Klima, Kunst und Kopenhagen

KOPENHAGEN. Klima, Klima, Klima – in Kopenhagen ist kein Entrinnen. Der am heutigen Montag beginnende Klimagipfel COP15 ist schon seit Monaten auf Bussen, in Zügen, auf Taxen und und und angekündigt worden. In letzter Zeit bekomme ich täglich gefühlte 23 500 Pressemitteilungen und –einladungen, die mit dem Klimagipfel zu tun haben, Elmar berichtete hier kürzlich Ähnliches. Die neuen Elektro-Renaults soll ich ebenso probefahren wie den Tesla, mir die Bürgermeister anschauen, die sich zum eigenen Klimagipfel treffen ebenso wie die Kinder. Gleich eine Hand voll der bedeutendsten Museen locken mit Klimaausstellungen. Mal mehr mal weniger deutlich wird die Kunst in den Dienst genommen, um auf den drohenden Klimawandel aufmerksam zu machen. Nicht ganz unwichtig dabei ist auch, Kopenhagen zu Markte zu tragen. Zu den zurückhaltenderen Ausstellungen gehört „The world is yours“ im Kunstmuseum Louisiana vor den Toren Kopenhagens:

Vier Worte prangen in Leuchtbuchstaben auf dem Museumsdach: „The world is yours“. Gardar Eide Einarssons Werk hat der aktuellen Großausstellung mit zeitgenössischer Kunst den Titel gegeben. Die Welt gehört Dir wird für gewöhnlich als „Du hast alle Möglichkeiten“ verstanden. Die Kuratoren von Louisiana und ihre 24 Künstler jedenfalls nutzen sie.

Gleich im ersten Raum endlich einmal ein Eliasson, der begeistert. Der Island-Däne attackiert mehr als nur den Sehsinn. Hinter einer schweren Tür in einer auf minus zehn Grad gehaltenen Kältekammer steht sein für BMW hergestelltes Werk „Your mobile expectations: BMW H2R“. Das Fahrzeug ist kaum zu erkennen, eine filigrane Eisstruktur umschließt es – ein ästhetischer Genuss. Beim Eintreten gibt es einen Kälteschock. Das Objekt visuell wahrnehmend kommt die Erkenntnis: hier hat Eliasson BMW ein Schnippchen geschlagen. Er ist kein Futurist, der der Schnelligkeit des Automobils huldigt. Nein, Eliasson zeigt, dass diese Art der Fortbewegung – auch wenn wasserstoffbetrieben – von gestern ist, als stamme sie von vor der letzten Eiszeit. „The world is Yours“ hat er sich wohl gedacht: Nimm die Chance wahr, die BMW dir bietet, und zeig den Autobauern, was Sache ist.

Das alle Träume haben, illustriert die Chinesin Cao Fei. Sie filmt monoton in einer chinesischen Osram-Fabrik arbeitende Arbeiter. Dann treten die gleichen Menschen plötzlich als Tänzer oder Sänger auf – sie haben für Fei gezeigt, dass sie mehr als Fabrikmenschen sind. Die dänische Künstlergruppe Superflex zeigt in einem Film, wie ein McDonald’s Restaurant langsam überflutet wird. Auch die Überflussgesellschaft ist unsere Welt. Wie der Titel verspricht, gibt die Ausstellung Einblicke in die Tendenzen unserer Zeit.

Das Museum verlassend hat man Garde Einar Einarssons Leuchtbuchstabensatz „The world is Yours“ im Rücken. „The world is Yours“ ist eben auch eine Mahnung, die man im Hinterkopf haben sollte: Die Welt gehört Dir, mach was draus!

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