Grattis, Stockholm!

KOPENHAGEN. Seit gestern ist es amtlich: Daniel Birnbaum wird der neue Direktor des Moderna Museet in Stockholm. Einen besseren Direktor kann die schwedische Kunstszene kaum bekommen. Birnbaum gehört zu jenen Spitzenkuratoren, die derzeit die größten Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst organisieren. Er war im vergangenen Jahr Direktor der Venedig Biennale und hat die soeben eröffnete Eliasson-Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau kuratiert. Birnbaum dürfte ohne Frage einer der am besten vernetzten Kuratoren für zeitgenössische Kunst sein, übertrumpft gerade einmal von Hans-Ulrich Obrist. Anders als der Schweizer wählte Birnbaum nicht die Option, Nummer zwei in einer der international absoluten Tophäuser zu sein, sondern geht lieber an das berühmteste Kunstmuseum seines Heimatlandes Schweden. Dort dürfte er der Kunstszene nicht nur aufgrund seiner besten Verbindungen ordentlich Schwung verschaffen, sondern auch wegen seiner intellektuellen Kapazität – Birnbaum hat lange die Städelschule geleitet, war früher Kunstkritiker und publiziert umfangreich wissenschaftlich und auch populär.

Zwei Kritikpunkte werden in Schweden gegen Birnbaums Ernennung vorgebracht: er ist Teil der klassischen Kunstelite und des entsprechenden Netzwerkes und werde nicht für allzu viel Neues sorgen. Doch es geht hier um das Museum für Moderne Kunst, keine alternative Ausstellungshalle, da sind seine Qualitäten sicherlich die richtigen. Linda Fagerström beklagt im schwedischen Helsingborg Dagblad, dass die Ernennung keine Überraschung sei, aber die schwedische Kunstszene gerade jetzt eine Überraschung brauche. Doch Überraschung um der Überraschung willen ist bei der Besetzung von Topposten so unangebracht wie Provokation nur um der Provokation willen in der Kunst. Fagerström bemängelt nicht nur, dass Birnbaum als einer aus dem Kreis der typischen Verdächtigen keine Überraschung sei, sondern auch, weil er ein Mann ist. Feminist, javisst – den schwedischen Ausspruch mag ich eigentlich, aber in diesem Falle wäre es falsch, Birnbaum eine Absage zu erteilen, nur, um unbedingt endlich eine Frau an die Spitze des Moderna zu wählen, auch wenn das prinzipiell sicher einmal an der Zeit wäre. Außerdem ist es kaum denkbar, dass Birnbaum auf ewig den Posten besetzen wird. In sechs Jahren soll dann eine Frau das Haus übernehmen, das er hoffentlich international so interessant macht wie einer der ersten Direktoren: Pontus Hultén.

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