Stolz und Vorurteil (Ingibjörg Sólrún Gísladóttir 3)

REYKJAVÍK. Gísladóttir, ehemals sozialdemokratische Parteihefin und Außenministerin Islands, zählt zu den stärksten Verfechtern einer isländischen Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Auch unter Parteichefin und Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir ist die Sozialdemokratische Allianz offiziell für einen Beitritt zum Staatenbund. Doch Sigurdardottir bemüht sich nicht sonderlich darum, den Koalitionspartner Linksgrüne oder die isländische Bevölkerung in Sachen EU von den Vorteilen einer isländischen Mitgliedschaft zu überzeugen.

Ohne ihre Nachfolgerin beim Namen zu nennen, kritisierte Gísladóttir diese im Gespräch mit mir scharf, warf ihr in Sachen einer der wichtigsten politischen Fragen Untätigkeit vor. “Ich glaube nicht, ein Referendum würde dieser Tage für die Europäische Union ausfallen. Das könnte sich ändern, aber dann brauchen wir jemanden, der die Kampagne anführt und für den Beitritt kämpft, das macht aber derzeit niemand”, so Gísladóttir. Ihrer Meinung nach ware es sogar besser offen zu zugeben, dass die Mitgliedschaft derzeit keine Option ist und deshalb vorerst nicht angestrebt wird, als im derzeitigen Status zu verharren: Beitrittsverhandlungen und im Falle der Sozialdemokraten sogar die EU-Mitgleidschaft zu wünschen, aber nicht auch nur einen ernsthaften Schritt zu tun, um dem näher zu kommen.

Vielleicht setze sich niemand engagiert für den EU-Beitritt ein, aus Angst vor der Debatte. Schließlich sei das Klima auf Island derzeit negativ gegenüber allem Fremden. “Die Ausländer sind derzeit die bad guys”, so Gísladóttir. Das könne ernsthafte negative Konsequenzen haben, denn Island riskier die “besten Leute” zu verlieren. Schließlich würden diese nicht in einem isolierten Island leben wollen. “Wer sich die isländische Geschichte anschaut wird aber feststellen, dass es uns über die Jahrhunderte wirtschaftilch, kulturell und politisch stets am besten ging, wenn wir mit anderen kooperiert haben”, so die ehemalige Außenministern.

Das, was es in und auf Island gebe mit dem aus dem Ausland zu kombinieren, sei stets das Beste. “Es ist ein Fehler, überall zu kämpfen, wir sind ein kleines Land, dass viele Verbündete braucht.” So habe sich Island dumm verhalten als die Amerikaner vor einigen Jahren ihre Kampfflieger aus Island abziehen wollten. Zu verlangen, dass die USA vier Flieger stationiert lassen sollen, sei starrköpfig gewesen. Deutschland und Norwegen, so heißt es auf Island häufig, sollten nun die Länder sein, die als bevorzugte Partner in Frage kämen. Gísladóttir warnt jedoch davor, sich zu sehr auf einzelne Länder zu stürzen und andere außer acht zu lassen. Auch Norwegen habe manche Interessen, die den isländischen entgegen stünden. Gleiches gilt wohl für Deutschland.

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