Per Boot über die Alpen

KOPENHAGEN. Langsam pflügt sich der knallrote Bug durch den strahlend weißen Schnee; der Kontrast erzeugt ein schönes Bild – ästhetisch und gedanklich. Zwei Männer sorgen für die Bewegung auf ungewohntem Grund. Mit Hilfe von Seilen ziehen sie das Gefährt. Trotz der körperlichen Arbeit liegt auf ihren Gesichtern mehr ein Lächeln als der Ausdruck einer Qual. Doch das Lächeln könnte ihnen bald vergehen. Denn noch ziehen Wolfgang Aichner und Thomas Huber das Boot nur unangestrengt virtuell – in einem Werbefilm für ihre Kunstaktion Passage 2011. Am 25. Mai wollen die zwei Münchener Künstler das Filmchen in die Tat umsetzen und beginnen ein selbstgebautes, rund 150 Kilo schweres Boot über die Alpen zu schleppen. Ihr Ziel: Venedig. Jene romantische, idealisierte Stadt im Sehnsuchtsland Italien. Ende Juni, drei Wochen nachdem dort mit der Biennale das wohl berühmteste internationale Kunstereignis eröffnet wurde, wollen sie über den Canale Grande schippern.

Das Passage 2011 genannte Projekt wird vom Kurator Christian Schoen begleitet. Ihn traf ich erstmals beim Reykjavik Arts Festival im Jahr 2005. Damals war Schoen gerade Gründungsdirektor des Centre for Icelandic Art (heute Icelandic Art Center) geworden. Er sagt die Passage solle auch auf den Irrsinn aufmerksam machen, der damit verbunden sei Kunstwerke und den Kunst-Jet Set teuer und klimaschädlich von einem Event zum nächsten zu transportieren. Vielleicht strömen zur Art Basel ja dann alle zu Fuß.

Ein Artikel von mir zu dem Projekt ist heute in der Schweizer Sonntagszeitung erschinen, allerdings nur in der Printausgabe.

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