Noch schlechter macht’s nicht besser

KOPENHAGEN. Dänemarks Medien sind derzeit damit beschäftigt, die Geister loszuwerden, die sie riefen. Monatelang kritisierten sie Außenministerin Lene Espersen für ihre Amtsführung, ihre Abwesenheit bei internationalen Gipfeltreffen und ihr anschließend ungeschicktes Krisenmanagement. Doch jetzt, da kritische Stimmen auch aus dem Ausland kommen, suchen sie verzweifelt das Bremspedal. Schon vergangenen Mittwoch schrieb die Zeitung Politiken in ihrem Leitartikel, dass die Kritik an Espersen eine Eigendynamik entwickelt habe. Im Fernsehen derzeit der gleiche Tenor: Nun müsse aber auch mal wieder Schluss sein mit den inzwischen völlig überzogenen Attacken auf Lene Espersen. Ich sehe das ähnlich.

Nur: Dass der dänische Newsletter Mandag Morgen jetzt schreibt, Lene Espersens Vorgänger Per Stig Møller hätte ja noch bei viel mehr Spitzentreffen gefehlt (etwa bei jedem dritten EU-Gipfel), ist der falsche Weg, um von Espersens Verfehlungen abzulenken. Mit dem Finger auf Møller zu zeigen, der sich offenbar auf Gipfeltreffen noch entbehrlicher gemacht hat, lässt Espersen noch lange nicht in einem besseren Licht erscheinen.

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4 Gedanken zu “Noch schlechter macht’s nicht besser

  1. Das mit dem besseren Licht scheint Jan Køpke Christensen, konservativer Folketingskandidat, anders zu sehen. Er hatte heute in der Flensborg Avis einen Leserbrief, der sich ueber die so schlechte Behandlung von Lene Espersen seitens Danmarks Radio beschwert anstatt mal die Fakten zu checken, wer was wann ueber Lene E. berichtet, http://www.fla.de/?UNF=28&G=2db3. Er bezieht auf einen Zeitschriftenartikel zur Berichterstattung, habe aber die TV Avisen mit Elmar Jung anscheinend nicht selber gesehen, sonst wuerde er sich so sehr beklagen. Ich habe selber einen Leserbrief an die Flensborg Avis geschrieben, wo ich versuche, ein paar Dinge klarzustellen,

      1. Ich habe gerade mit Jan Køpke Christensen telefoniert und er hat gewissermassen eingestanden, dass er seinen Leserbrief am selben Tag (5.august9 geschrieben hat, ohne die weitere Entwicklung auf DRs Homepage abzuwarten, wo am 9.august unter „fejl og fakta“ die erste, fehlerhafte Ueberschrift auf deren Homepage korrigiert wurde.
        In meinem ersten Kommentar muss es heissen, „sonst wuerde er sich NICHT so sehr beklagen“.
        Jedenfalls ist mein Eindruck, dass die Steuersache von Helle Thorning-Schmidt rechtlich gesehen eindeutig schwerwiegender ist. Ob Lene Espersen ihre Sachepolitisch besser ueberstehen wird, bleibt abzuwarten.

      2. Danke für die Info.
        Das NICHT habe ich mir einfach dazugedacht.
        Ich glaube zwar auch, dass die Geschichte um Thorning-Schmidt rein formell gesehen rechtlich schwerwiegender ist. Dennoch wird es meiner EInschätzung nach zu keinen juristischen Konsequenzen kommen. Viel ernster für sie als Chefin der Sozialdemokraten ist die moralische Dimension, die ihrer politischen Karriere wirklich schaden könnte. Sie hat Glück, dass erst im nächsten Jahr Wahl ist und sie somit Zeit hat, die Sache einigermaßen vergessen zu machen. Was die Steuersache angeht, bin ich mir fast sicher, dass die Steuerbehörde in ähnlich gelagerten Fällen es bei einem Hinweis lässt und Gelegenheit gibt, die Sache selbst zu bereinigen. Der Meinung ist übrigens auch Politiken-Chefredakteur Tøger Seidenfaden (zugegebenermaßen den Sozialdemokraten eher nahestehend), der heuteabend im dänischen Fernsehen mit seiner Amtskollegin von Berlingske Tidende, Lisbeth Knudsen, diskutierte. Seidenfaden wollte um eine Kiste Rotwein wetten, dass die Steuersache für Thorning-Schmidt und ihren Ehemann rechtlich folgenlos bleibt.

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