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Byrne Dilemma klassisch. (Foto: Bomsdorf)

Byrne Dilemma klassisch. (Foto: Bomsdorf)

REYKJAVÍK. Das Stadtbild ist während des diesjährigen Reykjavík Arts Festivals eine der großen Ausstellungsorte. Anderthalb Jahre nach dem Bankenkollaps thematisieren die Künstler natürlich die Krise. So beschäftigen sich mehrere Fotografen (Hlynur Hallsson oder Ingvar Högni Ragnarsson) der zum Teil im Freien stattfindenden Ausstellungsserie „Reality Check“ mit den sichtbaren und weniger sichtbaren Zeichen der Krise: Demonstranten, arbeitslose polnische Arbeiter und von Investoren im Stich gelassene Bauprojekte sind an Hausfassaden und Bauzäunen in der Innenstadt von Reykjavik zu sehen – gleichzeitig sind im Gericht nebenan Demonstranten angeklagt und die ersten Bankmanager sind verhaftet worden und werden – so hoffen viele Isländer – auch bald auf der Anklagebank sitzen.

David Byrne, Frontmann der Talking Heads und seit einiger Zeit bildender Künstler, nimmt ebenfalls am Reykjavík Arts Festival teil. Er bespielt Plakatständer im Stadtzentrum. Byrne stellt der Öffentlichkeit Fragen, das klingt schon beinahe etwas klischeehaft, denn Fragen stellen, da ist man sich schnell einig, das soll die Kunst. Doch, wenn Byrne mitten in der Krise zwischen Fragen zu den kleinen Dilemmata des Alltags die Isländer und natürlich uns Besucher auch fragt, was wir tun würden, wenn wir unsere Freunde gegen eine Menge Geld eintauschen könnten, dann wirkt seine Arbeit. Früher wäre diese Frage wohl nicht hervorgestochen, doch im derzeitigen Kontext ist sie etwas anderes.

Byrne Dilemma zeitgenössisch. (Foto: Bomsdorf)

Byrne Dilemma zeitgenössisch. (Foto: Bomsdorf)


Car in Iceland - not yet in river. (Foto: Bomsdorf)

KOPENHAGEN. Heute eröffnet im Berliner Martin Gropius-Bau die Einzelausstellung von Olafur Eliasson, Kurator ist Daniel Birnbaum. Eliasson hat sein Studio in Berlin und wurde in Kopenhagen als Sohn isländischer Eltern geboren. Alle drei Länder vereinnahmen ihn deshalb gerne für sich, was der Popularität des Populistenkünstlers (seine Ausstellungen und Werke ziehen Massen an) sicher mehr nutzt als schadet. Neben den etwa aus London und New York bekannten Rieseninstallationen, macht Eliasson auch stillere Arbeiten. So etwa die Fotoserie “Cars in Rivers“. Anlässlich der Berliner Ausstellung hier ein Auszug zu “Cars in Rivers” aus dem Text, den ich für das französischsprachige Kunstmgazin Art Nord über Eliasson schrieb (wer meine französischen Sprachkenntnisse kennt, weiß, warum ich den Text auf Englisch abgab. Er erscheint im Juni.). Eine Arbeit, die zur aktuellen Situation nicht nur Islands passt:

“Due to the low population density and a relatively bad public transportation system private cars in Iceland play a much bigger role than in many western European countries. In large parts of the country roads as known from Germany, Finland or France are missing and one has to drive on soil, snow and even through rivers. It is not that seldom that people get stuck when trying to pass a river with their jeep. The water might be deeper than expected, the ground less solid or the driver less experienced as his self-perception told him. For his latest series of photographs titled “Cars in rivers” (2009) Eliasson collected pictures of cars that got stuck in Icelandic rivers. Again a parallel to the situation Iceland and the world is in can be drawn. Underestimating the forces of nature, overestimating your own capability is what leads to get stuck. But there is almost always a way out, though it might take time, artist Björk Viggósdóttir tells me when driving me in her car on a solid street outside Reykjavík close to the Icelandic president´s residence in Álftanes. Being Icelandic and knowing the difficulties of driving in the country for her the “Cars in rivers” series clearly relates to the Iceland of today. “Either you manage somehow to continue the direction you were heading and get out on the other side or you have to pull back, not reaching your goal at this point, but getting on the ground again”, she explains the ways out of the mess to me. A move Iceland has to do as well right now. There are off course two more options: Having to leave the car behind to safe your soul or not being able to escape at all – a very unlikely worst case scenario.”


