Die Verschandelung einer Oper

Ästhetik beerdigt? Riesensarg vor der Oper von Oslo. (Foto: Bomsdorf)
Ästhetik beerdigt? Riesensarg vor der Oper von Oslo. (Foto: Bomsdorf)

OSLO. Oslo nähert man sich am besten vom Wasser her, mit der Fähre aus Kiel oder Dänemark in die norwegische Hauptstadt einfahrend. Schon eine halbe Stunde bevor das Boot am Terminal festmacht, ist die bescheidene Skyline vom Deck aus zu sehen. Im Hafengebiet sticht ein Gebäude hervor: Schneeweiß wie ein steinerner Eisberg liegt die Oper am Ufer. Das im Frühjahr 2008 eröffnete Gebäude hat für die ausgefallene Architektur des Büros Snøhetta viel Lob bekommen. Zu recht. Davor schwimmt seit einigen Tagen Monica Bonvicinis Skulptur „She lies“, die an Caspar David Friedrichs Gemälde „Das Eismeer“ erinnert.

So weit, so gut. Doch die Verschandelung steckt im Detail.
Als ich im Winter in Oslo war hatte man dünne Metallstangen in die Oberfläche der Oper gebohrt, um diese mit Ketten zu verbinden und so zu verhindern, dass die Besucher bei Winterwetter sich zu nah an Stellen wagen, die Schnee oder Eis hätte gefährlich machen können. Das mag notwendig sein, um Knöchelbrüche zu verhindern, aber ästhetisch war die Lösung fatal. Obwohl die Metallabsperrungen relativ dünn waren, verschandelten diese die Oper doch.

Gleiches beobachtete ich als ich im April wieder bei der Oper war. Diesmal stand vor dem Eingang eine Eisbude. Der freie Blick auf das imposante Gebäude wurde durch diesen Kasten versperrt. Da gönnt sich der norwegische Staat für mehrere hundert Millionen eine phantastische neue Oper und dann wird es verschandelt, um durch Eisverkauf ein paar tausend Kronen einzunehmen. Ich bin gespannt, was ich diesmal vor der Oper zu sehen bekomme, wenn ich mich gleich in die Stadt aufmache.

Aus diesem Anlass noch ein kurzer Hinweis auf meinen Text über den deutschen Siegerbeitrag für den Neubau des Nationalmuseums in Oslo (und den Streit ums neue Munch Museum), erschienen im Rheinischen Merkur und bei art. Und hier der Text zur Eröffnung der Oper, ebenfalls erschienen bei art.

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