Das Problem heißt Sahlin

KOPENHAGEN. Bei der anstehenden Parlamentswahl in Schweden im Herbst dieses Jahres haben die Sozialdemokraten gute Chancen, gemeinsam mit den Grünen und der Linkspartei das derzeit regierende liberal-konservative Bündnis unter Premier Fredrik Reinfeldt von den Schalthebeln der Macht zu verdrängen. In Umfragen liegt das linke Lager seit Monaten konstant vorne, und das Erstarken der rechtspopulistischen Schwedendemokraten könnte zu einem Linksruck weiter Teile der ohnehin in Schweden traditionell sozialdemokratisch geprägten Wählerschaft führen.

Zudem schwächeln die Bündnispartner des konservativen Regierungschefs. Zentrumspartei und Christdemokraten haben derzeit schwer zu kämpfen und müssen schauen, dass sie im Herbst überhaupt die für den Einzug in de Reichstag so wichtige 4-Prozent-Hürde nehmen. Vor allem die Zentrumspartei steht vor einer Zerreißprobe, ist sie doch Teil jener (auf den Bau neuer Kernkraftwerke hinauslaufenden) Atompolitik der Regierung, die ihr im Grunde genommen zutiefst widerstrebt.

Kurz: Die Chancen für das linke Lager stehen gut, im Herbst wieder die Regierung zu stellen. Doch es gibt ein Problem. Eine große Unbekannte, die den Erfolg auf der Zielgeraden noch zunichte machen könnte. Gemeint ist Mona Sahlin, die Vorsitzende der

Mona Sahlin Foto: Anna-Lena Ahlström

 Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens. Die 53-Jährige scheint bei der Bevölkerung nicht gut anzukommen. Wenn es um das Vertrauen in Politiker geht, sieht eine aktuelle Umfrage sie jedenfalls weit hinter dem amtierenden Premier Reinfeldt. 47 Prozent der Schweden haben in Reinfeldt sehr großes oder großes Vertrauen. Sahlin erreicht bei dieser Frage nur die erschreckend niedrige Quote von 19 Prozent.

Für das linke Lager ist das ein Problem. Für Mona Sahlin ist es ein noch größeres. Denn den schlechten Wert muss sich die Politikerin wohl ganz persönlich zuschreiben lassen. Das mangelnde Vertrauen in ihre Person liegt ja nicht am Programm ihrer Partei. Ein starker öffentlicher Sektor, eine große Machtfülle der Gewerkschaften, hohe Steuern als legitimes Mittel der Finanzierung: Damit können viele Schweden gut leben, weil diese Dinge in ihren Augen am besten dem Erhalt des Wohlfahrtstaates dienen.

Doch Sahlin kann die positiv gesehene Politik der Sozialdemokraten nicht für ihre eigene Person nutzen. Vielleicht liegt es an ihrer Art. Bei TV-Duellen mit Fredrik Reinfeldt wirken ihre Attacken doch manchmal sehr gewollt. Wenn Sahlin ihre Krallen ausfährt, dann kneift sie meist ihre Augen zusammen, so als wolle sie damit ihren Gegenüber erstarren lassen. Reinfeldt kann dann immer den Staatsmann geben, der sich nicht auf die Ebene Sahlins mit ihrer manchmal auch ins Persönliche gehenden Kritik herabbegibt. Sahlins Rethorik wirkt spaltend, Reinfeldts eher versöhnend. 

Vielleicht aber haben die Schweden auch noch nicht die sogenannte Toblerone-Affäre vergessen, in die Sahlin Mitte der 1990er Jahre verstrickt war und die sie damals als Nachfolgerin von Ingvar Carlsson als Parteivorsitzende der Sozialdemokraten unmöglich gemacht hat – obwohl sie zunächst die einzige Kandidatin für den Posten war. Doch Privateinkäufe auf Rechnung der Staatskasse und nicht bezahlte Strafzettel fürs Falschparken: Dinge, die nicht gerne gesehen werden. Im politisch korrekten Schweden mehr noch als andernorts.

Die Wähler jedenfalls tun sich schwer mit Sahlin. „Den Sozialismus als Ideologie finde ich ja gut. Aber Mona Sahlin… na ja. Sie sollte Platz machen für jüngere Politiker.“ oder „So sehr ich auch Sozialdemokrat bin. Doch eine Person wie Mona Sahlin an die Spitze einer schwedischen Regierung zu wählen, mit diesem Gedanken tue ich mich ganz ganz schwer.“ Nur zwei Foreneinträge, die zeigen: Das Problem heißt Mona Sahlin.

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