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KOPENHAGEN. Von der Eröffnung des neuen Domizils des Astrup Fearnley-Museums in Oslo hatte ich hier und bei art online schon berichtet. Das private Haus war von Anfang an kritisiert worden – was überhaupt nicht heißen soll, das Kritik überwog. Es kam kritische Kommentare, aber Kritik sollte einen ja üblicherweise voran bringen. Es ging z.B. darum, dass manch einem das neue von Renzo Pianos Büro entworfene Gebäude zu protzig war (eine Ansicht die ich nicht teilen kann) oder dass die Sammlung des Hauses nicht gut genug sei (es ist aber ein Privates Museum und kann von daher anderen Ansprüchen genügen als ein staatliches).

In den letzten Wochen aber hat die Kritik zugenommen. Genaugenommen seit Astrup Fearnleys Lundin als Sponsor verkündet hat. Die norwegische Tochter des schwedischen Konzerns stützt das Museum fortan finanziell – so wie schon einige andere zuvor. Das hat einen Aufschrei beim Netzmedium kunstkritikk.no hervor gerufen.

Denn Lundin ist nicht irgendeine Firma, sondern eine besonders umstrittene Ölfirma aus Schweden. Womöglich hat sie sich in Äthiopien Menschenrechtsverletzungen zu schulde kommen lassen. Pikanterweise war der jetztige schwedische Außenminister Carl Bildt bei Lundin im Aufsichtsrat. International bekannter wurde die Geschichte als die schwedischen Journalisten Martin Schibbye und Johan Persson in Äthiopien unter Terrorismusverdacht festgenommen und lange in Haft gehalten wurden. Sie hatten dort zu Lundins Vorgehen recherchieren wollen (im Mediummagazin gab es einen Beitrag von mir zum Thema.

Wegen der Vorwürfe hatte Jonas Ekeberg vom norwegischen Online-Kunstmedium Kunstkritikk.no dazu aufgerufen einen Empfang im Astrup Fearnley-Museum zu boykottieren. Nein zum Champagner im Astrup Fearnley-Museum, forderte er in einem Beitrag und lud stattdessen zu Bier und Würstchen in Kunstnernes Hus. Klischeehafter nach dem Motto “ihr (Bösen) da oben – wir (Unschulidgen, Guten) da unten” geht es kaum. Als bestünde die Welt nur aus absoluten Gegensatzpaaren wie eben Gut und Böse, schwarz-weiß oder eben Bier-Champagner. Keine Frage, Ekebergs kritische Fragen sind berechtigt und können zu notwendigen Diskussionen führen, doch vorgebracht werden diese in schlechter alter Manier und ignorieren zudem ein moralisches Dilemma, in dem der anklagende Fragesteller selber steckt. Kunstkritikk nämlich bekommt jede Menge Geld vom Staat, der wiederum massiv bei Lundin investiert ist. Eigentlich, so sagt von mir befragt zum Beispiel die Galeristein Maria Veie, müsste Ekeberg in letzter Konsequenz auf Staatsgeld verzichten. Ihr geht es aber vielmehr darum zu zeigen, dass in der komplexen Welt womöglich auch die Anklagenden sich Fragen stellen müssen. Und nicht zuletzt Veie selber (obwohl sie gar nicht zu den großen Anklägern gehört, aber auch sie bekommt für die Aktivitäten ihrer Galerie immer mal wieder staatliche Gelder).

Für The Art Newspaper habe ich den Streit zusammengefasst, hier ist mein Artikel online auf Englisch zu lesen.


KOPENHAGEN. Über den norwegischen Ölfonds habe ich bereits viel geschrieben, zuletzt hier in Die Welt. Vor der Küste des Landes lagern umfangreiche Öl- und Gasvorkommen, deren Ausbeutung das relativ bevölkerungsarme Land sehr reich gemacht hat. Während fast der komplette Rest Europas in Schulden versinkt, erwirtschaftet der norwegische Staat Überschüsse, die via Ölfonds im Ausland angelegt werden. Die Strategen des Fonds kaufen Aktien, Festverzinsliches und neuerdings auch Immobilien. Was bisher nicht auf der Einkaufsliste steht, ist Kunst. So grundauf verschiedene Politiker wie der Sozialdemokrat Trond Giske und der rechtsliberale Populist Carl I. Hagen haben schon vorgeschlagen, dass der Fonds auch Kunst kaufen solle. Ich hielt das lange für eine schlechte Idee, habe meine Meinung aber geändert, sofern es sich für den Kunstmarkt um relevante, für den Ölfonds aber kleine Summen handelt (selbst 1 Prozent des Fondswertes würde derzeit rund 4 Mrd. Euro ausmachen – es ist also möglich, diese Bedingung zu erfüllen). Für die norwegische Publikation Kunstkritikk schrieb ich einen Gastbeitrag und argumentierte für den Einsatz von Öl-Geldern für die Kunst, hier auf Norwegisch zu lesen.

Anders als der Schriftsteller Erik Fosnes Hansen, der heute in Aftenposten schrieb, Der Schrei hätte wieder nach Norwegen gekauft werden sollen, bin ich nicht der Meinung, das Bild hätte wieder in Norwegen landen sollen. In norwegischen Museen gibt es bereits drei Versionen des Schrei, da ist es doch sinnvoller, die vierte kommt ins Ausland und weckt so dort das Interesse an Munch und großer Kunst.

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