Mehr Steuern, bitte

KOPENHAGEN. Die Abgaben an den dänischen Fiskus sind hoch. Bei manchen könnte man noch sagen: „Nun gut, ist noch zu verkraften und wird in Deutschland wohl auch irgendwann der Fall sein.“ (25 Prozent Mehrwehrtsteuer) Bei anderen wird die eigene Steuerzahler-Seele doch schon arg gepeinigt. (Spitzeneinkommensteuersatz liegt bei 53 Prozent und gilt bereits ab einem Monatseinkommen von etwa 4000 Euro.) Und andere wiederum sind einfach nur noch wahnwitzig. (180 Prozent Extraabgabe auf Autos)

Mit ihrem Machtantritt 2001 schob die liberal-konservative Regierung unter Anders Fogh Rasmussen dem Ganzen einen Riegel vor und verfügte den sogenannten Steuerstopp. Sie fror die Steuersätze ganz einfach auf das Niveau von 2001 ein. Etwa 1,7 Milliarden Euro weniger hat der Staat bis 2006 deshalb eingenommen. Bis 2015 soll es noch einmal knapp 1 Milliarde an Mindereinnahmen sein.

Bisher hielt sich die Regierung trotz aller Verluste und klammer Kassen eisern an diese Regel. Kein Wunder, war doch der Lohn die zweimalige Wiederwahl. Doch im Zuge der Wirtschaftskrise hat sich die finanzielle Situation abermals verschlechtert, vor allem die der Kommunen. Aus der Ecke der Opposition waren deshalb schon öfters Rufe nach höheren Abgaben zu hören. Vor einigen Tagen dann kam das Versprechen von der sozialdemokratischen Oppositionsführerin Helle Thorning-Schmidt: „Sollten wir nach der nächsten Wahl 2011 an die Macht kommen, dann ist Schluss mit dem Steuerstopp.“

Dass das linke Lager neue und höhere Abgaben ankündigt, ist nicht sehr erstaunlich. Überraschend dagegen ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Fernsehsender TV2 und die Tageszeitung Politiken in Auftrag gegeben haben. 53 Prozent der Dänen halten es für eine gute Idee, den Steuerstopp zu beenden. Sie haben nichts gegen höhere Abgaben.

Ein Beispiel für das Grundvertrauen der Dänen (In Schweden und Norwegen ist es ähnlich.) in den Staat. Er wird schon das Beste mit meinem Geld machen. Der Staat, dein Freund und Helfer. Nicht dein Gegner, der nur versucht, dir einen Großteil deines Einkommens aus der Tasche zu ziehen. Geld, das dann sowieso nur irgendwo verschwindet, ohne sichtbaren Nutzen. In Deutschland würde wohl eher Helmut Kohl die Namen der Spender nennen oder Guido Westerwelle das Polemisieren gegen Hartz-IV-Empfänger aufhören, ehe sich eine Mehrheit der Bundesbürger bewusst für höhere Steuern ausspricht.

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