KOPENHAGEN. Nun fliegen sie wieder, die Jets. Der Ausbruch am Eyjafallajökull hat den Flugverkehr nur kurzfristig zum Stillstand gebracht. Doch wir kennen es aus unserem eigenen Leben, manchmal reicht es aus, kurz eine Alternative kennen zu lernen und schon ist klar: das bisherige ist es nicht gewesen. Vielleicht muss also gar nicht mehr der viel heftigere Vulkan Katla ausbrechen, um – welch ein schönes Bild – den Stein ins Rollen zu bringen. Die Zukunft bringt die Reisetradition zurück, die Distanz ist nicht mehr einzig eine ärgerliche Zahl von Kilometern, die überwunden werden muss, sondern Teil der Reise.

Henning Ritter schreibt in der FAZ vom Donnerstag, 22. April, in seiner Besprechung der Tagebücher Julius Meier-Graefes: “Meier-Graefes Tagebuch kartographiert jenes mit Beginn des Weltkriegs untergegangene kultivierte Europa, das mit Nachtzügen der Internationalen Schlafwagengesellschaft, mit so wenig Zeitverlust wie möglich, zu Bildern, Opern- und Theateraufführungen, zu den alten Kunststädten in Deutschland, Frankreich oder Italien reiste.”  2007 als kurz nacheinander die Venedig Biennale, die Art Basel, die Skulpturenausstellung in Münster und die documenta in Kassel eröffneten, gab es die so genannte Grand Tour, die Reise von einer Vernissage zur anderen. Das bevorzugte Fortbewegungsmittel des Kunst-Jet Sets dürfte der Flieger gewesen sein. Isländischem Vulkan sei Dank wird sich bei der nächsten Häufung von Eröffnungen internationaler Ausstellungen womöglich der Kunst-Train Set auf die Schiene aufmachen.

Wenn es nicht allzu viele Umstände bereitet, ersetze ich den Flieger durch Bahn oder Boot. Venedig-Biennale, Caspar-David Friedrich-Ausstellung in Hamburg, Interview in Oslo habe ich so schon fliegerfrei erreicht. Was aber mit einer meiner Lieblingsinseln? Aus Island, wo im Mai das Reykjavík Arts Festival eröffnet wird, gibt es nämlich keine Eisenbahn.

Als die isländische Wirtschaft noch glühend heiß war und der Tanz auf dem Vulkan die Stimmung auf der Insel wohl am besten beschrieb, hatte ich das absurdeste Flugerlebnis meiner bisherigen Journalistenzeit ausgerechnet auf Island. Zum Reykjavík Arts Festival 2005 flogen Journalisten, Politiker, Künstler und Kunstliebhaber an einem Tag von Vernissage zu Vernissage über die ganze Insel. Morgens ging es mit drei Fliegern auf dem regionalen Flughafen in Reykjavík los: im ersten Flieger saß der isländische Staatspräsident mit einigen Auserwählten. Die Kultusministerin samt einigen Künstlern, Journalisten und einigen anderen in Flieger Nummer zwei und die Mäzenin und erklärte Island-Begeisterte Francesca von Habsburg flog mit dem Privatflieger hinterher. Den genauen Reiseplan habe ich gar nicht mehr im Kopf, aber es sah in etwa so aus: Start Reykjavík, 20 Minuten Flug nach Isafjördur, kurze Busfahrt zur Ausstellungseröffnung (ein beeindruckendes Werk von Elin Hansdottir, kaum war das auch nur ansatzweise angeschaut worden, hieß es auch schon wieder: zurück in den Bus), zweiter Stop nach gefühlten 10 Minuten Flug: Akureyri, dort blieb noch weniger Zeit für den Ausstellungsbesuch (Matthew Barney und Gabriela Fridriksdottir, die in dem Jahr Island auf der Biennale in Venedig vertrat), denn das Buffet und der Bus zum Flughafen warteten. Dann: Egilstadir, um nach Seydisfjördur zu kommen. Etwas längere Busfahrt, doch welche Ausstellung wir damals sahen, dass weiß ich schon nicht mehr, denn es ging ja kurz darauf  natürlich mit dem Flieger bzw. mit den Fliegern – weiter auf die Westmännerinseln. Dort nächster Stehempfang, eine Performance und dann zurück nach Reykjavík. Schön, dass Island sich diese kostspielige eintägige Flugreise leisten konnte, aber sie ist auch symptomatisch: Statt Zeit für das wahre Erleben zu lassen, musste jede Möglichkeit genutzt werden und es blieb vor allem die Erinnerung an ein paar Stunden Leben in Saus und Braus.

Alain de Botton, der mit einem Schreiberstipendium in London auf dem Flughafen eingesperrt war, schreibt übrigens hier bei thefastertimes.com, wie er sich eine Welt ohne Flieger vorstellt. In Anlehnung an John Lennon beginnt sein Text mit “Imagine..”.


