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HAMBURG. Es ist keine Beleidigung, das Werk des Dänen Poul Gernes (1925 bis 1996) mit nur einem Wort zu charakterisieren: farbenfroh. Allein schon deshalb ist es eine gute Wahl, die bisher größte Gernes-Werkschau im Herbst, wenn Grau den Hamburger Himmel dominiert, in die Deichtorhallen einziehen zu lassen. Auch die Örtlichkeit ist bestens gewählt, denn Gernes braucht Platz – vor allem nach oben. Der klassische White Cube sperrt seine starken Farben ein. Die Deichtorhallen mit ihrer enormen Deckenhöhe hingegen ermöglichen die Entfaltung.

Streifen und Objekte - Installationsansicht der Gernes-Schau in den Hamburger Deichtorhallen. (Foto: Bomsdorf)

Streifen und Objekte - Installationsansicht der Gernes-Schau in den Hamburger Deichtorhallen. (Foto: Bomsdorf)

Gernes Arbeiten befreien sich in Hamburg sozusagen aus ihrem Cocoon. Darum ist es auch interessant zu sehen, wie oder besser gesagt wie eingeschränkt dessen Arbeiten in einem der hinteren Räume funktionieren, die mit ihrer niedrigen Deckenhöhe einem klassischen Museumsraum entsprechen. Deichtorhallen-Direktor Dirk Luckow, Kurator der Ausstellung, zeigt beides und natürlich auch einige weniger bunte Arbeiten von Gernes, inklusive seine berühmten Fotos von nackten Gesäßen auf Glasplatten platziert.

Gernes hat auch viele udsmyknings-Aufträge angenommen. Üblicherweise wird das dänische udsmykning mit “Kunst am Bau” übersetzt, doch in seinem Fall ist die wörtliche Übertragung ins Deutsche, also der Ausdruck “Ausschmückung”, passender. Denn, was Gernes an und in einigen Gebäuden in Dänemark, aber auch Deutschland gemacht hat, ist mehr als Kunst am Bau in Form an einer site specific installation. Gernes malte zum Beispiel das Krankenhaus im Kopenhagener Vorort Herlev von Innen an, auch eine Schule in Vesterbro und das Palads Kino – um einmal nur ein paar Projekte aus der Hauptstadtregion zu nennen.

Matisse auf Dänisch? - Riesenvorhang in der Gernes-Schau, davor: seine Tochter Ulrika vor viel Vernissage-Publikum. (Foto: Bomsdorf)

Matisse auf Dänisch? - Riesenvorhang in der Gernes-Schau, davor: seine Tochter Ulrika vor viel Vernissage-Publikum. (Foto: Bomsdorf)

Das Kino zeigt aber auch, wie schnell Gernes Idee kippen kann. Es ist ein schreiend bunt angemalter Bau mitten in Kopenhagen. Was wie ein Hundertwasserhaus Leben in die triste Ecke des Stadtzentrums bringen könnte, wirkt wie die Hochburg einer platten Vergnügungsmaschinerie weil ein Kino mit viel Werbebedarf in dem Gebäude residiert und versucht Gernes bunte Farben mit riesigen Reklamen zu übertrumpfen.  Aber immer noch origineller als die üblichen Cinemaxx-Bauten. Für die Oktober-Ausgabe von art schrieb ich eine Vorschau über die Ausstellung, mittlerweile auch online zu lesen und zwar hier.

Die Ausschmückungs-Arbeiten sind in Hamburg auf einem Bildschirm präsent, sollten aber unbedingt live gesehen werden. Wie gut, dass die Deichtorhallen gleich am Hamburger Hauptbahnhof liegen, so sind es von dort aus mit der Bahn nur ein paar Stunden zu den noch größeren Arbeiten von Gernes. Im Übrigen werden die Kunsthallen Malmö und Lund die Retrospektive aus Hamburg im kommenden Jahr übernehmen und das Museum für Kunst im öffentlichen Raum im dänischen Køge wird dessen udsmyknings-Projekte dokumentieren.

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