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STOCKHOLM. Schon vor zwei Jahren hat die schwedische Malerin Hilma af Klint für ein wenig Aufsehen gesorgt. Es geht darum, wie die Zeitgenossin Wassily Kandinskys von der Kunstgeschichte weitgehend ignoriert wurde und wird. Obwohl sie womöglich vor Kandinsky abstrakt zu malen angefangen hat, taucht sie in der offiziellen Kunstgeschichte üblicherweise nicht auf. Dazu schrieb ich im Frühjahr 2011 einen Text für art online (der hier zu lesen ist). Die dort angekündigte Ausstellung ist Mitte Februar in Stockholm eröffnet worden. Ich habe sie mir angeschaut und die aktuelle Diskussion für The Wall Street Journal. zusammengefasst. Dazu interviewte ich Iris Müller-Westermann, Kuratorin der Ausstellung im Moderna Museet, Julia Voss, Kunstkritikerin der FAZ, Felix Krämer, Leiter der Moderne im Städel und Leah Dickerman, die eine aktuelle Abstrakte Kunst-Ausstellung im MoMa in New York kuratiert hat. Mein Text hat dann das schwedische Aftonbladet dazu veranlasst zu schreiben, af Klint würde die Kunstszene der USA erschüttern. Nunja, ein wenig übertrieben. Trotzdem noch ein Hinweis auf meine aktuelle Besprechung der Ausstellung – erneut bei art online.
STOCKHOLM. Gerade ging in Stockholm wieder das Kunstmessenwochenende zu Ende. Wie gewohnt fand am Samstag auch die Galeriennacht statt. Neu aber war, das Moderna Museet von Freitagabend um 19 Uhr bis Sonntagabend um 19 Uhr geöffnet hatte – 48 Stunden am Stück also. freq_out hieß die Veranstaltung, die auf Klangkunst setzte und schon einmal in u.a. Brüssel und Berlin veranstaltet worden war. Freitagnacht ging es recht ruhig zu im Museum – zu ruhig für ein Fest, aber dann doch zu laut, um sich auf die Musik zu konzentrieren.
Sonntagvormittag hingegen war bestens für den Gang in den Musikbereich des Moderna.Denn dann war es richtig leer und das Tageslicht draußen ließ ohnehin nicht an Party denken. Doch anders als wohl gewünscht nahm ich auch die Musik nur am Rande wahr. Stattdessen stand der Raum im Mittelpunkt. Der erste, in rotes Licht getauchte Raum wirkte sehr sakral. Nach dem Eintreten steht der Besucher einer weißen Wand gegenüber, die komplett leer ist, keine Skulptur steht davor, kein Bild hängt daran, stattdessen ist sie einfach in rotes Licht getaucht und vielleicht weil das für ein Museum so ungewöhnlich ist, halte ich kurz inne und blicke dann an der Mauer nach oben. Der Ausstellungsraum ist kein rechteckiger White Cube, sondern an der Decke ist ein Oberlicht angebracht und die Decke läuft nicht parallel zum Boden, sondern spitz auf dieses Oberlicht zu. In etwa so wie ein Kirchturm von Innen, nur flacher. Zu sehen ist das auch, wenn man hinter der Wand mitten im Raum steht. Dort, wo ein paar leere Sofas und Teppiche „zum Verweilen einladen“ wie es immer so schön heißt. Der Kunstraum ähnelt einem Kirchenraum und verleitet vielleicht zu mehr Kontemplation als wenn dort immer nur Bilder gezeigt werden.
Bei art gibt es einen ausführlicheren Bericht von mir zu freq_out.
KOPENHAGEN. Die FAZ macht im Feuilleton gerne Politik. In den vergangenen Wochen war das vor allem in der Atomkraft-Debatte zu beobachten. Frank Schirrmacher schien die Grünen und die argumentierenden (nicht blockierenden) Castor-Gegner abhängen zu wollen.
Was die Kunst angeht, ist immer wieder Ähnliches zu beobachten. Kürzlich besonders ausgeprägt wie Julia Voss für die schwedische Künstlerin Hilma af Klint warb. Die soll 2013 in einer großen Ausstellung im Moderna Museet in Stockholm gewürdigt werden. Voss nun meint, dass die außer in Fachkreisen nahezu unbekannte af Klint den nahezu allen bekannten Wassily Kandinsky vom Thron stoßen werde und solle. Und zwar von jenem Thron, den Kandinsky innehabe, weil er angeblich das erste abstrakte Gemälde der Kunstgeschichte erstellt habe. Doch was ist dran?, fragten nicht nur die FAZ-Leser sich, sondern auch ich (womöglich parteiische) af Klint-Experten wie Ulf Wagner, außerdem Moderna-Direktor Daniel Birnbaum und natürlich Voss und versuche bei der online Ausgabe des Kunstmagazins art die Hintergründe etwas zu erläutern (hier mein Text).
KOPENHAGEN. Seit gestern ist es amtlich: Daniel Birnbaum wird der neue Direktor des Moderna Museet in Stockholm. Einen besseren Direktor kann die schwedische Kunstszene kaum bekommen. Birnbaum gehört zu jenen Spitzenkuratoren, die derzeit die größten Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst organisieren. Er war im vergangenen Jahr Direktor der Venedig Biennale und hat die soeben eröffnete Eliasson-Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau kuratiert. Birnbaum dürfte ohne Frage einer der am besten vernetzten Kuratoren für zeitgenössische Kunst sein, übertrumpft gerade einmal von Hans-Ulrich Obrist. Anders als der Schweizer wählte Birnbaum nicht die Option, Nummer zwei in einer der international absoluten Tophäuser zu sein, sondern geht lieber an das berühmteste Kunstmuseum seines Heimatlandes Schweden. Dort dürfte er der Kunstszene nicht nur aufgrund seiner besten Verbindungen ordentlich Schwung verschaffen, sondern auch wegen seiner intellektuellen Kapazität – Birnbaum hat lange die Städelschule geleitet, war früher Kunstkritiker und publiziert umfangreich wissenschaftlich und auch populär.
Zwei Kritikpunkte werden in Schweden gegen Birnbaums Ernennung vorgebracht: er ist Teil der klassischen Kunstelite und des entsprechenden Netzwerkes und werde nicht für allzu viel Neues sorgen. Doch es geht hier um das Museum für Moderne Kunst, keine alternative Ausstellungshalle, da sind seine Qualitäten sicherlich die richtigen. Linda Fagerström beklagt im schwedischen Helsingborg Dagblad, dass die Ernennung keine Überraschung sei, aber die schwedische Kunstszene gerade jetzt eine Überraschung brauche. Doch Überraschung um der Überraschung willen ist bei der Besetzung von Topposten so unangebracht wie Provokation nur um der Provokation willen in der Kunst. Fagerström bemängelt nicht nur, dass Birnbaum als einer aus dem Kreis der typischen Verdächtigen keine Überraschung sei, sondern auch, weil er ein Mann ist. Feminist, javisst – den schwedischen Ausspruch mag ich eigentlich, aber in diesem Falle wäre es falsch, Birnbaum eine Absage zu erteilen, nur, um unbedingt endlich eine Frau an die Spitze des Moderna zu wählen, auch wenn das prinzipiell sicher einmal an der Zeit wäre. Außerdem ist es kaum denkbar, dass Birnbaum auf ewig den Posten besetzen wird. In sechs Jahren soll dann eine Frau das Haus übernehmen, das er hoffentlich international so interessant macht wie einer der ersten Direktoren: Pontus Hultén.

