Du durchsuchst gerade das Tag-Archiv des 'Utøya Tags.

KOPENHAGEN. Verständlicherweise dürfte wohl nirgendwo mehr über den Prozess gegen Anders Behring Breivik berichtet werden als in Norwegen, auch die anderen nordeuropäischen Länder beschäftigen sich sehr viel damit. Für das Deutschlandradio Kultur habe ich heute morgen am internationalen Pressegespräch genau  zu diesem Thema teilgenommen, hier als MP3 nachzuhören.

KOPENHAGEN. Dienstag in zehn Tagen (16.4.) beginnt in Oslo der Prozess gegen Anders Behring Breivik, der am 22. Juli in Norwegen 77 Menschen ermordet hat. In der Hauptstadt zündete er eine Bombe und auf der Insel Utøya mordete er mit Schüssen. Die 21-jährige Siri Marie Sønstelie war dabei und hat überlebt. Gemeinsam mit ihrem Vater, dem Journalisten Erik Sønstelie, schrieb sie das Buch “Jeg lever, Pappa” (Ich lebe, Papa) über ihre Erlebnisse auf der Insel und in den Monaten danach. Eine deutsche Übersetzung liegt noch nicht vor, für das Magazin Focus habe ich Siri Marie  Sønstelie aber schon einmal vor dem Prozessauftakt interviewt und zu Rachegefühlen, Verarbeitung des frausamen Erlebnisses und dem Leben nach den Morden befragt. Erhältlich nur in der gedruckten Ausgabe des Focus, erschienen am 6.4. .

Im Gespräch sagte Siri Marie immer wieder Sätze wie “Daran denke ich nicht viel” oder “Darüber versuche ich nicht nachzudenken”, ihre Sprache ist nüchtern, distanziert; das ist ihre Art mit dem Geschehenen umzugehen. Sie hat ein Buch über das Attentat und ihr Leben danach geschrieben.  Obwohl auch das relativ nüchtern verfasst ist, sind ihre Schilderungen sehr nahe gehend. Was sie, ihre Familie und viele andere im ansonsten so friedlichen Norwegen erlebt haben, ist so grausam gewesen, dass es nicht ausgeschmückter, lebendiger Schilderungen bedarf, um den Leser mitfühlen zu lassen. Auch nüchtern vorgetragen sind die Fakten genug.

KOPENHAGEN. Die norwegische Band a-ha spielte kürzlich beim Gedenkkonzert für die Opfer der Terrorattacken in Norwegen am 22. Juli. Eigentlich hatte Magne F., wie sich Magne Furuholmen von a-ha als bildender Künstler nennt, am morgigen 1. September mit einer Einzelausstellung die neue Galerie Stolper + Friends in Oslo eröffnen wollen. Die Arbeiten, die er dort zeigen wollte, nahmen Ausgang in einem Krankenhausaufenthalt und waren teilweise auf Leinen von Krankenhausbetten gemalt. Dies so kurz nach dem 77mal tödlichem Terror von Norwegen zu zeigen, hielt der Künstler für unpassend und sagte die Schau ab. Stattdessen wird nun eine Damien Hirst Ausstellung die Galerie eröffnen. Statt Hai in Formaldehyd gibt es friedlichere Schmetterlingsbilder zu sehen. Hier dazu mein Bericht bei The Art Newspaper.

KOPENHAGEN. Bevor es ein paar Tage zu Recherchen nach Island geht noch ein Hinweis auf das Interview, dass ich mit Thorvald Stoltenberg geführt habe, dem ehemaligen Minister und dauerhaften Vater des norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg. Wir saßen einen Nachmittag im Wohnzimmer seiner Wohnung, wo er auch die Bombenexplosion gehört hatte, und sprachen über Familie, Terror, nordische Werte und Drogen. Die online Version des Gesprächs ist hier bei Focus online zu lesen.

