There is a Social Democratic Party

KOPENHAGEN. „Organising Freedom“ war David Elliots große nordeuropäische 1990er Show im Moderna Museet in Stockholm betitelt, es war eine der, wenn nicht die erste Ausstellung, die ich in dem Museum sah. Wenn ich mich nicht irre, war es die Isländerin Björk, die ihn mit ihrer Liedzeile „I thought I could organise freedom how Scandinavian of me“ (Hunter) zu dem Titel inspirierte (ja, es stimmt, sehe ich grade beim Verlinken der Website). An diesem Satz ist Einiges dran. Den Leuten Gutes tun, ihnen ihre Freiheit geben Mensch zu sein, das ist in der skandinavischen Seele tief verankert. Klingt ja auch gut. Doch zugleich ist da der organisatorische Aspekt. Um die Freiheit zu geben, muss sie eingeschränkt werden, durch hohe Steuern, paternalistische Wohnungspolitik (die vor allem den gut gestellten zu gute kommt) sowie weitere staatliche Kontrolle. Es ist eine Gratwanderung, die mal zwischen Freiheit und Kontrolle, mal zwischen Freiheit und Gleichheit langführt. Zutiefst sozialdemokratisch in gewisser Weise. Und im Norden gelten längst nicht nur die klassischen jeweiligen Arbeiterparteien als sozialdemokratisch. Auch die liberalen sind für diverse Eingriffe zu haben, von denen viele diesen Ländern geholfen haben, die Lebensbedingungen zu verbessern – weit über den europäischen Schnitt hinaus.

Es gibt wohl kein Symbol dafür, das im wahrsten Sinne des Wortes größer ist als die Hochhäuser, die an den Stadträndern gebaut wurden, um der Bevölkerung Gutes zu tun. Und kaum etwas hat so viele negative Konsequenzen gehabt; Wohnmaschinen, in denen nur noch die wohnen, die sich die Immobilien im Stadtzentrum oder in weniger hoch bebauten Gegenden nicht leisten können. Eine sozialdemokratische Politik (vieler Parteien – s.o.), die doch nur Gutes wollte.  Zwei Künstler haben die Gefühle, die diese Gebäude erzeugen vortrefflich visualisiert. Die Schwedin Lena Cronqvist zu erst, wobei ihre Arbeit „Madonnan“ (Die Madonna, 1969) weit über die Probleme der Immobilie hinausgeht. Madonnan – zu sehen auf der Website des Moderna Museet. Heute abend nun eröffnet die Galerie V1 in Kopenhagen eine Einzelausstellung mit dem Dänen Jacob Boeskov. Eine Serie von Ölgemälden ist „Social Democratic I-IIII“ betitelt. Es sind graue Hochhäuser mit finstren Fenstern vor grauem Himmel – how Scandinavian. Doch geschmunzelt habe ich. Vielleicht weil ich mittlerweile in einer hellen Altbauwohnung in der Innenstadt wohne.

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