Jetzt redet Johanna

Johanna (ganz klein und in der Mitte) umgeben von ausländischen Journalisten. (Foto: Bomsdorf)

REAYKJAVÍK. Um es gleich zu Anfang zu sagen: Ja, ich habe eine Frage an die isländische Premierministerin Jóhanna Sigurdardóttir stellen können und sie hat mir auch geantwortet. Beim Fall Icesave handle es viel um Kommunikation, auch mit den Bürgern Großbritanniens, der Niederlande und großer EU-Länder wie Deutschland. Hätte sie da nicht besser handeln können, in dem sie für ausländische Medien zugänglicher gewesen wäre?, so meine Frage.

„Wir können immer besser darin sein zur Öffentlichkeit zu sprechen“, so die Regierungschefin. Sie sei viel mit ihren Kolleginnen in Großbritannien, den Niederlanden, den nordischen und anderen Ländern in Kontakt gewesen, habe mit Gordon Brown und anderen gesprochen, fügte sie hinzu.

Das ist sicher gut und wichtig, aber sind die Regierungen und der Niederlande nicht vor allem deshalb so hart, weil sie bei Ihrer Bevölkerung punkten wollen? Wäre es also nicht ein kluger Zug von Sigurdardóttir gewesen sich direkt – in dem Falle über die nationalen Medien – an die Bevölkerung der jeweiligen Länder zu wenden? Was hat die isländische Regierungschefin für ein Verständnis von Öffentlichkeit?

Während der Pressekonferenz erklärte sie, dass sie prinzipiell für mehr direkte Demokratie sei. Und dann kommuniziert sie nur mit den Regierungschefs der Länder, mit denen ihres im Streit liegt, kümmert sich aber nicht um die öffentliche Meinung in den Niederlanden und Großbritannien (das zumindest wären die wichtigsten Länder).

Natürlich hat ein kleines Land wie Island nicht einen solchen PR-Apparat wie Großbritannien, umso wichtiger wäre gewesen offen zu kommunizieren, auch in diesem komplizierten Fall. Isländische Banker und Politiker haben in den Jahren vor der Krise viel Mist gemacht, dann ist das Land besonders von Großbritannien sehr schlecht behandelt worden. Island hätte der internationalen Öffentlichkeit die eigene Situation gut erklären können und so mehr Verständnis bekommen. Die Chance aber hat Sigurdardóttir verspielt. Auch das könnte den Isländern teuer zu stehen kommen.

Immerhin: die moderne Öffentlichkeit scheint Sigurdardóttir nicht fremd – bei Facebook gibt es ein Profil von ihr.

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