Tag der Abrechnung II auf Island

OSLO. Der heutige Montag, 12. April 2010, ist auf Island der Tag der Abrechnung. Im Laufe des Tages soll endlich der erste umfassende Bericht über die Hintergründe der Finanzkrise präsentiert werden. „Es wird das wichtigste Buch sein, das in diesem Jahr auf Island erscheint“, sagt der Journalist Klemens Thrastarsson. Auf dem Inselstaate hat eine solche Aussage besonderes Gewicht, lesen und schreiben die Isländer doch Bücher wie kaum jemand anderes.

Durch den 2000 Seiten starken Bericht hoffen die Isländer zu erfahren, welche ehemaligen Toppolitiker und obersten Staatsbediensteten sich schuldig gemacht haben – juristisch oder moralisch. Die Erwartungen sind diffus. Tryggvi Gunnarsson, einer der der Autoren des Berichts, hat im Januar gesagt, er sei bei seiner Arbeit den Tränen nahe gewesen.

Doch etliche Isländer meinen, es seien gezielt hohe Erwartungen aufgebaut worden, damit dann alle vom wirklichen Inhalt enttäuscht sind und zu dem Urteil kommen: „Die Verfehlungen der Politiker sind nur halb so schlimm“. Zudem gibt es Zweifel, wie unabhängig die Verfasser des Berichts überhaupt sind. „Das Untersuchungskomittee ist von der Regierung ausgesucht worden, die die Politik betrieben hat, die zum Kollaps führte. Das hat negativen Einfluss auf die Glaubwürdigkeit“, so die 54-jährige Isländerin Jakobína Ólafsdóttir. Damit die Öffentlichkeit der Aufklärungsschrift genug Aufmerksamkeit widmet, engagieren sich Privatinvestoren und Theaterleute. Mehr Details gibt es in dem Vorbericht den ich für Die Welt schrieb. Online hier zu lesen.

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