Auch Kunstmessen sind eine Kunst

STOCKHOLM. Großbürgerlich – wenn man Stockholms Erscheinen mit nur einem Attribut beschreiben möchte, sollte es dieses sein. Die Straßen sind weiter, die Häuser imposanter als in den anderen nordischen Hauptstädten, die Parks großzügiger und die Autos nobler (das wiederum liegt vor allem daran dass das Autoland Schweden auf PKW keine Sondersteuer erhebt – genutzt hat es auch nichts).

Galerist Bo Bjerggaard an seinem Stand auf der Kunstmesse Market, im Hintergrund Werke von Erik Steffensen. (Foto: Bomsdorf)
Der viele Schnee, der derzeit in Stockholm die Wege, Straßen, Häuser, Bäume und Autos bedeckt, verleiht dem Ort noch mehr Würde. Zur alljährlichen Kunstmesse reiste ich über das verlängerte Wochenende an. Wie in den Jahren zuvor, fand die Hauptmesse Market in den Räumlichkeiten der Kunstakademie im ehrwürdigen Gebäude in der Fredsgatan 12 statt. Das im selben Haus eines der berühmtesten Restaurants der Stadt ansässig ist, spricht für den Stil beider Lokalitäten. Doch was die Messe in der Kunstakademie bot, war leider teilweise enttäuschend. Störend war nicht so sehr die Kunst als viel mehr deren Präsentation.

Denn statt den Ausstellern und Werken den nötigen großbürgerlichen Raum zu lassen, herrschte kleinbürgerliche Enge. Die Messestände waren so klein und die Aussteller wollten so viel zeigen, dass die schmalen Gänge behängt wurden und manchmal jeder Quadratzentimeter der Ausstellungsfläche irgendwie genutzt wurde. Nichts gegen Sankt Petersburger Hängung, aber auf der Messe sah es zum Teil eher aus wie in der Posterabteilung von IKEA, nur das statt Grünpflanzen um die Ecke Skulpturen standen.

Der schöne, schlichte Messestand von Galerie Riis mit einem Werk von Troels Wörsel (Foto: Bomsdorf)
Glücklicherweise hatten längst nicht alle Aussteller ein schlechtes Händchen bei der Hängung, aber doch zu viele. Löbliche Ausnahme waren beispielsweise die Galerien i8 aus Reykjavik und Bo Bjerggaard aus Kopenhagen, die zwar etliche Werke von Olafur Eliasson (i8) bzw. Per Kirkeby, Erik Stefensen und Eve Sussman (Bo Bjerggaard) zeigten, aber nicht der Versuchung der Überfrachtung unterlagen. Am würdigsten aber präsentierte Riis aus Oslo. Nur die hintere Wand des rechteckigen Messestandes war behangen – mit einer die Wand fast komplett ausfüllenden Arbeit von Troels Wörsel. Der Galerist selber hingegen war weit und breit nicht zu sehen. Das hatte Größe.

Was es wo auf der Messe noch zu sehen gab, wieviel auf der Zweitmesse Supermarket los war und wieso die Polizei auf der Drittmesse Art Anglais Wein beschlagnahmte, steht hier in meinem Text bei art online.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s