KOPENHAGEN. Als gestern Nachmittag auf meinem Mobiltelefon die Meldung einer Bombenexplosion in Oslo auftauchte saß ich gerade beim Kaffee und las das Feuilleton. Das Grauen kam wie so oft unvermittelt. Immerhin sah es zunächst so aus als habe Norwegen das viel zitierte Glück im Unglück gehabt und eine zweistellige Zahl von Toten sei nicht eingetreten – die Bombenexplosion war nicht nur in der Ferienzeit geschehen, sondern auch noch am Freitagnachmittag, Norweger aber nehmen sich freitags häufig schon recht früh frei.  Dann kam die Meldung über Schüsse im Sommerlager der Jugendorganisation der Sozialdemokraten. Sie erschien auf der Startseite der Homepages norwegischer Medien, die Bombenexplosion blieb lange aber größer – schließlich waren die medialen Ressourcen vor allem damit beschäftigt. Womöglich hat sich das auch der Attentäter gedacht und die erste Explosion auch als Ablenkungsmanöver für die Polizei gedacht.

Schnell war die Befürchtung in den Medien, es handele sich um einen Terrorakt mit islamischen Hintergrund. Nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters – des 32jährigen Norweges Anders B. – sieht es anders aus. Er hat wohl einen rechten Hintergrund und in Internetforen gegen die freie Gesellschaft gewettert. Es gibt noch keine offizielle Aussage zu seinen Motiven. Doch ist eins festzuhalten: Ob islamistische oder rechte Terroristen – eins haben sie gemeinsam: sie sind Feinde der offenen Gesellschaft.

Premierminister Stoltenberg hat deutlich gemacht, dass er an der offenen Gesellschaft festhalten möchte, ja sie noch offener und noch demokratischer machen möchte. Ähnlich äußerte sich schon der schwedische Premier Fredrik Reinfeldt nachdem sich in Stockholm kurz vor Weihnachten ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hatte.

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