Stig Tøfting und der deutsche Fußball

KOPENHAGEN. Ich bin nun schon seit einigen Wochen mit der Übersetzung von Stig Tøftings Fußballer-Biographie beschäftigt. Und so langsam kommt für mich der interessante Part, nämlich Stigs Zeit in der Bundesliga, genauer gesagt bei den Klubs HSV und MSV Duisburg. Besonders spannend fand ich die Passage über das denkwürdige (und für mich als Bayern-Fan – ja, ja, ich weiß – großartigste) Saisonfinale im Jahr 2001. Schalke 04 wurde trotz eines tollen letzten Spiels gegen Unterhaching nur Meister der Herzen, weil den Bayern gegen dem HSV in der Nachspielzeit durch einen Freistoßtor (danke an den Schweden Patrick Andersson) der Ausgleich gelang.

Nicht nur Schalkes damaliger Manager Rudi Assauer sondern auch ganz Fußballdeutschland (mit Ausnahme der Bayern-Fans natürlich) hielten das für eine schreiende Ungerechtigkeit. So auch Stig Tøfting. Im Zentrum seiner Kritik: Schiedsrichter Markus Merk, der über Gebühr nachspielen ließ und den Bayern einen indirekten Freistoß schenkte, der keiner gewesen sei. „Seitdem ist Markus Merk mein Hass-Schiedsrichter Nummer 1“, schreibt der gute Stig, der sich nach dem Spiel auch noch eine Geldstrafe vom DFB einhandelte, weil er eben diesen Markus Merk bedroht haben soll. „Scheißegal“, schreibt Stig. Merk habe das verdient.

Von seiner Zeit beim Arbeiterverein MSV-Duisburg blieb ihm vor allem das DFB-Pokalfinale 1998 gegen den FC Bayern in Erinnerung. „Jungs, genießt dieses Finale, ihr werdet das wahrscheinlich nicht noch einmal erleben“, sagte Duisburgs Trainer Friedhelm Funkel seinen Spielern vor der Partie in der Umkleidekabine. Damit hatte er wahrscheinlich nicht unrecht. Stig jedenfalls fand’s ehrlich. Überhaupt lobt er Funkel in den höchsten Tönen. Ein Trainer, der nicht nur etwas von der Marterie versteht, sondern auch den richtigen Umgang mit den Spielern pflegt. „Er war der wichtigste Grund dafür, dass ich rückblickend sehr gerne beim MSV war.“

Ansonsten pflegt Stig (leider) das Bild von den Dusel-Bayern, die mit einer guten Portion Arroganz ihr Programm auf zynische Art und Weise abspielen und dann meist mit Glück und unverdient gewinnen. Oliver Kahn kann er nicht leiden („Alleine seine Ausstrahlung kotzt mich schon an.“), und überhaupt sei Bayern keine Mannschaft, die ihre Gegner an die Wand spielt.

Ts-ts-ts. Da müssen wir wohl nochmal ein Wörtchen miteinander reden, Stig. Denn ich sehe das natürlich gaaanz anders.

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