You are currently browsing the tag archive for the ‘Luxus’ tag.


KOPENHAGEN. Das Auto ist in Dänemark ein Luxusgut im wahrsten Sinne des Wortes. Will man einen Wagen sein eigen nennen, darf Geld keine Rolle spielen. Die Preise und Abgaben sind horrend. Schuld daran ist die in Dänemark erhobene sogenannte Registrierungsgebühr. (Wie die genau funktioniert kann man an Hand eines Beispiels weiter unten nachlesen.) Für mich ein astreiner Importzoll, den, hätte man genug Geld und einen ausreichend langen Atem, man eigentlich gerichtlich anfechten müsste (Stichwort: Verbot von Ein- und Ausfuhrbeschränkungen innerhalb der EU). 

Die Folge aus dieser Krux ist, dass Nummernschilder in Dänemark einen Wert haben, der es locker mit Imperial Kaviar des Beluga Störs aufnehmen kann. Schilder werden geklaut und auf gestohlene Autos anmontiert. Oder aber bei im Ausland gekauften Fahrzeugen werden die Nummernschilder einfach drangelassen. Viele Dänen nehmen auch die Dienste der Firma Showplate in Kauf. Die kleine Nummernschild-Schmiede hat ihren Sitz im idyllischen Gränna in Schweden und produziert für den läppischen Preis von etwa 30 Euro (auch) dänische Kopien, die auf den ersten Blick den Originalen täuschend ähnlich sehen. Zumindest ähnlich genug, dass man die Kontrolleure in Dänemark hinters Licht führen und sich somit die Registrierungsgebühr sparen kann. 50 dänische Kunden hatte Showplate alleine im vergangenen Monat. Besitzer ist übrigens der Deutsche Uwe Hirsch, der 2003 mit seiner Frau nach Schweden zog. Eigentlich will Hirsch eben nur sogenannte Showplates herstellen, die man sich in die Windschutzscheibe legen kann. Den Dänen scheint das aber herzlich egal zu sein. 

Neulich habe ich mit Uwe Hirsch telefoniert. Der Mann sieht sich derzeit von dänischen Medien regelrecht belagert. Jyllands-Posten brachte am 5. August einen Artikel (leider nur in der Printausgabe) und auch das dänische Fernsehen besuchte Hirsch in Schweden. Das alles sei ihm zu viel, sagte er mir. Kann man ja auch verstehen. Ich glaube, Uwe Hirsch hat einfach ein wenig Angst, dass seine kleine Nummernschild-Schmiede einen schlechten Ruf bekommt, wenn sie ständig im Zusammenhang mit Autokennzeichen-Betrügereien in Dänemark erwähnt wird.

Die Steuerbehörde intensiviert derzeit in Zusammenarbeit mit der Polizei in Dänemark die Nummernschild-Kontrolle. Das Ergebnis bisher: 388 Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen wurden kontrolliert, 109 davon beschlagnahmt, weil sie Leuten gehören, die ihren Wohnsitz in Dänemark haben, das Auto also eigentlich hätten umregistrieren lassen sollen. Das Fernsehen zeigte gestern, was mit diesen Autos passiert. Sie werden zwangsversteigert, wobei die Preise dabei oft niedriger sind als beim Händler. Das Wort “Schnäppchen” möchte ich in diesem Zusammenhang aber nicht in den Mund nehmen. Denn die Luxuskarossen sind immer unverschämt teuer.

Aber nun endlich wie versprochen ein Rechenbeispiel. Genau genommen geht die Regel zur Registrierungsgebühr folgendermaßen: Bis zu einem Wert von 79 000 Dänischen Kronen (etwa 10 600 Euro) muss man 105 Prozent des Verkehrswerts (Wird von der dänischen Steuerbehörde festgelegt) zahlen. Im Falle des 50 000 Euro teuren Mercedes wären das 11.130 Euro. Für den Rest sind dann die 180 Prozent fällig. Das wären dann 70 920 Euro. Die Gebühr beliefe sich also auf 82 050 Euro. In Dänemark gekauft, kostet der Mercedes dem entsprechend nicht 50 000 sondern 132 000 Euro.

Ein Irrwitz, ich weiß. Der Grund für die Gebühr ist rein fiskaler Natur. Dänemark hat keine Autoindustrie und deshalb auch keine Lobby, die ihre Interessen vertritt. Da kann der Staat in Ruhe zuschlagen und verdienen. Und wie immer, wenn es in Skandinavien um Abgaben und Steuern geht: wenn schon, dann richtig.

