Pflege a la Nathalie Djurberg

KRISTIANSTAD. Sie ist zurückgekehrt, in die schwedische Provinz. Nathalie Djurberg, 1978 in Lysekil in Westschweden geboren, in Malmö an der Kunsthochschule studiert, ist in den vergangenen Jahren zum Nachwuchstar der internationalen Kunstszene aufgestiegen. So ganz passt das Attribut Nachwuchs gar nicht mehr. Warum bei den Werken, die sie macht und den Orten, an denen sie ausstellt, nicht einfach anerkennen, dass sie unabhängig von ihrem Alter zu einer der interessantesten Künstlerinnen der Gegenwart gehört? Nun  sind elf ihrer Filme also den Sommer im Regionalmuseum in der kleinen südostschwedischen Stadt Kristianstad zu sehen, wo Museumschef Thomas Kjellgren und Kuratorin Claudia Schaper Nathalie Djurberg hin eingeladen haben. So häufig dürfte es nicht vorkommen, dass auf der Venedig-Biennale geehrte im Jahr drauf in diese kleine Institution kommen. Doch Kristianstad hat Glück. Und mit der Stadt die Besucher der Ausstellung.

Stillbild "Once removed on my mother's side" (2008). (Foto: Courtesy of Zach Feuer Gallery, New York and Giò Marconi, Milan.)
Stillbild "Once removed on my mother's side" (2008). (Foto: Courtesy of Zach Feuer Gallery, New York and Giò Marconi, Milan.)

Once removed on my mother´s side (2008) ist der Film in der Ausstellung, der mich am meisten beeindruckt hat (auch ihre Filme aus Venedig zeigt sie, aber ohne Installation). Eine schlanke junge Frau, nackt wie bei Nathalie häufig üblich, tänzelt im Zimmer umher, steckt dann einen Nachttopf unter die Decke des Bettes, das in der Ecke steht. Ein Berg von einem Menschen muss dort drin liegen verrät der enorme Bettdeckenhügel. Der Nachttopf wird gefüllt und wieder herausgezogen, mit sichtbarem Inhalt – kaum einer der Filme von Nathalie kommt ohne irgendwelche Körperausscheidungen aus, meist sind es Tränen oder Blut, manchmal wie hier eben auch etwas anderes. Der Berg von einem Menschen wird aus dem Bett gehievt und entpuppt sich als überaus kräftige Frau mit nur einer Hand und geschwollenen Füssen. Im Knien werden diese von der jungen Frau gesalbt. Die Alte schleckt sich die Creme laut von der Haut, die Junge macht unbeirrt weiter, kämmt ihr auch die Haare, wechselt dann die Bettwäsche und dreht die Matratze um. Zeit den Berg von einem Mensch wieder zu betten; ohne das ihr Unwillen anzusehen wären macht die Junge auch dies.

Doch dann, als die Alte sich wieder hinlegt, wird die schlanke junge Frau unter dem Berg von einem Mensch begraben. Sie opferte sich auf ohne Dank zu erfahren und wird nun also begraben. Es ist keine Bösartigkeit dabei von der Gepflegten, wahrscheinlich merkt sie es nicht einmal. Undankbarkeit ist der Arbeit Lohn passt auch nicht. Die dicke Alte kriegt wohl nicht mit, was mit ihr geschieht, kann nicht danken und es vielleicht nicht einmal wertschätzen. Pflege anno 2010.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s