KOPENHAGEN. “Merken Sie was?”, fragte erst neulich Claus Kleber im ZDF Heute Journal und lieferte seinen eigenen Eindruck gleich mit. “Ist irgendwie ruhiger.” Was Kleber da so en passant sagte, ist in Wahrheit eine Beobachtung, die zu einigen Überlegungen anregt. Denn er meinte damit ja nicht (nur) den Fluglärm, der normalerweise Anwohner von Flughäfen um ihren Schlaf bringt, dies aber derzeit nicht tut, weil die Asche des isländischen Eyjafjalla-Vulkans nun schon seit fünf Tagen den europäischen Luftverkehr blockiert. Kleber sprach auch von einer allgemeinen Beruhigung des Alltags, des hektischen Nachrichtenflusses. Irgendwie scheint weniger zu passieren, seitdem die stählernen Kollosse nicht mehr am Himmel kreuzen.

Eben keine Angela Merkel, die am gestrigen Sonntag in Hannover an den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen teilnimmt. Kein Treffen mit Ministerpräsident Berlusconi und im Anschluss auch keine Eröffnung der Hannover Messe, die eigentlich im Terminkalender der Bundekanzlerin stand. Statt dessen eine gestrandete Politikerin, die aus den USA zunächst nach Lissabon musste, weil kein europäischer Flughafen nördlich von Alpen und Pyrenäen geöffnet hatte. Dann weiter nach Rom und von dort dann mit dem Bus durch die norditalienische Poebene tingelte. Irgendwie Richtung Berlin.

Ein Ärgernis? Eine Katastrophe gar? Oder einfach nur ein paar freie Tage? Eine unverhoffte Auszeit vom politischen Alltag? Man mag in diesen Tagen wütend sein auf Islands Eyjafjalla-Vulkan, weil er Pläne durchkreuzt, Ereignisse verhindert und viel Geld kostet. Man kann aber auch gut finden, dass die Asche sich wie ein Schleier auf den hektischen Alltag legt, ihm das Grelle und Schrille nimmt. Welche Einstellung man auch hat, Tatsache ist: Der Eyjafjalla-Vulkan auf Island wirkt als großer Entschleuniger einer Welt, deren Rhythmus längst aus dem Takt geraten ist. Hat der Vulkanausbruch also nicht auch sein Gutes?

Der in London lebende Philosoph und Schriftsteller Alain de Botton hat sich in einem Artikel für die BBC ein paar Gedanken zu einer Welt ohne Flugzeuge gemacht. Er kommt zu dem Schluss, dass man dem isländischen Vulkan doch eigentlich dankbar sein sollte, weil er uns allen eine Atempause verschafft und uns Zeit gibt zum Innehalten und Nachdenken.

Vielleicht gibt uns der Vulkan auch nur einen Vorgeschmack auf die Zeit, wenn sich die Menscheit die zivile Luftfahrt wegen zu hoher Rohstoffpreise schlicht nicht mehr leisten kann. Zumindest interkontinental wäre dann das Schiff wieder Verkehrsmittel Nummer 1. Reisezeiten wären wieder länger, die Seele hätte Zeit, Ortswechsel mitzuvollziehen. Heutzutage hat sie auf der Strecke Kopenhagen-New York dafür ja nur sechs Stunden. Reisen wären dann wieder echte Reisen, weil sie gemächlich von statten gehen würden.

Auf der Seite informationisbeautiful.net hat man auf Datenbasis des Vulkanologischen Instituts der Universität von Island den täglichen CO²-Ausstoß der europäischen Luftfahrtindustrie (344.109 Tonnen) den des Vulkans Eyjafjalla (etwa 15.000 Tonnen) gegenüber gestellt. Natürlich eine sehr vereinfachte Darstellung, da in dieser Rechnung Stoffe wie Schwefel und Methan außer Acht gelassen werden. Sie gibt aber eine Idee von dem vergleichsweise niedrigen Ausstoßes des Treibhausgases Kohlendioxid. Zumal durch die drastische Reduzierung des Flugverkehrs täglich auch noch 206.465 Tonnen eingespart werden sollen. Doch dieser Umweltaspekt nur nebenbei.

Island entschleunigt derzeit die Welt, selbst die Finanzkrise und den erst Anfang vergangener Woche herausgebrachten 2000 Seiten starken Untersuchungsbericht scheint die Aschewolke komplett verschluckt zu haben.

