It’s the culture, stupid!

STOCKHOLM. Eine gewisse Liberalisierung in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik wie es die schwedischen Moderaten wünschen, klingt durchaus sympathisch – auch wenn bei Privatisierungen wohl einiges schief gelaufen ist. Die schwedische politische Debatte ist von Sachfragen dominiert, Sachfragen, die fast ausschließlich jene zwei Politikbereiche und Bildungsfragen berühren. Was aber ist mit der Kultur?

Ab und an wird sogar über die Kulturpolitik gesprochen, wenngleich primär im Feuilleton – ein Zeichen dafür, wie wenig relevant diese angesehen wird. Schließlich wird die Außenpolitik der Parteien auch nicht vor allem im Auslandsressort thematisiert.

Dieser Tage las ich ein Zitat der amtierenden Kulturministerin Lena Adelsohn Liljeroth von Reinfeldts Moderaten. Sie sagte am meisten habe man durch Steuersenkungen für die Kultur getan. Schließlich habe jetzt jeder Bürger mehr Geld in der Tasche, das er für Kultur ausgeben könne.
Hm. Das ist also Kulturpolitik. Der Ausspruch offenbart einiges über die Werte, die dieser Politik zu Grunde liegen – der Liberalismus, der in der Wirtschaft durchaus seine Berechtigung hat, geht in der Kulturpolitik aber zu weit. Ist nicht die Rechtfertigung staatlicher Kulturpolitik, dass Leistungen (das Wort muss Adelsohn Liljeroth doch mögen) erbracht werden, die durch eine Marktlösung nicht zu stande kämen und deshalb staatlich gefördert werden? Da hat die Opposition dann doch die eindeutig Kultur freundlichere Position (auch deshalb werben einige „Kulturschaffende“ in folgendem Video für die Abwahl der Regierung Reinfeldt, es geht da aber auch endlich mal um Werte).

Zweites kulturpolitisch klares Unterscheidungsmerkmal ist der freie Eintritt für Museen (und auf diese zwei Themen will ich mich hier beschränken – Dagens Nyheter hatte am 15.9. eine zweiseitige Übersicht über zentrale kulturpolitische Standpunkte der Parteien, online habe ich das aber leider nicht finden können). Die sozialdemokratische Regierung hatte die staatlichen Museen verpflichtet den Eintritt abzuschaffen und so für einen Besucherandrang gesorgt. Eine der ersten Dinge, die die amtierende Regierung nach dem Wahlsieg 2006 tat, war, es den Museen wieder selbst zu überlassen, ob sie Eintritt kassieren möchten oder nicht. Und diese entschieden sich, das Geld von den Besuchern zu nehmen und für Ausstellungen auszugeben. So soll es auch bleiben, wenn die Regierung wie erwartet morgen bestätigt wird. Vor die Wahl gestellt, mehr Geld fürs laufende Budget zu haben oder mehr Besucher, wählen die meisten Museumsdirektoren ersteres. Gleichzeitig sagen mir viele, mit denen ich spreche, sie würden gerne sehen, wenn zumindest Sammlungsausstellungen gratis wären, am einfachsten ginge aber so etwas, wenn man von der Politik dazu gezwungen werde. Nun sind staatliche Museen schon hoch subventionierte Betriebe, warum nicht also noch ein wenig mehr drauflegen, um es auch den nicht Besserverdienenden leicht zu machen ohne vorher groß zu kalkulieren, ins Museum zu gehen.

Die Idee der Moderaten, es den Museen selbst zu überlassen, ob sie Eintritt nehmen oder nicht, ist verlogen, KulturPOLITIK sieht anders aus. In einem Segment, wo bewusst die Marktkräfte durch Subventionen verzerrt werden, kann ruhig eingegriffen werden. Gleichzeitig sollen die Museen sich natürlich darum bemühen, Besucher zu bekommen und bereit zu sein, Eintritt zu zahlen, ist natürlich auch eine Anerkennung für die Arbeit der Museumsmitarbeiter. Warum also nicht eine Variante wählen, die in Schweden in anderen Politikbereichen immer wieder diskutiert wird: die maxtaxa.

Maxtaxa ist ein staatlich vorgeschriebener Maximalbetrag, den Bürger für bestimmte staatliche Dienstleistungen wie Kindergartenplatz bezahlen. Angewandt aufs Museum würde das beispielsweise heißen: maximaler Eintritt pro Person 10 Kronen, pro Familie 30 oder pro Jahr 100. Auf geht`s.

Ein Gedanke zu “It’s the culture, stupid!

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