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KOPENHAGEN. Dänemark hat seit einem Jahr wieder eine sozialdemokratisch geführte Regierung. Ein Zeitabschnitt, um eine erste Bilanz zu ziehen. Genau das tut die den Sozialdemokraten eigentlich recht nahe stehende Zeitung Politiken heut gleich dreifach. Im Leitartikel (den ich leider nicht online finden konnte) wird vor allem positiv bewertet, wie sich das politische Klima verändert habe. Mit Hetze gegen Einwanderer sei seit dem Amtsantritt von Helle Thorning-Schmidt und ihrer Minderheitsregierung aus Sozialdemokraten, linksliberaler Radikale Venstre (RV) und linker Socialistisk Folkeparti (SF) nicht mehr zu punkten. Das, so kann ich bestätigen, ist ganz klar zu spüren. Die Rechtspopulisten von der DF können in der öffentlichen Debatte kaum mehr punkten, gleiches gilt für deren Einfluss auf die Regierungspolitik (die konservativ-liberale Vorgängerregierung war noch auf die Partei angewiesen und räumte ihr entsprechend viel ein).

 

Zum einjährigen hier eine Übersicht der Artikel, die ich für die Welt zu Thorning-Schmidt schrieb (und auch wenn der oberste dem Titel nach nach Gesellschaftsressort aussehen mag, geht es letztlich um eine hochpolitische Geschichte, nämlich die vermutlich üblen Machenschaften der Vorgängerregierung, um den Machterhalt nicht durch politisches Programm, sondern Schädigung des Gegners zu erreichen).

Mette Østergard meint, die Politik habe sich in diesem Jahr völlig verändert und weist vor allem daraufhin, dass die Arbeitsmarktpolitik eher liberal als links reformiert wurde. In einem längeren Artikel schließlich erklärt der auch in Deutschland bekannte Autor Carsten Jensen warum er meint die neue Regierung tauge nichts und warum es nicht nur mit der Linken, sondern auch der Demokratie bergab gehe. Ironischerweise gibt er dafür auch den Medien die Schuld, weil diese die Politik (auch der Vorgängerregierung, was die Skandale angeht sogar vor allem dieser) nicht investigativ genug untersuchen. Doch auch Jensen übt sich vor allem in Schelte und setzt sich wenig mit konkreter Politik auseinander.


KOPENHAGEN. Bernhard Schlink verzeiht mir hoffentlich die Anlehnung an seine Titel-Serie bei der Überschrift hier, aber es passt einfach zu gut. Denn, was Karikaturisten (und sicher auch Journalisten) immer wieder erleben, ist Zensur und was sie immer mal wieder ausübern, ist Selbstzensur. Die so genannte Mohammed-Krise vor bald sieben Jahren und deren Folgen sind da nicht der einzige Fall. Schon vorher und nachher gab und gibt es Fälle, wo die Presse den Mächtigen nicht passt (Christian Wulffs peinlicher Anruaf beim Bild-Chefredakteur gehört dazu) – es geht längst nicht nur um die Verletzung religiöser Gefühle.

Ein neues Buch des dänischen Journalisten Anders Jerichow gibt weltweite Beispiele von der gefährdeten Meinungsfreiheit der Karikaturisten. Ohne die Mohammed-Krise ist wäre das Buch nicht entstanden, diese kommt in “Karikaturisten im globalen Minenfeld” so der etwas sperrige Titel auch vor, doch ebenso ältere und aktuellere Fälle aus SSüdafrika, Dänemark, den USA, Indonesien und diversen anderen Ländern (Deutschland fehlt übrigens). Für Die Welt habe ich Jerichow in Kopenhagen besucht, hier der zugehörige Artikel in der online Version.


KOPENHAGEN. Selbstbespiegelung ist in den nordischen Ländern recht ausgeprägt, zumindest auf kollektivem Niveau. Wenn im Ausland über das eigene Land berichtet wird, ist das fast immer eine Schlagzeile wert. Schwedische Medien berichteten sogar in eigenen Artikeln, dass der Selbstmordattentäter vom Dezember in Stockholm international auf Interesse stieß – es schien als sei man stolz darauf.

Es muss wohl an einem gewissen Minderwertigkeitskomplex liegen, wenn jedes bisschen Aufmerksamkeit gleich zu einem Jauchzen führt. Aus einem großen Land mit (glücklicherweise) wenig Nationalstolz kommend, ist mir das ziemlich suspekt. Noch suspekter muss das wohl Chinesen sein. So wie Chinesen über Berlin oder München als Großstadt nur lächeln können, beschäftigen sie sich vermutlich auch nicht damit, dass ihr Land mal wieder irgendwo im Ausland in einer Zeitung steht.