OSLO. Die Nachrichten, die ich am 22. Juli und in den Tagen danach aus Norwegen vernahm, waren schrecklich. Die Ankunft in Oslo am Montagnachmittag machte mir die Trauer einmal mehr deutlich, aber auch wie gut die Norweger damit umgehen. In Trauer geeint trifft es wohl gut. Überall Blumen und Gedenktexte (wie auf dem Bild vor der Osloer Domkirche). Für die aktuelle Ausgabe des Focus habe ich ein Porträt über Jens Stoltenberg geschrieben, daneben vor allem am ersten Wochenende nach der Tat etliche weitere Artikel, Radio- und Fernsehinterviews, die online nicht zu haben sind.

Blumenmeer vor dem Dom in Oslo. (Foto: Bomsdorf)

Blumenmeer vor dem Dom in Oslo. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg hat angekündigt sein Land solle noch offener und demokratischer werden. Wie offen haben sich das Land und die ganze Region Nordeuropa bisher gegeben und wie wird es weitergehen? Erste Gedanken dazu in meiner Agenda-Seite mit Lorenz Wagner in der heutigen Financial Times Deutschland (komplett derzeit nur nach Registrierung zugängig).

Seit Freitagnachmittag war ich ständig im Einsatz, um Hörfunk und Fernsehen meine Einschätzungen zu geben und für Printmedien zu schreiben. Große Tragödien rufen immer nach viel Berichterstattung, wichtig ist dabei, dass die Qualität erhalten bleibt. Wenn Vermutungen ausgesprochen werden, muss jedem Leser, Hörer und Zuschauer klargemacht werden, dass es sich nur um Vermutungen handelt und  Journalisten dürfen gerne auch einmal sagen: “Dazu kann ich zu diesem Zeitpunkt nichts sagen”. Den Ausspruch hat man von mir dieser Tage sicher häufiger gehört, doch Unwissenheit zuzugeben gehört zu professionellem Journalismus, Tatsachen zu behaupten ohne zu wissen, ob sie stimmen hingegen nicht.

KOPENHAGEN. Als gestern Nachmittag auf meinem Mobiltelefon die Meldung einer Bombenexplosion in Oslo auftauchte saß ich gerade beim Kaffee und las das Feuilleton. Das Grauen kam wie so oft unvermittelt. Immerhin sah es zunächst so aus als habe Norwegen das viel zitierte Glück im Unglück gehabt und eine zweistellige Zahl von Toten sei nicht eingetreten – die Bombenexplosion war nicht nur in der Ferienzeit geschehen, sondern auch noch am Freitagnachmittag, Norweger aber nehmen sich freitags häufig schon recht früh frei.  Dann kam die Meldung über Schüsse im Sommerlager der Jugendorganisation der Sozialdemokraten. Sie erschien auf der Startseite der Homepages norwegischer Medien, die Bombenexplosion blieb lange aber größer – schließlich waren die medialen Ressourcen vor allem damit beschäftigt. Womöglich hat sich das auch der Attentäter gedacht und die erste Explosion auch als Ablenkungsmanöver für die Polizei gedacht.

Schnell war die Befürchtung in den Medien, es handele sich um einen Terrorakt mit islamischen Hintergrund. Nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters – des 32jährigen Norweges Anders B. – sieht es anders aus. Er hat wohl einen rechten Hintergrund und in Internetforen gegen die freie Gesellschaft gewettert. Es gibt noch keine offizielle Aussage zu seinen Motiven. Doch ist eins festzuhalten: Ob islamistische oder rechte Terroristen – eins haben sie gemeinsam: sie sind Feinde der offenen Gesellschaft.

Premierminister Stoltenberg hat deutlich gemacht, dass er an der offenen Gesellschaft festhalten möchte, ja sie noch offener und noch demokratischer machen möchte. Ähnlich äußerte sich schon der schwedische Premier Fredrik Reinfeldt nachdem sich in Stockholm kurz vor Weihnachten ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hatte.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.