darauf hingewiesen, dies in informellen Treffen getan zu haben. Das Gericht sah dennoch einen Gesetzesverstoß.

In den weiteren Anklagepunkten war ihm unter anderem vorgeworfen worden, die Effizienz einer Arbeitsgruppe für finanzielle Stabilität nicht sichergestellt zu haben und nicht genug unternommen zu haben, um das Bankensystem in einer Größe zu halten, die für Island angemessen ist. In diesen Punkten erfolgte aber keine Verurteilung. Haarde bezeichnete das Urteil als absurd und meinte, er sei aufgrund einer Formalität verurteilt worden. Nach Meinung des ehemaligen Regierungschefs ist er Opfer eines politischen Urteils geworden. Als Zeugen geladen gewesen waren auch politische Gegner Haardes. Die derzeitige isländische Regierung besteht aus Sozialdemokraten und Linksgrünen. Eine parlamentarische Mehrheit hatte basierend auf einem Untersuchungsbericht beschlossen, nur Haarde anzuklagen.

Island war als erstes Land im Herbst 2008 in die Finanzkrise geraten. Damals führte Haarde eine konservativ-sozialdemokratische Koalitionsregierung an. Binnen weniger Tage wurden im Oktober 2008 die größten Banken des Landes verstaatlicht, private und staatliche Schulden explodierten und das ehemals so prosperierende Land geriet in eine tiefe Wirtschaftskrise. Erstmals in der Geschichte des Landes wurde daraufhin die Möglichkeit genutzt, ein Sondergericht einzuberufen, um über die juristische Verantwortung von Politikern zu urteilen. Haarde war der einzige, gegen den letztlich Anklage erhoben wurde. Ihm drohten bis zu zwei Jahre Gefängnis, doch seine Schuld war letztlich zu Gering für eine Strafe. Die Prozesskosten werden vom Staat übernommen.

Haarde war während seiner Amtszeit von vielen als Marionette seines Vorgängers David Oddsson gesehen worden., Dieser hatte sich aus der Politik auf den Posten des Zentralbankchefs zurückgezogen. Während Oddssons Herrschaft war das Finanzwesen liberalisiert und die Banken privatisiert worden, als er der Zentralbank vorstand versäumte er angemessene Rahmenbedingungen zu setzen. Mittlerweile ist Oddsson Chefredakteur der traditionsreichen Zeitung Morgunbladid. Für viele ist das ein Zeichen, dass Island immer noch von Vetternwirtschaft geprägt ist.


KOPENHAGEN. Sie war Außenseiterin und hat selbst dafür ein unerwartet schlechtes Ergebnis erzielt: Eva Joly. Während Marine Le Pen auf fast 20 Prozent und damit Platz drei kommt, erreichte die in Norwegen geborene Spitzenkandidatin der Grünen gerade einmal ein Zehntel davon. Obwohl ihre Partei bei den EU- und Regionalwahlen vor ein paar Jahren zweistellige Ergebnisse erzielt hatte, landete die ehemalige Top-Korruptionsbekämpferin bei gerade mal zwei Prozent. In ihrer alten Heimat analysiert das öffentlich-rechtliche NRK wieso – und traut ihr die Übernahme des Justizministeriums zu.

Und zur Erklärung meiner Überschrift:



KOPENHAGEN. Politik wird mit Autorennen so selten in Verbindung gebracht wie Kunst. Insofern bildet das Formel 1- Rennen in Bahrain eine doppelte Ausnahme. Es wurde diskutiert, inwieweit in diesem Staate, der seine Bürger unterdrückt, überhaupt ein derartiges internationales Großereignis stattfinden darf. Zugleich wurde diese Aufmerksamkeit von eben jenen Bürgern genutzt, um wiederum mehr Aufmerksamkeit für deren Demonstrationen zu bekommen.

Und zur Kunst: Der deutsche Fotograf Andreas Gursky hat mehrfach in politisch heiklen Ländern fotografiert – neben Nordkorea auch in Bahrain und dort ausgerechnet die dortige Autorennstrecke. Die Arbeit “Bahrain I” (2005) ist derzeit in der großen Gursky-Einzelausstellung im Louisiana Museum nördlich von Kopenhagen zu sehen, meine Kritik für art online dazu hier. Mitten im Zentrum von Kopenhagen gibt es einen Park, dessen ungewöhnliche Gestaltung an Gurskys Draufsicht auf Bahrain erinnert, die Parallele erläutere ich in meiner Architekturkritik eben jenes Parks vor dem Kopenhagener Sitz der Bank SEB für die deutsche bauzeitung (online ist nur der Einstieg zu lesen, also bitte bestellen. Ein Blick ins E-Paper lässt die Parallele bereits erkennen.).


KOPENHAGEN. Verständlicherweise dürfte wohl nirgendwo mehr über den Prozess gegen Anders Behring Breivik berichtet werden als in Norwegen, auch die anderen nordeuropäischen Länder beschäftigen sich sehr viel damit. Für das Deutschlandradio Kultur habe ich heute morgen am internationalen Pressegespräch genau  zu diesem Thema teilgenommen, hier als MP3 nachzuhören.


 

KOPENHAGEN. Zeitgleich zur Deutschland-Premiere sah ich gestern in Kopenhagen beim Filmfestival Cph PixBabycall“, den neuen Film mit Noomi Rapace (bekannt aus Stieg Larssons Millenium-Trilogie sowie Sherlock Holmes). Hier spielt sie weder die harte autistische Kämpferin, noch eine mystische Wahrsagerin. Stattdessen eine Person, wie sie im viel zitierten wirklichen Leben vermutlich erheblich häufiger vorkommt: eine psychisch extrem belastete Mutter.

Und sie macht es phantastisch. Wie überhaupt auch die anderen Rollen bestens gespielt werden. Ein realistisches Drama, ein Psychothriller, ein Horrofilm? Ganz klar ist das auch am Ende nicht. Jedenfalls hält er, was der oben verlinkte Trailer verspricht (zur deutschen Version hier entlang). Warten wir ab, wann das amerikanische Remake kommt, schlägt dieser Film doch den schon ziemlich beeindruckenden “Låt den rätte komme in”/”So finster die Nacht” und erst recht die Millenium-Trilogie.

 


KOPENHAGEN. Die Kreativität der Isländer ist mittlerweile allbekannt, doch lange bevor isländische Künstler in Westeuropa in großem Stil bekannt wurden, zog es einen westeuropäischen Künstler in die Einöde der Insel mitten im Nordatlantik. Dieter Roth hat lange auf Island gelebt und gearbeitet und auch heute noch kennt ihn dort jeder. Bei der Kunstmesse Art Cologne wird eine seiner Arbeiten prominent ausgestellt und zeitgleich gibt es bei Artnet sein Werkverzeichnis, ein Blick lohnt sicher. Umfangreiche Bestände seiner Werke hat übrigens auch das Living Art Museum in Reykjavik zu bieten.


KOPENHAGEN. Die ersten Tages des Prozesses gegen Anders Behring Breivik in Oslo sind vorbei. Nicht nur norwegische Medien berichten en detail. Der richtige Zeitpunkt nochmals auf ein Interview zu verlinken, das ich vergangenes Jahr kurz nach den Terrorakten mit Thorvald Stoltenberg, dem Vater des Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg, für den Focus geführt habe.

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