Ingar Dragset vor "When a Country feels in love with itself", Kopenhagen 2008. (Foto: Bomsdorf)

Ingar Dragset vor "When a Country feels in love with itself", Kopenhagen 2008. (Foto: Bomsdorf)

Dänemark hat es mal wieder geschafft: “Anerkendt britisk avis laver hyldestguide til Danmark” (etwa: “Anerkannte britische Zeitung bringt lobpreisenden Dänemark-Führer”) titelt die online Ausgabe der linksliberalen Tageszeitung Politiken und schreibt voller Selbstzufriedenheit, wie toll die britischen Reisejournalisten Dänemark fänden (wenngleich sie über Rassismus klagen, auch das bleibt nicht unerwähnt). The Guardian hatte die entsprechenden Texte veröffentlicht. Wer dem Link dorthin folgt, kann das englische Original lesen.

Letztlich handelt es sich um nichts Weiteres als die klassische typische recht unkritische Reisetippberichterstattung. Aber so wie sich viele Schauspieler, die den Zenit überschritten haben oder jene, die nie die Spitzenliga erreicht haben, über jeden oberflächlichen positiven Artikel über sie freuen, mag er auch noch so substanzlos sein, so ist es wohl mit manch kleinen Ländern – Hauptsache man kann den Eindruck erwecken, wahrgenommen zu werden. Manchmal ist so etwas – bei Staaten wie bei Schauspielern – tragisch zu nennen. Dabei haben die Länder hier oben wie viele andere auch doch so interessantes zu bieten, warum also jedes bisschen Aufmerksamkeit aufbauschen wie ein Profilneurotiker? Vor drei Jahren präsentierte das dänisch-norwegische Künstlerduo Elmgreen und Dragset auf der U-Turn Quadriennale (die dann doch ein Einmalereignis blieb) das Werk “When a country falls in Love with itself” – sie stellten einen Spiegel vor dem dänischen Wahrzeichen Kleine Meerjungfrau auf.

Dies nicht aus Eitelkeit, sondern für diejenigen, die mehr lesen möchten: Für die online Ausgabe von art schrieb ich damals einen Artikel über U-Turn – zu lesen hier, im Interview, das ich im Herbst 2010 mit Elmgreen und Dragset für The Art Newspaper führte, sprechen sie auch über die Selbstbezogenheit Nordeuropas (wobei, was Michael Elmgreen hier sagt auch für Deutschland gelten dürfte – weniger für die seriöse Presse, aber die Bevölkerung als solche, dazu ein aktueller Text von Claudius Seidl aus der FAZ am Sonntag) – komplett nur in der gedruckten Ausgabe, ein Ausschnitt deshalb direkt im Blog:

TAN: Your works When a Country Falls in Love with Itself and Han clearly refer to the Little Mermaid. Ai Weiwei has also been influenced by Copenhagen’s famous sculpture. Why is it so appealing to tourists and artists?

ME: National symbols are always fun to investigate and work with. They tell us about national identity.

TAN: In Sweden, the new right-wing political party in parliament—the Sweden Democrats—argues against supporting non-figurative art. How do you feel, as Scandinavians, hearing that?

ME: It is totally out of touch with reality—the most conservative non-progressive art may be abstract art. But I’m not part of that society anymore: I am an emigrant, I moved somewhere else. I don’t lose sleep about tendencies in Scandinavia. It worries me more that three million people are homeless because of the flooding in Pakistan.


KOPENHAGEN. Die Szenerie vor dem Fenster erinnert an eine
moderne Adaption von Brueghels Winterlandschaften (d.J. oder
d.Ä. je nach Wahl), um 18 Uhr wird die Neujahrsansprache der
dänischen Königin im Fernsehen übertragen, eine Stunde danach die
der deutschen Kanzlerin.

Tøger Seidenfaden bei seiner Neujahrsansprache 2010 (leider<br />
schaffte er es bei jedem Screenshot die Zähne zu zeigen).
Tøger Seidenfaden bei
seiner Neujahrsansprache 2010 (leider schaffte er es bei jedem
Screenshot die Zähne zu zeigen).

An Selbst- und
Sendungsbewusstsein nicht arm, lässt auch Tøger Seidenfaden es sich nicht
nehmen, eine eigene Neujahrsansprache zu halten und das vor den
anderen. Der Chefredakteur der linksliberalen Zeitung Politiken
erzählt darin vom Rekordresultat seines Blattes (wie Merkel die
Überwindung der Krise den Bürgern mitzuschreibt, so dankt
Seidenfaden den loyalen Lesern), lobt Obama und kritisiert -
natürlich – die amtierende liberal-konservative Regierung. Das alles hier. Seidenfaden macht eine
gute Zeitung, keine Frage. Gleichzeitig bin ich froh, nebenher die
deutschen Blätter lesen zu können, denn wirklich feuilletonistische
Debatte beispielsweise wird in Dänemark leider kaum geführt. Der
Wirtschaftsteil von Politiken ist auch mit der noch recht frischen
Kooperation mit der Financial Times sehr dürftig und über den
Reiseteil wollen wir gar nicht erst sprechen. In Wirtschaftsdingen
ist die Berichterstattung in anderen dänischen Medien umfangreicher
als bei Politiken, die anderen Ressorts nehmen sich nicht viel. Im
Kulturressort müssen sich die anderen Blätter m.E. geschlagen
geben. Gleichzeitig werden bei Politiken und im Norden generell in
Sachen Fotojournalistik und Layout sowie oftmals in interessant
aufgemachter innenpolitischer Berichterstattung Massstäbe gesetzt.
Aber das soll ja jetzt keine Neujahrsansprache werden. Guten
Rutsch!