Trotzdem hoffe ich, dass der Eyjafjalla-Vulkan bald zur Ruhe kommt. Denn ich habe für kommenden Samstag einen Flug von Kopenhagen nach Alicante gebucht, und den würde ich wirklich gerne antreten. Entschleunigung hin oder her.


KOPENHAGEN. Der isländische Vulkanausbruch ist derzeit das dominierende Ereignis in den Medien (und im Verkehr). Über die wirtschaftlichen Folgen für Großbritannien, das derzeit ja mit Island wegen Icesave  im Streit liegt, spekuliert im Blog des britischen Telegraph Jeremy Warner.

Mittlerweile wird wieder geflogen, zumindest über Island. Dort startete der örtliche metereologische Dienst und brachte ein paar Bilder von der Aschewolke mit, die auf der Website des Dienstes zu sehen sind.


KOPENHAGEN. Ausgerechnet jetzt, wo Island sich daran macht, die Ursachen für die Finanzkrise aufzuarbeiten, bahnt sich die Naturgewalt ihren Weg und zieht in Form eines riesigen Vulkanausbruchs beim Gletscher Eyjafjalla fast alle Aufmerksamkeit auf sich. Hat da etwa der bekannte isländische Filmproduzent Sigurjón Joni Sighvatsson seine Finger im Spiel und inszeniert a la “Wag the Dog” ein Ablenkunsgmanöver, um die Ex-Politikerelite vor der öffentlichen Verurteilung zu retten? Die Isländer sind doch immer so kreativ.

Sicherheitshalber habe ich mit Simon Birgisson gesprochen, der für das isländische Onlinemedium visir.is arbeitet: „Wir machen auf Island derzeit ohnehin eine schwierige Zeit durch, es ist schon komisch, dass ausgerechnet jetzt auch noch der große Vulkanausbruch kommen muss“, sagte er mir am Telefon aus Reykjavík. Am Montag wurde auf Island der Untersuchungsbericht über die Ursachen der Finanzkrise veröffentlicht (falls die Vulkanasche die Erinnerungen trübt: auf dem Inselstaat wurden vor anderthalb Jahren binnen weniger Tage die größten drei Banken verstaatlicht. Nun zählt das ehemals so reiche Land zu den größten europäischen Leidtragenden der Finanzkrise.) „Heute verdrängt der Vulkanausbruch die Aufklärungsdiskussion, aber ich habe keine Angst, dass dieser wichtige Bericht keine Beachtung mehr findet“, so Birgisson.


KOPENHAGEN. “Rückhaltlose Aufklärung” fordern die Politiker in Deutschland immer wieder, wenn ein anderer Politiker (oft aus den eigenen Reihen) einen Skandal angezettelt hat. Der Begriff wird außerhalb der Politik meist nur noch mit Ironie angewandt, denn die “rückhaltlose Aufklärung” wird erstens meist nur gebraucht, weil zuvor die (Selbst)kontrolle versagt hat und zweitens sind derartige Aufklärungsarbeiten häufig davon gekrönt, dass sie so lange dauern, dass der Skandal schon wieder vergessen ist.

Was Island derzeit mit dem Untersuchungsbericht versucht, könnte ganz ohne Ironie auch als rückhaltlose Aufklärung bezeichnet werden. Doch wie interessiert ist das Land denn eigentlich daran, auch das Ausland aufzuklären? Deutsche Banken haben Milliarden in Island in den Sand gesetzt (sicher nicht ganz ohne eigene Schuld), britische und niederländische Sparer taten Ähnliches über Icesavekonten und die gesamte europäische Öffentlichkeit ist daran interessiert zu hören, ob der neuste EU-Aspirant einer Bananenrepublik glich. Deshalb ist es in Islands eigenem Interesse, dass das Ausland so viel wie möglich von dem Untersuchungsbericht zu lesen bekommt.

Es ist sehr löblich, dass Island sich die Mühe macht diesen Bericht zu erstellen und damit mal eben große Teile der ehemaligen politischen Elite als mehr oder weniger unfähig entlarvt bzw. diese Vermutung bestätigt. Doch angesichts der Tatsache, dass die meisten akademisch ausgebildeten Isländer hervorragend Englisch sprechen, ist es verwunderlich, dass dieses Land es nicht schafft, die Zusammenfassung des Berichts auf Englisch ins Internet zu stellen. An technischen Schwierigkeiten kann es kaum liegen, Island hat jede Menge IT-Spezialisten. Auf der Internetseite, wo diese Informationen am Montag um 12.30 Uhr deutscher Zeit (10.30 isländische Ortszeit) erscheinen sollten, steht nun:

“Chapter 2 and chapter 21, will not be available in English, due to unexpected difficulties, until the afternoon of 14th of April. “

Ist es die deutsche Strategie der “rückhaltlosen Aufklärung”: Einfach mit der Veröffentlichung so lange warten bis anderes wichtiger ist und der Skandal vergessen?


