Obama, Arnie und die Hexe

KOPENHAGEN. Als Einstimmung auf die US-amerikanischen Midterm-Wahlen habe ich mir gestern Abend im dänischen Fernsehen (DR2) die amüsante Dokumentation „Right America“ angeschaut. 2008. Es herrschte noch Wahlkampf zwischen John McCain und Barack Obama, und das Kamerateam reiste durch den konservativen, christlich-fundamentalistisch geprägten Teil der USA. Eine Gegend, in denen Rednecks in riesigen Trailer Parks wohnen, Support-our-troops-and-god-bless-Sarah-Palin-Aufkleber auf ihren Trucks haben und Obama für einen sozialistischen Antichristen halten.

Wie gesagt: Es war amüsant (Wenn zum Beispiel ein Südstaatler der weiblichen Interviewerin offen sagt, dass er von der alten Schule sei und seine Ansichten vielleicht hoffnungslos veraltet seien, er daran aber nun einmal nichts ändern könne und überhaupt der Meinung sei, dass Frauen kein Wahlrecht haben dürften, eben weil sie Frauen seien.), aber auch erschreckend (Ein Trucker: „Ich wähle keinen Nigger zum Präsidenten.“).

Es ist jenes Gesicht der USA, das von weiten Teilen Europas belächelt und verabscheut wird. So richtig wird man diesen Teil Amerikas auf dem alten Kontinent nie begreifen können. Die Doku beginnt und endet mit verzweifelten und weinenden Konservativen. Bekanntlich haben sie die Präsidentschaftswahl verloren. Nun, zwei Jahre später, sieht ihre Welt schon wieder ein bisschen besser aus. Zumal man ja mit der Graswurzelbewegung Tea Party geballte und mit viel Wut auf Washington angereicherte Schützenhilfe bekommen hat. Obama und die Demokraten mussten eine heftige Niederlage einstecken. Im Repräsentantenhaus verloren sie so viele Sitze wie seit 1938 nicht. Immerhin, so möchte man aus Sicht des eher Obama-freundlichen Europas sagen: Der Senat bleibt wohl in der Hand der Demokraten. Überraschend sind diese Ergebnisse nicht.



Heute Morgen dann Katerstimmung im Marriot Hotel in Kopenhagen. Die US-Botschaft hatte zu einem Midterm-Breakfast eingeladen, und die Stimmung war doch ein wenig gedrückt. Botschafterin Laurie S. Fulton versuchte, gute Laune zu verbreiten. Die Politik der USA werde sich nicht ändern, und überhaupt sei es ganz normal, dass die regierende Partei bei den Halbzeitwahlen ihre Macht zumindest in eine der beiden Kammern des Parlaments verliert. Da hat sie ja auch Recht.

Dann erklärte sie den Anwesenden noch kurz das US-amerikanische Wahlsystem, was aber niemanden mehr so recht interessierte. Schon bald widmete man sich dem für solche Veranstaltungen eher spärlichen Frühstück und sprach über die bemerkenswerten Eckpfeiler des Wahlergebnisses. Kaliforniens Gouvernator Arnold Schwarzenegger: abgewählt. Irgendwie schade für Arnie. Die ultrakonservative Tea-Party-Kandidatin Christine O’Donnell: nicht in den Senat gewählt. Gott sei Dank. Wer Masturbation als Sünde bezeichnet und mit Hexenkraft experimentiert, muss erst einmal zum Arzt, bevor er oder sie eine politische Karriere anstrebt.

Jedenfalls hätte ich angesichts einer doch krachenden Niederlage Obamas, den vor allem Europa doch sehr verehrt, auf der Veranstaltung mehr Bestürzung erwartet. Doch die Gäste blieben gelassen. Und so schien die wichtigste Nachricht des heutigen Tages eine andere zu sein. Ein Vertreter der US-Botschaft flüsterte mir zu: „Haben Sie schon gehört? Kiffen bleibt im Bundesstaat Kalifornien illegal.“ Ich glaube, er war erleichtert.

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