Talk to me, Johanna!

REYKJAVÍK. Immer wieder gerne schaue ich mir Peaches Video „Talk to me“ an – vor allem der energiegeladenen Musik und des exzellenten Clips wegen, doch auch der Text hat etwas.

Nun musste ich mal wieder dran denken. Denn wie viele andere nicht-isländische Kollegen auch, würde ich allzugerne einmal die isländische Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir interviewen. In der Situation, in der sich ihr Land befindet, dürfte die Regierungschefin dem Ausland eigentlich einiges zu sagen haben, z.B. zu Icesave oder dem EU-Beitrittsgesuch.

Ihr Bedürfnis danach aber geht gegen Null. Im vergangenen Jahr habe ich mehrfach um ein Interview gebeten und stets (wenn überhaupt) eine Absage als Antwort erhalten. Anderen Journalisten erging es ähnlich. Einmal begegnete ich Sigurdardottir (hier in der FTD ein Porträt von mir über sie) live auf einer Pressekonferenz. Die an sie auf Englisch gerichtete Frage leitete sie ohne ein Wort an die Presse an ihren Stellvertreter Finanzminister Steingrimur Sigfusson weiter, der in gutem Englisch antwortete.

Nun ist es ein offenes Geheimnis, das Fremdsprachen gelinde gesagt nicht gerade die Stärke der isländischen Regierungschefin sind. Aber muss sich Sigurdardottir in dieser Lage der ausländischen Presse verweigern? Wäre es nicht ihre Aufgabe, dem Ausland die Situation des Landes zu erklären und das nicht allein den sprachbegabten Mitgliedern der Regierung zu überlassen? Wozu gibt es Dolmetscher? Jeder ausländische Journalist hätte Verständnis, wenn sie sich dieser Hilfe bedienen würde, um ein Interview zu bestehen.

Gerade als deutscher Journalist könnte ich das verstehen, schließlich haben wir in Deutschland mit Helmut Kohl 16 Jahre einen Kanzler gehabt, der ein ähnliches Problem hatte und dass der deutsche EU-Kommissar (!) Günther Oettinger schlechter Englisch spricht als ein Sechstklässler ist hochnotpeinlich.

Auch verständlich, dass sie nicht mit jedem sprechen könnte, aber ein großes Medium je zentralem Land, das hätte wohl in den vergangenen zwölf Monaten machbar sein können.

Gestern kam vom isländischen Außenministerium nun eine Mail, in der u.a. folgendes stand:

„The Prime Minister, Mrs. Johanna Sigurdardottir, will hold a press conference for foreign journalists in Iceland tomorrow, Friday, at 13:30.“

Eigentlich sollte ich um diese Zeit produzieren, will aber mein Bestes tun, dort zu sein.  Schließlich kommen auch Dolmetscher. Talk to me, Johanna!

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