Burka oder nicht Burka

KOPENHAGEN. Durch die dänischen Medien geistert seit vergangener Woche eine Zahl: 3. In ganz Dänemark gibt es drei Frauen, die Burka tragen. Das nämlich ist Ergebnis einer Studie der Kopenhagener Universität. Und so brachten die Medien diese Zahl einhellig (hier Jyllands-Posten, die die ersten waren). Konservative Politiker wollen in Dänemark gerne das Burka-Verbot einführen. Die Untersuchung aber zeigt, dass das vielleicht nicht das dringendste Thema ist, sondern vor allem ein populistischer Zug.

Nun braucht man nicht als Sohn eines Statistikers geboren zu sein, um sich darüber zu wundern, wie die Wissenschaftler unter 5,5 Mio. Dänen genau jene 3 Frauen ausmachen konnten, die Burka tragen. Das übliche Verfahren wäre eine Hochrechnung gewesen, aber mit einer solchen wäre eine so genaue und auch noch so niedrige Zahl wohl nicht auszurechnen gewesen. Die dänische Presse kümmerte das wenig, die 3 Burka tragenden Frauen waren vielzitiert und wurden nicht hinterfragt. Dann kam allmählich heraus, dass die Zahl natürlich auf Schätzungen von Experten mit engem Kontakt zu muslimischen Frauen beruhte. Sicher eine akzeptable Methode, wenn statt der 3 verkündet worden wäre „es gibt in Dänemark nur sehr wenige Muslime, die Burka tragen, Schätzungen lauten auf unter zehn“. Dann nämlich wäre jedem Leser klar gewesen: So genau weiß es keiner.

In Auftrag gegeben hatte die Studie übrigen der Burkaausschuss der Regierung. Nun heißt es seitens der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (die übrigens die liberal-konservative Minderheitsregierung stützt) der Bericht müsse genauer untersucht werden, schließlich passt die Zahl 3 nicht zum Schreckbild der Partei. Sobald es um das Thema Islam geht, scheint bei Politikern und Journalisten ein Automatismus  ausgelöst zu werden. Beide wollen das Thema so schnell wie möglich ausschlachten und da wird schonmal vergessen, erst darüber nachzudenken, wie seriös eigentlich das Ergebnis einer Untersuchung ist.

Naser Khader, muslimischer Politiker der Konservativen und nach der Veröffentlichung der so genannten Mohammedkarikaturen einer der wichtigsten Protagonisten in der Diskussion (damals noch als Mitglied der linksliberalen Radikale Venstre) ist einer derjenigen, die das Burkaverbot fordern. Morgen, Dienstag, 19.01.2010 um 21 Uhr, diskutiert er bei CNN.

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