Sind die Biedermänner die Brandstifter?

KOPENHAGEN. In Malmö wird derzeit Jagd auf Menschen mit Migrationshintergrund gemacht. An der Bushaltestelle warten, in der Wohnung sitzend werden sie aus Entfernung angeschossen. Seit einem Jahr  hat es in der südschwedischen Stadt über 15 solcher Fälle gegeben, Schüsse fielen gar noch viel mehr. Eine Person kam ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.

In Schweden werden Erinnerungen an einen ähnlichen Fall vor rund zwanzig Jahren wach. Damals schoss der so genannte Lasermann in Stockholm auf Menschen, die er für Immigranten hielt, eine Person wurde getötet. Sämtliche Opfer hatten dunkle Haut- oder Haarfarbe. Der Täter war selber Sohn von Einwanderern – die Mutter kam aus Deutschland, der Vater aus der Schweiz.

Damals wie heute war die politische Debatte in Schweden ungewöhnlich stark von Fremdenfeindlichkeit geprägt. Im Jahr 1991 als die Schießereien in Stockholm begannen, zog mit „Ny Demokrati“ (Neue Demokratie) erstmals eine rechtspopulistische Partei in das nationale Parlament ein. Der Wiedereinzug gelang den Rechten aber 1994 nicht. Im selben Jahr wurde der damalige Täter gefasst. Vor gut einem Monat schafften die „Sverigedemokraterna“ (Schwedendemokraten) den Einzug ins Parlament – zum zweiten Mal sind in Schweden Rechtspopulisten im Reichstag vertreten. In den 1990ern wie heute polemisieren die Rechten gegen Einwanderer. In Schweden wird gemutmasst, dass das politische Klima den Nährboden für die ausländerfeindlichen Taten bereitet haben könnte. Immer wieder werden die Schüsse deshalb im Zusammenhang mit den Schwedendemokarten genannt. Nicht dass jemand behauptet, die Partei würde aktiv zu entsprechenden Taten aufrufen, aber eben Ausländerfeindlichkeit salonfähig machen.

Doch obwohl in den Medien entsprechende Vorwürfe wieder und wieder zu hören sind, ist von den Schwedendemokraten zu dem Thema erstaunlich wenig zu hören. Als ich einen Text über die Schüsse für die Welt schrieb, rief ich deshalb bei der Partei an. Der Sprecher nahm Abstand von den Angriffen und bestätigte, was ich vermutet hatte, nämlich, dass kaum ein schwedischer Kollege bei den Schwedendemokraten um einen Kommentar zu den Vorwürfen gebeten hatte. Eine gelinde gesagt seltsame Arbeitsweise, die die schwedischen Journalisten da an den Tag legen. Die Partei vertritt alles andere als liberale Ansichten und polemisiert gegen Ausländer, doch sollte sie als Beschuldigte auch die Möglichkeit haben, zu Wort zu kommen.

„Wir halten diese Schüsse für bedauerlich, aber können keine Verbindung zu uns sehen“, sagte mir einParteisprecher. Die Partei habe stets die Einwanderungspolitik kritisiert, aber nicht sich gegen die einzelnen Einwanderer gewandt, so der Sprecher. Obwohl die Rhetorik der Schwedendemokraten in den schwedischen Medien mehrfach mit den Schüssen in Malmö in Zusammenhang gebracht werde, habe es nur wenige Anfragen heimischer Medien gegeben, dazu Stellung zu beziehen, sagte er. „Dass wir nicht kontaktiert werden, ist ein Teil der Hetze gegen uns“, sagte er. Genauso wie ich von den schwedischen Kollegen erwartet hätte, bei den Schwedendemokraten eine Stellungnahme einzuholen, hätte ich allerdings auch von der Partei erwartet, selber mit einer entsprechenden Meldung an die Presse zu gehen.

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