In der FTD gab es von mir am Dienstag einen Artikel dazu.


KOPENHAGEN. Dubai. Das ist vor allem Dekadenz, die kaum zu übertreffen ist. Hier gibt es das teuerste Hotel, den höchsten Wolkenkratzer, die künstlichsten Inseln und eine eingehauste Skipiste – bei 45 Grad Außentemperatur. Es müssen schon Superlative sein, mindestens. Drunter macht es das Emirat am Perischen Golf nicht. Krise? Schon. Aber deshalb gleich das Blattgold von den Kronleuchtern abkratzen? Für den französischen Geschäftsmann Julien Caquineau genau der richtige Markt für sein Produkt. Er will den Wüstenstaat mit Wasser beliefern. Gewonnen aus dem Ilulissat-Gletscher an der Westküste Grönlands, seit 2004 Unesco-Weltkulturerbe. Eis, das vor 200 000 Jahren als Schnee zu Boden gefallen ist und sich nun langsam ins Meer ergießt.

Natürlich lässt Caquineau nicht irgendwelche Maschinen die Eisklumpen aufsammeln und es in Fabriken bringen, wo es dann geschmolzen und abgefüllt wird. Das wäre Dubai nicht würdig – und wahrscheinlich auch zu billig. Handverlesen soll alles sein. Über die zahlreichen Wasserfälle des Gletschers soll das kostbare Nass aufgefangen und noch an Ort und Stelle abgefüllt werden. „Unser Konzept ist Qualität“, sagt der 42 Jahre alte Franzose, der die vergangenen drei Jahre auf Grönland gelebt hat. „Das Ergebnis ist das reinste Wasser der Welt.“ Ein Wasser gilt als pur, wenn es nicht mehr als zehn Miligramm gelöster Teilchen pro Liter enthält. Bei Caquineaus edlem Tropfen sind es weniger als fünf Miligramm pro Liter. Zu erreichen ist das nur, wenn Eis verwendet wird, das nie den Boden berührt hat.

Dem entsprechend geschmacksneutral ist das Wasser. „Es schmeckt nach nichts“, sagt Caquineau. Ganz nach dem Geschmack Dubais, wo man bisher noch jeden Nippes gekauft hat, wenn er nur teuer genug ist. 40 Euro kostet die 750-Mililiter-Flasche Iluliaq, so heißt das Wasser. Dafür wird es dann in extra angefertigten Flaschen mit Glasverschluss gefüllt, die vom deutsch-französischen Designerduo Helmut Dippold und Valerie Pasmanian entworfen wurden. Kein bisschen Plastik soll die Flüssigkeit verunreinigen. 30 000 Flaschen haben Luxushotels, Restaurants und Bars in Dubai bereits bestellt und sich damit gleich eine halbe Jahresproduktion reserviert. Pech für Japan, Singapur oder die USA, wo die Nachfrage nach dem Gletscherwasser ebenfalls groß sein soll.

Auf Grönland frohlockt man über die unerwartete Positionierung im Hochpreissegment und hofft, auf diese Weise finanzkräftige Kundschaft auch auf die Insel zu locken. „Für uns ist es eine Supersache, Grönland durch so exklusive Produkte in der Welt bekannt zu machen“, sagt Per Rosing-Petersen, Direktor der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, Destination Avannaa. Aus diesem Grund hat das Industrie- und Rohstoffministerium unter Ove Karl Berthelsen für das Edelwasser erst kürzlich auch eine Lizenz erteilt.

Seitdem nämlich das Mutterland Dänemark vor einem Jahr der Insel mehr Autonomie gegeben hat, darf Grönland alle Einkünfte aus seinen Rohstoffen behalten und muss nicht mehr einen Großteil davon an Dänemark abführen. Und zu diesen Rohstoffen gehört neben Öl und Gas eben auch Wasser. Es gebe genug Menschen mit dem nötigen Kleingeld da draußen, sagt Berthelsen, „und genau diesen Markt müssen wir bedienen“. Selbst zählt sich der Politiker offenbar jedoch nicht dazu. Denn 40 Euro für eine Flasche Wasser würde Berthelsen nie bezahlen. „Ich habe genug davon in meiner direkten Umgebung“, sagt er. Was die gut betuchten Bewohner Dubais nicht gerade von sich behaupten können. Wahrscheinlich aber würden sie auch sonst gerne viel dafür ausgeben.

Mein Twitteraccount (mehrsprachig, Schwerpunkt Kultur)

April 2014
M D M D F S S
« Mär    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  

HochOben

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.