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KOPENHAGEN. Ursula von der Leyens Voucher-Modell, das sozial schwachen Familien statt Bargeld zweckgebundene Sachleistunggutscheine zukommen lässt, stößt nicht überall auf Gegenliebe. Die CSU etwa will Hartz-IV-Empfänger nicht bevormundet wissen und meint, “Wir brauchen keinen Super-Nanny-Staat”, der Bezieher von Transferleistungen unter den Generalverdacht stelle, nicht ordentlich für ihre Kinder zu sorgen. Um die Kritiker zum Verstummen zu kriegen, griff die Bundesarbeitsministerin darauf hin in die vermeintliche Trickkiste und verwies in diesem Zusammenhang auf Schweden. Dort sei das Modell schon seit Jahren erprobt, tönte von der Leyen. Ihr Kalkül: Was für das schon fast notorische Vorbildland Schweden gut ist, kann für Deutschland keinesfalls schlecht sein. Nur blöd, dass dort das Gutschein-Modell nahezu unbekannt ist. Jedenfalls ließen Recherchen von Clemens und mir keinen anderen Schluss zu.

Nun ist es nicht so, dass in Schweden überhaupt nicht mit dem von Milton Friedmann entwickelten Voucher-Modell gearbeitet wird. Nur eben nicht in der Sozial- sondern in der Bildungspolitik. Staatlich finanziert werden dort damit die vielen Privatschulen, die in Schweden nichts kosten. Schulgebühren sind verboten, trotzdem wollte 1992 die liberal-konservative Regierung unter dem damaligen Premier und heutigen Außenminister Carl Bildt private Bildungseinrichtungen zulassen. Durch die beschlossene Schulreform bekamen sogenannte Freischulen pro Schüler von den jeweiligen Kommunen einen Betrag zugewiesen, der sich mit dem für eine staatliche Schule deckte. Privat oder kommunal: Beide müssen mit den gleichen Finanzen auskommen. Den Eltern bleibt es freigestellt, ob sie ihre Kinder auf eine kommunal oder eben auf eine Privatschule schicken. Zahlen müssen sie so oder so nichts.

Das System ist ein für Schweden typischer Mittelweg, weil es einerseits den Weg zu einer zeitgemäßen weil Konkurrenz fördernden Bildungspolitik öffnet, andererseits durch die staatliche Finanzierung der sozialen Segregation entgegenzuwirken versucht. Zugegeben: Was in der Theorie so wunderbar klingt, nämlich dass Kinder aus allen sozialen Schichten Privatschulen besuchen können, ist in der Praxis dann doch nicht so. Laut einer Untersuchung der zentralen Schulebehörde kommen 75 Prozent der Kinder, die auf Privatschulen gehen, aus Familien mit höherem Einkommen und akademischen Hintergrund. Auch scheinen Privatschulen als solche nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein, befindet sich Schweden doch bei den Pisa-Studien seit einiger Zeit auf dem absteigenden Ast und muss Klassenprimus Finnland mit seinen fast ausschließlich staatlichen Bildungseinrichtungen immer mehr davonziehen lassen. Dennoch: Das schwedische Modell in der Schulpolitik ist interessant und könnte auch etwas für Deutschland sein.

Wenn man schon unbedingt Schweden als Vorbild bemühen will, dann sollte man eben auch wissen, in welchem Bereich. Vielleicht kann Ursula von der Leyen ihrer Kollegin Annette Schavan ja einen kleinen Tipp geben. Die dürfte für Anregungen aus dem Ausland dankbar sein.

Wie das schwedische Modell funktioniert, habe ich in der letzte Ausgabe der Welt am Sonntag erklärt, zu lesen auch online.

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