Platonisch & Ceausescu

Ismar Cirkinagics Modell des "Ministry of Love" (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. George Orwells „1984“ zählt zu den Klassikern der Schullektüre. Als ich auf das Gymnasium ging, kamen wir allerdings zu dem Schluss, dass uns in Zukunft eher eine „Schöne neue Welt“ im Stile von Huxley drohe als der Orwellsche Totalitärstaat (Neil Postman lässt grüßen). Bei Orwell ist das „Ministry of Love“ zentraler Bestandteil des staatlichen Repressionsapparates. In Kopenhagen hat der aus Bosnien stammende Künstler Ismar Cirkinagic zusammen mit den Architekten von a-lab aus Oslo das „Ministry of Love“ geschaffen. Das Modell (s. Foto), das in der Kunsthalle Skt. Nikolaj zu sehen ist, erinnert in seiner Massivität und Symmetrie an den Palast des rumänischen Diktators Ceausescu. Cirkinagic zeigt auch Teile der Eingangspartie des Baus, die er im Originalmassstab in die Kunsthalle baute. Gegenüber des grauen Palastes erheben sich deshalb graue Stufen, doch statt in den Palast zu führen, enden diese kurz unter der Decke. Die meisten Besucher werden diese überdimensionierten Stufen sicher andächtig emporsteigen. Während des Eröffnungsabends aber ließen sich die Ausstellungsgäste auf den Stufen nieder – eine Szene als würden sie sich um Platon scharen – und genossen dort ihr Bier. Das war kein wir amüsieren uns zu Tode.  Cirkinagics Arbeit ist die erste in einer dreiteiligen Serie, die Orwells düstere Zukunftsversionen noch weiter fortschreiben will, nämlich bis ins Jahr 2090.  Am kommenden Donnerstag, 4. Februar, spricht er um 17 Uhr in der Kunsthalle Skt. Nikolaj über seine Arbeit.

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