KOPENHAGEN. Der am Montag veröffentlichte Untersuchungsbericht zur isländischen Finanzkrise enthält zumindest in den Teilen, die bisher gelesen und verstanden wurden (immerhin ist er über 2000 Seiten lang), wenig wirklich Überraschendes.

Schon als die Bankenprivatisierung vonstatten ging, war diese vielen ziemlich dubios. Schließlich war es eine Privatisierung in russischem Stil und einer liberalen Marktwirtschaft, die Oddsson ja angeblich wollte, nicht würdig. Die dubiose Kreditpraxis der Banken wurde dann nach dem Bankenkollaps nach und nach bekannt (siehe dazu meinen Bericht in der FTD vom August vergangenen Jahres).

Der Bankenkollaps ist in der isländischen Geschichte einmalig, der Montag präsentierte Untersuchungsbericht ist es auch. Nun könnte als Konsequenz eine weitere Einzigartigkeit folgen. Derzeit berät das isländische Parlament darüber, ob zum ersten Mal das Reichsgericht einberufen werden soll, ein Sondergericht, das über Verfehlungen von Politikern urteilt. Ein Beschuldigter hat es sogar gefordert: Björgvin G. Sigurdsson. Natürlich nur, um sich reinzuwaschen. Details dazu in meinem heute veröffentlichten Artikel für Die Welt, der hier online zu lesen ist.


OSLO. Die Isländer haben am heutigen Montag auch einen Bericht präsentiert bekommen, wie es um die Moral in ihrem Lande stand. Nachdem in Gesellschaft und Presse in den vergangenen 18 Monaten schon viel kolportiert worden ist, ist bisher nichts gefunden worden, das wirklich jemanden überrascht hätte.

Auch der Ethikrat sagt im Grunde nichts neues, wenn er darauf hinweist, dass die Privatisierung der Banken unprofessionell ablief, da Freunde und nicht zwingend die besten zukünftigen Bankbesitzer zum Zuge kamen. Das Argument habe ich, seit ich 2002 das erste Mal Island bereiste, immer wieder und wieder gehört. Sprich, das Problem war bekannt. Doch warum kümmerte es kaum jemanden? Auch darauf weiss der Ethikrat nicht wirklich Antwort, schlußfolgert er doch:

“The main conclusion of the Working group are that although several individuals, in the financial, administrative, political and the public sphere, showed negligence and sometimes reprehensible action, the most important lessons to draw from these events are about weak social structures, political culture and public institutions. It is the common responsibility of the Icelandic nation to work towards strengthening them and constructing a well functioning democratic society.”

Einerseits sicher richtig, andererseits Worte, die sehr nach den üblichen Politikerversprechungen klingen. Bleibt abzuwarten, was bei rumkommt. Island hat jetzt die einmalige Chance, die Krise so weit wie möglich aufzuklären und daraus wirklich zu lernen.

Damit könnte das Land mal wieder zum Vorbild avancieren. Sollte der Bericht aber schnell vergessen werden und Konsequenzen ausbleiben, dann hat Island sein Imageproblem nur noch vergrößert. Und diesmal bitte nicht nach New York, Kopenhagen etc. reisen, um das Image aufzupolieren statt wirklich etwas zu tun.


OSLO. Mehrfach war die Veröffentlichung des Berichts der parlamentarischen Untersuchungskommission zu den Hintergründen des Bankencrashs auf Island verschoben worden. Heute um 10.30 Uhr Ortszeit (12.30 Uhr deutscher Zeit) war es dann soweit und der Bericht wurde veröffentlicht.

Auf isländisch keine Frage. Aber weil auch das Ausland daran interessiert ist, was denn nun auf Island schief gelaufen ist und wie die Gelder von den Icesave-Konten britischer und niederländischer Sparer verwendet wurden, sollten Teile des Berichts auf direkt auf Englisch erscheinen.

Sollten. Denn der wichtigste Teil, die Zusammenfassung ist weiterhin nicht auf Englisch erhältlich. Sitzt da noch jemand und übersetzt die letzten Worte oder wollte man einfach, dass das Ausland die wesentlichen Punkte erst zu lesen bekommt, wenn es zu spät ist, diese in die morgigen Zeitungen zu bringen? Auf dieser Sonderseite soll die englische Übersetzung stehen, um kurz vor 15.00 Uhr  – also 2,5 Stunden nach Termin - ist sie immer noch nicht erschienen.

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