Houellebecq ist Stieg Larssons Verdammnis

KOPENHAGEN. Perverse Männermordphantasien sind der Höhepunkt von Band eins der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson. Grausame Gewalt und jene Kriminalromanen nunmal innewohnende Spannung hat das Buch zu bieten, ein Roman des nennen wir es schwarzen schwedischen Realismus und damit in etwa so informativ wie ein journalistischer Text. Schön und gut und vor allem Zeitvertreib, Abschalten. Magischer Realismus, Metaphern und dergleichen – dafür fehlte dem Journalisten Larsson wohl das Talent, vielleicht wäre er sonst Vollzeitautor geworden.

Ein Mordfall, der von seiner Grausamkeit denen bei Larsson in nichts nachsteht (und womöglich eine Persiflage darauf ist) ist Gewalthöhepunkt im „Karte und Gebiet“, dem neuen Buch von Michel Houellebecq. Das Werk hat darüberhinaus, was Larsson fehlt, es ist ein literarisches und damit Stieg Larssons Verdammnis (wie dies sperrige Substantiv zum deutschen Titel eines seiner Bücher werden konnte, ist übrigens nur dadurch zu erklären, dass der Lektor sonst Speisekarten für Möchtegernefranzösische Spitzenrestaurants schreibt, bei denen es vor merkwürdigen Substantiven ja ebenfalls nur so strotzt). Solange es Bücher wie „Karte und Gebiet“ gibt und die Zeit nicht unendlich ist, kann Larsson getrost liegengelassen werden.

In den USA, so berichtet die schwedische Boulevardzeitung Expressen, habe man sich auf einem Seminar übrigens gewundert, wieviel Kaffee in dem Buch getrunken werde. Eine Metapher ist aber wohl auch das nicht: in Schweden trinke man einfach so viel Kaffee, hieß es bei dem Seminar.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s