Gleichstellung in der Häschenschule und im Passivhaus

KOPENHAGEN. Es ist nicht zu vermeiden, in Sachen Gleichstellung mal wieder verwundert nach Deutschland zu schauen. Nach einigen Wochen außer Landes kämpfte ich mich vor ein paar Tagen in meiner Kopenhagener Wohnung durch einen kleinen Stapel Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, der sich während meiner Abwesenheit angesammelt hatte. In einer Ausgabe ein Artikel über Passivhäuser – eigentlich nicht mein Thema.

Doch da ich kürzlich für die deutsche bauzeitung über Dänemarks Bestrebungen den Energieverbrauch bei Häusern zu senken geschrieben hatte, schaute ich mir die Seite doch genauer an und blieb bei einer schematischen Darstellung hängen. Wie funktioniert denn eigentlich so ein Passivhaus wurde da erläutert und ein einfaches Haus im Querschnitt abgebildet.

Häschenschulen-Passivhaus im Deutschland des 21. Jahrhunderts. (Foto: FAZ/Bomsdorf)
Häschenschulen-Passivhaus im Deutschland des 21. Jahrhunderts. (Foto: FAZ/Bomsdorf)

Gezeigt aber wurde noch viel mehr: Nämlich, wie die Rollenverteilung sich in deutschen Häusern denn so gehört. Rechts unten in der Küche also die Frau am Herd, im Raum links daneben vor dem Fernseher der Mann (nach dem Bier rufend?). Im oberen Stockwerk unter der Dusche, am Busen zu erkennen: Frau Nummer zwei (Tochter? Geliebte? oder einfach die Frau nach der Kocharbeit?). In deutschen Passivhäusern sollen Frauen also kochen und ihre Rundungen unter der Dusche zeigen während der Mann sich vorm Fernseher ausspannt (warum schaut er eigentlich nicht beim Duschen zu?). Sicher, auch hier oben im Norden ist in Sachen Gleichstellung noch einiges zu tun, aber solche klischeehaften Darstellungen sind doch aussagekräftig für Regionen südlich Nordeuropas.

Auf der ersten Seite einer FAZ am Sonntag ein kleiner Text zur Häschenschule. Das alte Bilderbuch wird in der Zeitung fortgeschrieben. Die alte Häschenschule wurde mit folgenden Worten erläutert: „Die Illustrationen stammen von Fritz Koch-Gotha (1877 bis 1956), der in seinen satirischen Zeichnungen das Kleinbürgertum der Zeit einfing: Die Mutter bleibt zu Hause, der Vater geht arbeiten, und in der Schule zieht der Lehrer seinen Schülern die Hasenohren lang.“

Lassen wir das Ohrenlangziehen und die aktuelle Debatte um Mißbrauch an deutschen Schulen einmal außen vor. Aber auch dann stellt sich die Frage: Ist nicht eigentlich die Passivhauszeichnung die  Bestätigung, dass Fritz Koch-Gothas Zeit noch lange nicht vorüber ist?

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