Lene, Lene, Lene

KOPENHAGEN. Erst der wohl verdiente Titel der „Ferienministerin“, dann Ungereimtheiten um das mutmaßlich mutwillige Löschen vertaulicher Mail-Korrespondenzen, um sich mit den Lorbeeren anderer zu schmücken. Und jetzt: David Petraeus, den Oberbefehlshaber der US- und ISAF-Truppen in Afghanistan falsch zitiert. Wieder einmal ist die Aufregung um Dänemarks Außenministerin Lene Espersen (mittlerweile meine ganz persönliche Lieblingspolitikerin, weil sie einfach zu drollig ist und von einer Blamage in die andere stolpert) groß, und Politiker über alle Partei- und Fraktionsgrenzen verlangen eine Erklärung, die Espersen aber wohl nicht wird geben können.

Aber der Reihe nach. In einem Interview mit der dänischen Zeitung Berlingske Tidende sprach Espersen Ende August über Afghanistan und die Taliban. Dabei sagt sie auch, dass es Tendenzen gebe, die zeigten, dass die Taliban immer mehr unter Druck gerieten und zunehmend verzweifelten. Das könne man auch vom US-Oberbefehlshaber Petraeus hören, so Espersen. Dumm nur, dass sich inzwischen John Dorrian, einer der Ratgeber des US-Generals, zu Wort gemeldet hat. Espsersens Worte seien Unsinn und von Petraeus so auch nie gesagt worden. Im Gegenteil. Der halte die Taliban nach wie vor für eine ernstzunehmende Gefahr.

Nun wollen die Parlamentarier in Dänemark natürlich wissen, warum Espsersen sich zu ihrer Aussage in dem Interview hat hinreissen lassen. War es Unbedachtheit? Oder wollte Espsersen bewusst die Situation in Afghanistan schönen, um die Regierungspolitik in Sachen Truppenstationierung in ihrem Sinne zu beeinflussen? Ersteres wäre unrühmlich, aber irgendwie auch amüsant, weil es sich dann wieder einmal um einen typischen Espersen handeln würde. Letzteres wäre verwerflich und würde die Ministerin wieder ein gutes Stück näher Richtung Rücktritt bringen. 34 Prozent der Dänen finden laut einer aktuellen Umfrage mittlerweile, dass Espersen als Vorsitzende der Konservative Folkeparti zurücktreten sollte. Selbst 24 Prozent der eigenen Parteianhänger sind dieser Meinung.

Vielleicht wird Espsersen noch ein wenig durchhalten – als Parteivorsitzende und Außenministerin. Ihr politisches Erbe jedenfalls wird wenig ruhmreich sein.

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