 


KOPENHAGEN. Dänemarks Regierung will gegen die “Ghettos” vorgehen und so Integration stärken – das schrieb ich bereits in der Welt. Fast dreißig Wohngebiete in Dänemark wurden zu Ghetto-Gebieten erklärt, auf Deutsch würde man dazu wohl Problembezirke sagen. Staatsminister Lars Løkke Rasmussen hat dafür viel Ärger bekommen, u.a. von den Bewohnern dieser Wohngegenden. Sie fühlten sich stigmatisiert. Dieser Tage machte der dänische Ministerpräsident sich nun selber in ein “Ghetto” auf, um sich mit den dort lebenden zu treffen. Er reiste nach Askerød - kein wirkliches Kleinod. Die linksliberale Zeitung Politiken war mit und hat von dem Ortstermin auch einen Film erstellt - wer kein Dänisch kann, dem bleiben die langweiligen Sprecherkommentare erspart, ein paar der Bilder sind aber sehenswert.


 

Berlin, Berlin - der Kulturteil von Politiken in den vergangenen Tagen. (Foto: Bomsdorf)

Berlin, Berlin - der Kulturteil von Politiken in den vergangenen Tagen. (Foto: Bomsdorf)

 

KOPENHAGEN. Dass die Dänen ganz wild auf die deutsche Hauptstadt sind, ist mittlerweile nicht mehr neu und natürlich sind sie auch nicht die einzige Ausländergruppe, die ihre Freude an Berlin hat. Angeblich aber sind die Dänen diejenigen, die in den vergangenen Jahren am meisten Zweitwohnungen in Berlin gekauft haben. Das wirkliche Großstadtleben zog sie an, die Kultur, die Party. Doch die ist jetzt vorbei. Das mutmasst zumindest die Zeitung Politiken, die seit Tagen eine kleine Reportermannschaft aus Berlin berichten lässt.

Als ich vergangene Woche dort war, habe ich nicht diesen Eindruck gehabt und meine dänischen Freunde und Bekannte, die Zweitwohnungen in Berlin haben, haben diese auch noch nicht verkauft. Warten wir es also ab und hören zwischenzeitlich nochmal ein dänisches Lied über die deutsche Hauptstadt. Nordstrøm mit “Berlin”.
Darin heißt es unter anderem „I vintertunge dyner/Ved Alexanderplatz/Vender mine syner/I en uendelig nat/Du sender hede bølger/Med Nordens kolde vind“ („In winterschweren Decken/Am Alexanderplatz/Wenden sich meine Blicke/Iin eine unendliche Nacht/Du sendest heiße Wellen/Mit dem kalten Wind des Nordens“). Nachzulesen in dem Artikel, den ich über die Berlin-Begeisterung der Dänen für die Welt schrieb – im Februar 2007.


KOPENHAGEN. Dänemarks Medien sind derzeit damit beschäftigt, die Geister loszuwerden, die sie riefen. Monatelang kritisierten sie Außenministerin Lene Espersen für ihre Amtsführung, ihre Abwesenheit bei internationalen Gipfeltreffen und ihr anschließend ungeschicktes Krisenmanagement. Doch jetzt, da kritische Stimmen auch aus dem Ausland kommen, suchen sie verzweifelt das Bremspedal. Schon vergangenen Mittwoch schrieb die Zeitung Politiken in ihrem Leitartikel, dass die Kritik an Espersen eine Eigendynamik entwickelt habe. Im Fernsehen derzeit der gleiche Tenor: Nun müsse aber auch mal wieder Schluss sein mit den inzwischen völlig überzogenen Attacken auf Lene Espersen. Ich sehe das ähnlich.

Nur: Dass der dänische Newsletter Mandag Morgen jetzt schreibt, Lene Espersens Vorgänger Per Stig Møller hätte ja noch bei viel mehr Spitzentreffen gefehlt (etwa bei jedem dritten EU-Gipfel), ist der falsche Weg, um von Espersens Verfehlungen abzulenken. Mit dem Finger auf Møller zu zeigen, der sich offenbar auf Gipfeltreffen noch entbehrlicher gemacht hat, lässt Espersen noch lange nicht in einem besseren Licht erscheinen.

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