Willkommene Degradierung oder Kultur freut sich auf Per Stig

KOPENHAGEN. Wenn ein Politiker vom Posten als Außenminister auf den des Kulturministers versetzt wird, so ist das eine Degradierung ersten Grades. Wenn dieser Politiker aber Literaturwissenschaftler ist, dann kommt es eher dem gleich, einem verdienten Diplomaten nach langjähriger Amtszeit auf einen angenehmen Posten in einem schönen Land zu versetzen, eine Belohnung also für harte Arbeit.

Per Stig Møller hat bei der dänischen Regierungsumbildung vom 23. Februar (über die Elmar hier schon geschrieben hat) eben jenen Wechsel mitgemacht – er führt fortan das Ministerium für Kultur statt für Äußeres an. Und dürfte damit zu jenen Spitzenpolitikern gehören, die aus ihrem Bereich die meisten Vorschusslorbeeren erhielten.

Die eher links dominierte Kulturszene Dänemarks kriegte sich vor Freude kaum ein als sie davon erführ, dass Per Stig Møller von der Konservativen Volkspartei (K) neuer Kulturminister werden soll. Endlich einer, der nicht nur Gesetzbücher liest und sich auch für anderes Theater als das politische interessiert!

Vorgängerin Carina Christensen war in der Kulturszene ein graues Mäuschen, Vorvorgänger Brian Mikkelsen hat sich vor allem durch den Kulturkanon einen Namen gemacht: Er ließ die wichtigsten dänischen Kulturobjekte verschiedener Kunstarten krönen und in einem Buch zusammenfassen – nationalkonservativer geht es nimmer. Zugleich war der Kulturkanon auch ein Instrument, um dänische Kultur schlagkräftig im Ausland zu vermarkten. Dass Møller als ehemaliger Außenminister die Kultur für Nationbranding-Zwecke mißbrauchen könnte, das ist denn auch eine Befürchtung, die es trotz des vielen Lobes gibt.

Aber hat der 1942 geborene das nötig? In dem Alter wird er wohl kaum mehr darauf setzen als Regierungschef Karriere zu machen und einen Staatspräsidenten gibt es in der Monarchie Dänemark nicht und eines der absoluten Topministerien hat er bereits unter sich gehabt. Neben seinem fachlichen Schwergewicht spricht also auch seine relative politische Unabhängigkeit dafür, dass er einen guten Job machen wird. Wenn er nicht doch auch im neuen Job mehr Außen- als Kulturminister sein möchte. Denn eins hat Møller der Zeitung Politiken schon gesagt: „Ich kann sie nur enttäuschen.“ und damit meinte er die hohen Erwartungen, die in ihn gesetzt werden.

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