Bye, bye, Iceland

KOPENHAGEN. Die Kunst hat es mal wieder vorweggenommen. Noch vor dem Ausbruch der Krise kuratierte der umtriebige Direktor des Akureyri Kunstmuseum die Ausstellung „bye, bye, Iceland“ – gelesen werden konnte das bewusst auch als „buy, buy, Iceland“, schließlich hatte der Konsumismus seinen Höhepunkt erreicht. Dem alten Island wurde damals schon auf Wiedersehen gesagt.

Nun über ein Jahr nach dem großen Bankenkollaps, zeigt sich, dass das „bye, bye“ ganz wörtlich zu nehmen ist: die Isländer verlassen in Scharen ihr Land. Ungefähr 1,5 Prozent der Bevölkerung haben im vergangenen Jahr dem Inselstaat den Rücken gekehrt, das entspricht 4835 Personen und damit einer so großen Abwanderung wie nie zuvor. Ein paar mehr Details gibt dieser Text von mir in der Welt. Je mehr das Land verlassen, desto weniger bleiben auf den Staatsschulden sitzen, d.h. die pro Kopf Belastung wird höher. Immerhin: die Bevölkerung ging um weniger als 1,5 Prozent zurück, dazu trug auch dabei, dass den Isländern der Glauben an die langfristige Zukunft nicht ganz vergangen ist: das Land hat weiterhin eine Geburtenrate, die weit über europäischem Durchschnitt liegt.

Was die Kunst angeht, so hat die wirtschaftliche Misere natürlich auch Auswirkungen auf die isländische Szene, mehr dazu schrieb ich bereits vor einiger Zeit in The Art Newspaper.

Dennoch: Wer Island und die dort lebenden Menschen kennt, befürchtet nicht, dass es bald Land unter heißt. Weil das Ausbildungssystem nicht so allumfassend ist wie in Westeuropa oder den USA haben schon immer einige Isländer zwischenzeitlich ihr Land verlassen, auch um andernorts zu arbeiten. Doch viele kehrten zurück, denn Island lässt kaum jemanden los, zu speziell ist das Land und seine Landschaft. Gut vorstellbar also, dass viele derjenigen, die jetzt die Flucht ergreifen, später wieder zurückkommen. Darüberhinaus sei bei der ganzen Schwarzmalerei daran erinnert, dass der Inselstaat trotz allem noch relativ gut da steht: die Arbeitslosigkeit hat noch längst nicht jene Werte erreicht, wie man sie beispielsweise aus Spanien kennt, in Sachen Staatsverschuldung haben Länder wie Italien viel länger schon Probleme und die isländische Bevölkerung ist überdurchschnittlich jung und überdurchschnittlich gut ausgebildet – gute Voraussetzungen den Schlamassel gemeinsam bewältigen zu können. Jedenfalls, wenn nicht das Schreckensszenario eintritt: nur diejenigen bleiben, die andernorts keine Chance haben- Aber das ist kaum zu befürchten – s.o. .

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