Falling for Buildings

Anmutig auf der Anhöhe - Kirche von Stykkishólmur. (Foto: Bomsdorf)

STYKKISHÓLMUR. Ob griechische Sagen oder expressionistische Malerei – große Kunst zeichnet sich häufig dadurch aus, zeitunabhängige Gültigkeit zu haben. Etliche, Jahrzehnte alten Sketche der britischen Komikergruppe Monty Python sind in Zeiten der Finanzkrise und der Diskussionen um Meinungsfreiheit aktuell wie wenige andere. Und es ist sehr angenehm, dass Monty Python im Jahre neun nach „Nine-Eleven“ auf dem eigenen Youtube-Channel den Sketch „Falling from Buildings“ zeigt.

And now for something completely different. Charles Baudelaires Gedicht „A une passante“ (An Eine, die vorüberging) wird üblicherweise nicht als Huldigung an die Architektur gesehen und doch ist es mir heute zum zweiten Mal passiert, jenes Gefühl des Faszinosums, dass Baudelaire beschreibt, bei Architektur zu erleben. Ein Blitz…dann Nacht. Dich hätte ich geliebt, Du hast es geahnt.

Sich der neuen Kirche (1990) von Stykkishólmur nähernd, ist dieses. Das Gebäude hat eine unglaubliche Anziehungskraft, wie eine Erscheinung, zu schön, um wahr zu sein, thront es Sphinxengleich auf einer Anhöhe direkt am Meer. Vor acht Jahren war ich das erste Mal hier und auch diesmal gab es nichts: aus dem Wagen aussteigen und zunächst aus Distanz an der Kirche vorübergehen, in deren Bann gezogen. Dann langsam die Anhöhe erklimmen, dem Bauwerk nahezu verfallen, Falling for Buildings.

Ein Dank an die (isländische) Kirche für diesen faszinierenden Bau; und das zu Ostern.

Anders als Le Corbusiers Kapelle Notre Dame du Haut dürfte die Kirche von Stykkishólmur (zum Architekten Jón Haraldsson gibt es in der Architekturdatenbank Archinform leider nur einen Eintrag – nämlich eben Stykkishólmur) bisher nur für wenige Architekturbegeisterte ein Reiseziel gewesen sein. Das sollte sich trotz der aus Zentraleuropa etwas komplizierteren Anreise unbedingt ändern.

Island hat etliche architektonisch sehr interessante Kirchen. Wie andernorts auf dem Inselstaate auch, ließ man es sich in Stykkishólmur nicht nehmen, der Göttlichkeit des Gebäudes etwas irdische Banalität vorzusetzen: ein großer Parkplatz bildet die Freifläche vor der Kirche.

Ernüchterung, könnte aber schlimmer sein - der Parkplatz vor der Kirche von Stykkishólmur. (Foto: Bomsdorf)

Das zweite Gebäude, das eben jene Assoziation bei mir hervorrief, ist der Erweiterungsbau der Kunstakademie in München, passenderweise entworfen von Coop Himmelb(l)au. Dieses Gebäude verlangt den Versuch der Eroberung durch das Laufen über die vielen Brücken im Inneren. Doch besitzen kann man es nie.

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