Nichts wie weg (aus Island); doch die Künstler sehen das anders

Zum Abflug bereit: Icleandexpress-Flieger am Gate. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Vor ein paar Tagen habe ich Island verlassen. Das machen auch immer mehr Isländer. Im vergangenen Jahr sind ungefähr 1,5 Prozent der Bevölkerung ausgewandert – Topwert in Westeuropa (mehr Fakten in meinem Kasten bei der Welt am Sonntag). Freizüggkeit des so genannten „Humankapitals“ ist wirtschaftlich eine gute Sache, gehen die Leute doch da hin, wo sie am meisten gebraucht werden und deshalb die höchsten Löhne erzielen. So jedenfalls habe ich es im VWL-Studium gelernt. Und wie so vieles, was ich dort gelernt habe, ist es nur unter diversen Annahmen richtig. Im Falle Islands beispielsweise bedeutet der Wegzug natürlich, dass dort die Arbeitslosigkeit vermutlich geringer ausfällt als wenn alle im Lande blieben. Doch je weniger im Lande sind, desto weniger können Steuern (denn auch Leute in Arbeit ziehen weg) zahlen und die enorme Staatsschuld abtragen. Verlassen zu viele das Land, droht ernsthaft der Staatsbankrott.

Für einen Text in der aktuellen Welt am Sonntag habe ich mit Auswanderungswilligen gesprochen und Experten gefragt, was dieser Trend fürs Land bedeuten kann. Online zu lesen ist die Geschichte hier (die Überschrift stammt übrigens nicht von mir).

Zum Abschied eine leise Knackwurst: Kiosk am Flugbusterminal in Reykjavík. (Foto: Bomsdorf)

Wieder einmal hat es sich ausgezahlt, die örtliche Kulturszene gut zu kennen. Denn dort verzeichnet Island eine Gegenbewegung, so sagte mir Dorothée Kirch, die neue (deutsche) Direktorin des Center for Icelandic Art. Künstler zieht es zurück in ihre Heimat Island. Das Klima für die nichtkommerziellen Kreativen sei seit dem Crash besser, die Leute mehr an nicht-monetären Dingen interessiert. Ein weiterer Grund ist oftmals, dass Künstler ihren Lebensunterhalt zu einem großen Teil mit isländischen Stipendien bestreiten. Die sind wegen des Verfalls der Krone nun im Ausland nur noch rund die Hälfte wert. Da wird selbst Berlin teuer.

Die Rückkehr der Kreativen jedenfalls dürfte dem Land Hoffnung machen, schließlich liegt in dem Bereich Islands Stärke und es wäre nicht das erste Mal, das Künstler Geselschaft, Politik und Wirtschaft eines Landes einen Schub verpassen können. Fehlt nur noch, dass Olafur Eliasson sein Atelier von Berlin nach Reykjavík verlegt.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s