Quite an American in Louisiana

KOPENHAGEN. Lange Haare, schlaksiger Körper der sich in jenem schwunghaft langsamen Tempo bewegt, das auch der Haschichsrausch hervorruft, den unteren Teil des Bartes zu einem Zopf gebunden – Jacob Holdt sieht aus wie der ehemals idealtypische Däne. Der Däne aus längst vergangenen Zeiten, als das Land noch das linksliberalsoziale Paradies wurde, in dem die Frauen oben ohne rumliefen, Haschischhandel geduldet wurde und die Olsen-Bande sowie Bildpornographie die größten Exportschlager waren. Die Zeiten sind längst vorbei, mittlerweile wird die ehemalige Hippiehochburg Christiania ständig von der Polizei durchsucht, selbst bei der Sozialistischen Volkspartei ist ein harter Kurs angesagt und die Jubiläumsausgabe der Olsen-Bande-Filme wird verramscht.

In Jacob Holdt aber hat sich das alte Dänemark bewahrt. Der Fotograf bereist seit Jahrzehnten die USA, hat gegen den Vietnamkrieg demonstriert und die unterste (vor allem) sowie oberste (weniger) Schicht der USA mit seiner Kamera dokumentiert. Die Mittelschicht, aus der Dänemark zumindest ökonomisch auch heute noch vor allem besteht, ließ er nahezu außer acht, schließlich interessierte ihn nicht, was er schon von zu Hause kannte. Stattdessen: Prostituierte, Ku Kux Klan-Mitglieder, Drogenhändler, Gewaltverbrecher, Jet Set. Seine Bilder zeigte er auf Vortragsreisen und in Magazinen, das Kunstmuseum Louisiana vor den Toren Kopenhagens hat ihm erstmals eine Einzelausstellung gewidmet. Schnappschussästhetik prägt die Bilder, Holdt ist den Leuten nahe gekommen, wie nahe, erfährt nur, wer seine Texte zu den Werken liest. Er war mit vielen der Abgebildeten befreundet – auch Ku Kux Klan-Mitgliedern (denn, so Holdt, „ich habe nie böse Menschen getroffen, aber viele, die zu schaden gekommen waren“) – und hatte die ein oder andere Fotografierte mal zu Freundin.

Ein wenig erinnern seine Aufnahmen an die Portraits von Nan Goldin, doch Holdt erzählt mit seinen zugehörigen Texten mehr konkrete Geschichten, ist halt doch mehr Fotograf als Künstler. Während viele seiner Bilder als einfache Abbildung des Amerika-Klischees durchgehen könnten, geben die zugehörigen Geschichten diesen und den Menschen darauf einen anderen Wert. Holdt ist den Leuten wirklich nahe gekommen, deshalb ein Grund die Ausstellung in Louisiana zu besuchen.

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